Insbesondere Kapitel vier ist zur Lektüre unumschränkt zu empfehlen. Im Blickpunkt stehen die Branchenhaie: Deutsche Telekom, die Großbanken oder ABB. Während die Deutsche Bank beispielsweise 14.500 Stellen abgebaut hat, haben die Aktionäre in den letzten fünf Jahren ein Drittel ihres Aktienvermögens verloren. Die Vorstandsgehälter stiegen dafür um 474 Prozent. Die Telekom-Aktie wiederum stürzte mit einem Verlust von 90 Prozent in den Keller, dafür wurden 55.000 Stellen abgebaut. Und Ron Sommer kassierte 11,6 Millionen Euro Abfindung.
Leider schreibt Riße über mögliche Auswege nur wenig. Am Schluss des Buches wird eine Acht-Punkte-Agenda aufgestellt: Managerhaftung, keine langfristigen Anstellungsverträge, eine transparente Entlohnung, mehr Kontrolle und Aufsicht, eine Bilanzpolizei, eine Trennung von Wirtschaftsprüfung und Beratung, ebenso bei den Analysten, konsequente Strafverfolgung. Riße fordert, die Chancen beim Schopf zu packen. Jetzt, wo die Vorstände notgedrungen immer dialogbereiter sind. Da hat er Recht. --Peter Felixberger
Trotz der Komplexität des Themas, der vielen Firmen- und Personennamen und der nicht immer einfachen wirtschaftlichen Tatbestände gelingt es Stefan Riße eine für alle verständliche Darstellung zu finden. Insbesondere die persönlichen Schilderungen und die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen machen das Buch zu einem kurzweiligen und interessanten Lesevergnügen.
Am Ende macht Herr Riße Vorschläge, mit welchen Maßnahmen das Vertrauen der Anleger und der deutschen Gesellschaft wiedergewonnen werden kann. Am bemerkenswerten ist der Vorschlag, den gebeutelten Telekom-Aktionären aus den im Bund befindlichen Aktien-Beständen als Ersatz für die Privatisierung von Staatsschulden Bonusaktionen - oder besser: Wieder-Gut-Machen-Aktien - zukommen zu lassen. Natürlich ist die Maßnahme nicht durchführbar, allerdings lenkt sie in die richtige Richtung: Verantwortliche, steht zu eurer Verantwortung!KCV