So macht Kommunismus Spass. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret | Bettina Röhl
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So macht Kommunismus Spass. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret
Bettina Röhl
Europäische Verlagsanstalt
, 2007 - 677 Seiten
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Kauftipp
Erhellend
Dieses Buch ist eine eigenartige Mischung: aus Familienbiographie und Zeitgeschichte, aus persönlichen Empfindungen und Begegnungen und aus - ausführlich, fast zu ausführlich - zitierten
Akte
n. Das verleiht im seinen besonderen Reiz. Bettina
Röhl
zeigt, daß ihre Eltern
Klaus
Röhl und
Ulrike
, geb.
Meinhof
, Mitglieder der verbotenen KPD waren und ihre Zeitschrift "
konkret
" (wie vieles andere) von der DDR finanziert und gesteuert war. Was wir in den siebziger und achtziger Jahren als Kalte-Kriegs-Propaganda abtaten ("die werden von drüben bezahlt") - es stimmte leider nur zu oft. Was Röhl berichtet, ist wohl nicht ganz neu, aber man bekommt doch einen neuen Blick auf die Ursprünge der Friedensbewegung, der Studentenbewegung und auch der RAF. Leider bleibt sie zu oft bei der Entrüstung darüber ("Wie konnten die nur") stehen. Was es war, was diese Menschen in die Arme der Kommunisten trieb, wird nicht richtig nachvollziehbar.
Röhls Stil ist nicht besonders elegant; um so mehr spürt man, bei aller Sachlichkeit, um die sie sich bemüht, ihre persönliche Beteiligung hinter den Zeilen. Sprachliche Schnitzer wie "exemplarische Beispiele", "verbale Verballhornung" oder die Verwechslung von "erschrickt" und "erschreckt" hätte aber wenigstens das Lektorat des Verlages aufspüren müssen.
Kein großes Werk, aber ein wichtiges Immunisierungsmittel gegen landläufige Legendenbildungen.
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Eine ausführliche Vorgeschichte
Was für ein Mensch war
Ulrike
Meinhof
? Bettina
Röhl
ist die Tochter der Terroristin. Dadurch kann sie viele persönliche Erlebnisse einfließen lassen, die zum Teil sogar übermäßig detailliert wiedergeben werden. Zudem standen ihr sicherlich manche Türen zu Gesprächspartnern offener als anderen. Sie suchte zahlreiche Weggefährten aus den 50er und 60er Jahren auf, druckt nicht nur die Interviews ab, sondern beschreibt auch, in welcher Atmosphäre diese verliefen. Das ist hochinteressant.
Bettina Röhl sieht sich dabei vorrangig als Journalistin. Daher auch die Distanz. Sie schreibt nicht Meine Mutter", sondern in der dritten Person. Bettina Röhl hat journalistisch gründlich recherchiert, und sie hat einen Hang zur Ausführlichkeit. Somit beginnt die Geschichte von Bettina Röhls Eltern Ulrike Meinhof und
Klaus
Röhl schon bei den Groß- und Urgroßeltern. Diesen widmet sie aber nur ein paar Seiten.
Eine wichtige Quelle sind dann die DDR-
Akte
n, die die finanzielle Unterstützung der ehemaligen Studentenzeitschrift
Konkret
" belegen. Die abgedruckten Passagen und Aktennotizen geben zudem einen spannenden Einblick, wie der Ost-Apparat funktionierte, wie Gespräche mit den Blattmachern bewertet wurden, die im Westen für Propaganda sorgen sollten. Auch von Klaus Röhl entsteht ein vielseitiges Bild. Er stand gern im Mittelpunkt, genoss das Leben in vollen Zügen, für ihn war vielleicht alles ein wenig wie ein Spiel.
Spannend ist auch der Bruch von Konkret" mit Ost-Berlin. Darauf folgt ein überraschender Erfolg und ein Aufstieg der linken Redakteure ins Hamburger Establishment und die dortige Partyszene, kurz bevor sich die Ereignisse 1968 überschlugen. Die verbissene Konkret-Kolumnistin fand sich plötzlich inmitten der größten Klassenfeinde wieder und ließ sich nichts anmerken.
