Buch: Codename Curveball: Wie ein Informant des BND den Irak-Krieg auslöste | Bob Drogin
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Codename Curveball: Wie ein Informant des BND den Irak-Krieg auslöste
Bob Drogin
Econ
, 2008 - 431 Seiten
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Deutschland verhalf Bush heimlich zum Irak-Krieg
Geheimdienste der ganzen Welt wehren sich gegen das Aufdecken ihrer Verstrickungen in Politik und entziehen sich ihrer Verantwortung fast immer dadurch, dass sie diejenigen Menschen, welche ihre Praktiken enthüllen, als Verbreiter einer Verschwörungstheorie diskreditieren. Diese perfide Verteidigungspraktik von Spionageorganisationen funktioniert meist sehr gut. Nur selten glückt es unbestechlichen Journalisten oder Wissenschaftlern, sich dagegen erfolgreich zu wehren. In Bezug auf den
Irak
krieg
des inzwischen abgewählten US-Präsidenten George W. Bush ist das gelungen. Der mit dem weltweit geachteten Pulitzer-Preis ausgezeichnete Korrespondent der angesehenen Washingtoner Zeitung Los Angeles Times, Bob Drogin, konnte nachweisen, dass der deutsche Bundesnachrichtendienst (
BND
) eine große Verantwortung dafür zu übernehmen hat, dass es Bush gelungen war, die Mehrheit der UNO-Mitgliedsstaaten mit einer Lüge hinters Licht zu führen, um ein Argument für den Krieg gegen den Irak zu konstruieren. Jetzt ist die unfassbare Enthüllung des Journalisten auch in Deutschland als Buch erhältlich:
Codename
Curveball
ist der Titel.
Den Tarnnamen Curveball hat der BND für einen Iraker verwendet, der dem in Pullach residierenden deutschen Auslandsgeheimdienst Märchen aufgetischt hat, um an einen deutschen Pass zu kommen. Auf seine Lügen ist der BND nicht nur hereingefallen, er hat sich auch geweigert, der befreundeten CIA zu offenbaren, dass der Iraker ein Hochstapler ist, selbst als diese späte Erkenntnis in Deutschland bekannt war. Der Autor beschreibt in seinem Buch präzise und umfassend bis ins Detail von Einzelgesprächen, die im Anhang dokumentarisch belegt werden,
wie
es einem kleinen Aufschneider, der illegal aus dem Irak nach Deutschland gekommen war, gelang, selbst sich als Fachleute empfindende führende BND-Mitarbeiter hinters Licht zu führen. Der BND war darauf hereingefallen, sich für jedermann im Internet einsehbare Informationen als geheime Kenntnisse von Curveball von diesem alkoholsüchtigen Iraker verkaufen zu lassen und unterstütze den vermeintlich wichtigen Geheimnisträger mit Millionenbeträgen. Als beim BND nicht mehr zu vertuschen war, dass man einem Hochstapler auf den Leim gegangen war, weigerte man sich in Pullach, den Freunden bei der CIA offenen Wein einzuschenken.
In den USA kamen der Bush-Regierung, die einen Krieg gegen den Irak um fast jeden Preis wollte, die Lügen von Curveball gerade Recht, der behauptete, Kenntnisse darüber zu haben, dass der damalige Präsident des Irak, Saddam Hussein, auf LKW versteckte transportable Fabriken zur Herstellung von biologischen Massenvernichtungswaffen habe bauen lassen. Internationale Experten hatten dagegen im Irak nie solche Waffen oder Anzeichen für deren Produktion finden können. Trotzdem wollte Bush einen Krieg gegen den Irak führen, der bekanntlich bis heute selbst nach der Hinrichtung Saddams in Folge eines von internationalen Beobachtern äußerst kritisch gewürdigten Schauprozesses kein wirkliches Ende gefunden hat.
Interne Querelen innerhalb verschiedener Abteilungen der CIA, welche der Autor minutiös beschreibt, förderten die voreingenommen gefassten Kriegspläne der Bush-Regierung bis schließlich fast alle Staaten der Welt durch eine UNO-Rede von US-Außenminister Colin Powell sich von der Lüge überzeugen ließen, die der kleine Hochstapler des BND aufgetischt hatte.
Es ist spannend und sehr informativ, zu lesen, wie es funktionieren konnte, dass ein Krieg, der bis heute Zigtausende Menschen das Leben kostete, letztlich auf die Lügen eines Hochstaplers zurückzuführen ist, zu dem der deutsche BND bis heute deswegen steht, weil er seine Verantwortung dafür vor der Öffentlichkeit verbergen will. Curveballs richtiger Name ist Rafid Alwan. Er ist 41 Jahre alt. Der dickliche kleine Mann mit dichtem schwarzen Haarschopf und kleinen dunklen Augen lebt seit 2003 in einer bescheidenen Erdgeschosswohnung mit seiner marokkanischen Frau und zwei Kindern in einem Gebäude einer ehemaligen US-Kaserne im Badischen. Er behauptet immer noch, so schreibt der Autor: Alles, was ich gesagt habe, ist wahr Das Wichtigste ist, dass ich ein ehrlicher Mann bin. Dann lacht er.
Die Geheimdienste haben bis heute ihre Fehler nicht zugegeben oder gar aufgeklärt. Die beispielshafte lückenlose Arbeit des Journalisten Bob Drogin können sie nicht als Verschwörungstheorie brandmarken. Es ist wünschenswert, dass es noch anderen Journalisten gelingt, in anderen Fällen, die Wahrheit von Verschwörungstheorien so zweifelfrei zu beweisen.
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