Was trieb nun Ulrike Meinhof in den Terrorismus? Der Leser gewinnt ein vielschichtiges Bild. Die intelligente und engagierte junge Frau scheint schon in jungen Jahren besessen zu sein, für die kommunistische Sache zu kämpfen. Auch der eloquente Ost-Apparatschik Kapluck hatte wohl Einfluss. Auf ihn bezieht sich der Buchtitel, der ansonsten in die Irre führt. Ihre Ziehmutter, die Professorin Renate Riemeck scheint eine wichtige Rolle zu spielen, die aber nie gänzlich ihre Verbindungen nach Ost-Berlin offengelegt hat. Auch ihrer Person widmet das Buch den nötigen Raum.
Ulrike Meinhof war von einem bestimmten Zeitpunkt an offensichtlich alles recht, was einen Umsturz in der Bundesrepublik hätte herbeiführen können. Den Kampf gegen Atomraketen und Notstandsgesetze war nur ein Vorwand - auch das wird in dem Buch durch Briefe belegt. Betina Röhl wundert sich, dass ihre Mutter das repressive DDR-System offensichtlich als das bessere bzw. das kleinere Übel wahrnahm und mit den dortigen
Macht
habern paktierte. Sie beklagt auch, dass die Medien den revolustionistischen Wirrköpfen unter den 68ern zu viel Raum gaben. Die emotional aufgeladene Stimmung bei Schahbesuch und nach dem Tod vom Benno Ohnesorg wird gleichzeitig gut vermittelt.
Die Trennung von Klaus Röhl genau zu diesem Zeitpunkt ist Auslöser für den Sog, in den Ulrike Meinhof dann in Berlin gerät. Ohne eine gewisse psychische Störung ist ihr Verhalten trotzdem kaum zu erlären. Die beiden Töchter wurden nicht nur vernachlässigt. Die Mutter wollte ihre Töchter im Grundschulalter tatsächlich in ein palästinensiches Flüchtlingslager stecken und zu Kämpferinnen ausbilden lassen. Bettina Röhl gibt die Ereignisse der RAF-Zeit im Epilog nur kurz wieder und lässt sie unkommentiert.
Das Buch dokumentiert, dass die Geschichte der vielleicht bekanntesten RAF-Terroristin lange vor den Anschlägen beginnt. Ohne Kenntnis dieser Vorgänge lassen sich die Ereignisse kaum einordnen. Letztlich beschreibt das Buch den tragischen Lebensweg einer intelligenten aber am Ende hochgradig verwirrten und gefährlichen Frau. Und zudem vermittelt es einen guten Eindruck von der Stimmung der 50er und 60er Jahre im studentischen und linken Umfeld. Manche Quelle lässt sich überfliegen - ansonsten: sehr lesenswert.
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Längst fällige Wertung!
Bettina
Röhl
, die Tochter
Ulrike
Meinhof
s und
Klaus
Rainer
Röhls, hat stets den Mythos der "guten Terroristin" beklagt, der Ulrike Meinhof bis heute umgibt.
In einer großangelegten Doppelbiographie nimmt sie nun selber die längst fällige Wertung vor, jedoch ohne das dieses Buch jemals zur reinen Abrechnung wird. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sie mit "So
macht
Kommunismus
Spass
" fertig wurde und herausgekommen ist eine kritische und fundierte Auseinandersetzung mit den Eltern, die als politische Journalisten in den sechziger Jahren Karriere machten.
Als Mitglieder der verbotenen KPD wurde "
Konkret
" von der Sowjetunion und der DDR finanziert und gelenkt und Ulrike Meinhof machte das Blatt mit ihren glänzenden Kolumnen schließlich zum Sprachrohr der linken Studentenbewegung.
Als sich Röhl und Meinhof in den fünfziger Jahren kennenlernten, war ihr politisches Bewusstsein bereits erwacht. Beide engagierten sich in der Anti-Atombewegung und gegen den Muff der Adenauer-Ära und waren von dem Wunsch an eine bessere Welt beseelt. Bald jedoch zerbrach ihre Ehe und Ulrike Meinhof scheiterte nicht zuletzt am Widerspruch zwischen Widerstand und Eigenverwirklichung und ihrem bürgerlichen Leben zwischen Redaktion, Kindererziehung und Gesellschaft. Denn die beiden waren so etwas wie exotische Hätschelkinder der Hamburger Schickeria. Ulrike Meinhofs Weg in den Untergrund und in die Rote Armee Fraktion, der geplante und nur dank des beherzten Eingreifens Stefan Austs verhinderte Kindesentzug und die psychische Labilität ihrer Mutter seziert Bettina Röhl genauso wie die politischen Irrwege ihres Vaters, der eine Zeitlang auch im rechten politischen Spektrum eine Rolle gespielt hat.
Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass Bettina Röhls Eltern neben ihren politischen Irrtümern jeden möglichen Fehler an ihren Kindern begangen haben. Das dieses Buch dennoch vorallem der historischen Wahrheit verpflichtet ist, ist sicher die größte Leistung, die Bettina Röhl mit "So macht Kommunismus Spass" vollbracht hat. Denn sie zeichnet nicht nur ein streitbares Bild ihrer Eltern sondern portraitiert gleichzeitig die politische Linke der frühen Bundesrepublik.
Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, dass der Mythenbildung keine Chance gibt.
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"Die sind doch alle vom Osten gesteuert!"
Es ist zu befürchten, dass eine wenig politische Generation, jetzt um die Zwanzig oder gar Dreißig, mit diesem Buch kaum etwas anfangen kann. Wer war noch mal
Ulrike
Meinhof
? RAF? Schon mal gehört... Aber
KONKRET
? Eine Zeitschrift?
Wir 40-bis-endlosjährigen können uns noch gut an Vietnamkrieg, Meinhof, Schleyer-Entführung usw. usw. erinnern.
Und eigentlich fehlt dieses Erinnern im Buch ein bißchen.
Frau
Röhl
erinnert sich an ein paar nette kindliche Anekdoten mit der ewig gestressten Mutter und dem ewig dandyhaften Vater und einem netten Herrn Dutschke.
Sie erinnert uns an wichtige Daten und Persönlichkeiten deutscher
Nachkriegsgeschichte.
Frau Röhl bstätigt auch, was wir damals alle wußten, aber in gewissen Kreisen niemals laut sagen durften: "Die sind doch alle vom Osten gesteuert!"
Aber sie selbst und ihre Familiengeschichte bleiben seltsam blass und unpersönlich.
Was hat Ulrike Meinhof nun wirklich in den Untergrund getrieben? War es am Ende doch nur eine kaputte Ehe und die Überforderung als Mutter? Wenn man nichts von sich und seiner Familie preis geben will, sollte man keine Familienbiografie schreiben.
3 Sterne für hervorragend recherchierte deutsche Nachkriegsgeschichte. Ansonsten empfehle ich : Alois Prinz, Lieber wütend als traurig - Die Geschichte der Ulrike Meinhof bei Beltz.
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Grossartiges Zeit-und Familiendokument
Dises Buch ist absolut empfehlenswert für jeden ,der diese Zeit als Jugendlicher miterlebt hat.Die Tochter von
Ulrike
Meinhof
erzählt und erklärt( anhand von Briefen,Interviews,
Akte
nnotizen) das politische und private Leben ihrer Eltern ( vor dem Abtauchen ihrer Mutter in den Untergrund ).Sie deckt Hintergründe der Zeitgeschehnisse auf ( die mir als Ausländerin nicht alle bekannt waren),alles eingeteilt in Kapitel mit Ueberschriften( zum Nachschlagen) und würzt das Ganze mit ihren sarkastischen,subjektiven Kommentaren,die man nicht teilen muss, die einen jedoch immer zu weiterem Nachdenken anregen.Das Buch ist ein Versuch ( villeicht eine Pflicht), der Nachwelt alle Geschehnisse aus der Sicht( und den Recherchen) der Tochter zu erzählen.Jeder ,der am Mythos Meinhof interessiert ist und war, sollte "
Kommunismus
macht
Spass
" lesen.
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