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  Die einsamen Schrecken der Liebe | James Meek
 
 
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Die einsamen Schrecken der Liebe
James Meek

Droemer/Knaur, 2007 - 432 Seiten

Kundenbewertung:(12 Bewertungen)
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Ist James Meek etwa ein Widergänger der großen russischen Dichter des 19. Jahrhunderts? In dem Briten scheint jedenfalls eine zutiefst verwandte Seele zu schlummern, hat er doch das Unglaubliche geschafft, einen so seelenvollen wie mystischen Roman ganz im Stile eines russischen Klassikers aus sich hervorzuholen. In zauberischem Ton entführt Meeks uns in das merkwürdige Dörfchen Jasyk, irgendwo zwischen Omsk und Irkutsk, verloren in den Weiten der sibirischen Tundra. Hierher hat es die schöne Anna Petrowna auf der Suche nach ihrem im Ersten Weltkrieg verschollenen Gatten verschlagen. Und hier taucht im Jahr 1919, kurz nach den Revolutionswirren, der entflohene Sträfling Kyrill Iwanowitsch Samarin auf. Unversehens wird Jaryk zur reinsten russischen Seelenlandschaft.

Meek produziert starke Bilder. Grausam, die Eingangsszene, in der der fliehende Samarin aus seinem Versteck heraus mitansehen muss, wie aus einem über eine Brücke brausenden Güterzug ein Soldat mitsamt mehreren Pferden in den tief darunterliegenden Fluss stürzt. Auch die Charakterzeichnungen der dörflichen Gemeinschaft zeugen von großer Poesie und Lebenskraft. So jene des Leutnants Josef Mutz, der mit seiner tchechischen Legion im russischen Bürgerkrieg in die sibirische Einöde verschlagen wurde. Mutz, den einst eine heftige Affäre mit Anna verband, die er noch immer liebt, muss bald eine erschütternde Feststellung machen. Annas verschollener Mann lebt in Jaryk. In erheblich modulierter Version allerdings!

Schamanismus, Aufopferung, Liebe, Gottesfürchtigkeit. Und an jeder Ecke lauert der Wahnsinn, wie die (historisch verbürgte) Sekte der Skopzen beweist, allesamt Kastraten, die sich freiwillig entmannen ließen, um einem höheren Reinheitsgebot Folge zu leisten. Jaryk ist voll von solch selbsternannten Engeln, die sich, so auch Annas Gatte, dem Paradies nahe wähnen. Es kommt, wie es kommen muss. Als Samarin und die entmannte Witwe einander nahekommen, brechen sich höchst irdische und längst verschüttete Gefühle endlich Bahn. Die russische Dramenbühne ist angerichtet.

Lassen Sie sich also entführen in eine längst vergangene Welt. Und dies von einem, der den schwermütigen Ton jener Tage perfekt verinnerlicht hat. Ein Werk, über das man reden wird. --Ravi Unger


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Spannend, irritierend, aber kein zweiter Dostojewskij!

Die Geschichte entführt in eine exotische Welt: Sibirien zur Zeit des Bürgerkriegs nach dem 1. Weltkrieg und der Ermordung der Zarenfamilie, dem englischsprachigen Autor wohl etwas vertrauter durch seine achtjährige Tätigkeit als Auslandkorrespondent in der ehemaligen Sowjetunion. Der Roman wird von einer Reihe von bunten und seltsamen Figuren bevölkert - einer Gemeinschaft von Kastraten, die sich durch genitale Verstümmelung über ihr Menschsein zu erheben versuchen und auf Sufi-Art durch Drehtänze in mystische Exstase geraten, versprengte tschechische Soldaten, deren Anführer kolonialistische Träume hegt, anarchistische Revolutionäre mit kannibalistischen Neigungen, ein versoffener tungusischer Schamane und natürlich eine schöne, sinnliche Frau.
Der Autor ist Journalist, versteht sein Handwerk und macht aus den erwähnten Zutaten selbstverständlich eine gute und spannende Geschichte. Das Thema Liebe wird aus männlicher Sicht umkreist - die Unergründlichkeit der Frau, der Konflikt zwischen der (schwanzgesteuerten?) Liebe zu einer Frau und der Liebe zu Gott, zu einem Ideal, einer Mission, einer Aufgabe; welche Opfer sind gerechtfertigt? Doch hier beginnen die Vergleiche mit Dostojewskij, die manche Rezensenten anstellen, zu hinken: Was bei dem großen Russen thematisch stringent durchgearbeitet wird, ist bei Meek nur angerissen. Meek erzählt nach Journalistenart spannend Aufsehen erregende Dinge, die er selbst nicht versteht. So bleiben auch - mit Ausnahme des rationalen, analytischen jüdisch-tschechischen Leutnants Mutzs - alle Figuren psycholgisch blass, fremd, unverständlich, uneinfühlbar, ein weiterer gravierender Unterschied zur psychologisch hellsichtigen Erzählkunst Dostojewskijs.
Das Buch ist gut lesbar, spannend, anregend, hinterlässt aber einen irritierten und unbefriedigten Nachgeschmack. Deshalb, und vielleicht auch, weil die Vergleiche mit Dostojewskij zu hohe Erwartungen geweckt haben, nur 3 Sterne.


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Anspruchsvoll und irreführender Klappentext, aber herrliche Sprache....

Obwohl ich am Anfang wirklich meine Probleme mit dem Buch hatte, bin ich froh, es gelesen zu haben. Unheimlich intelligente Art zu erzählen und sehr sanfter Schreibstil, trotz der Schrecken, die er vermittelt.
Wer allerdings die im Klappentext genannte Liebesgeschichte erwartet, der sucht vergeblich.
Die Liebe und das was man bereit ist für sie zu erdulden spielt zwar eine große Rolle, aber eine Liebesgeschichte im eigentlichen Sinne ist es wohl nicht.
Aufgrund der unheimlich vielen Informationen und der m.M.n. guten Recherche ist es ein unheimlich dichtes Buch, das durchaus zur schwereren Kost gehört und sich nicht mal eben so locker flockig weglesen läßt.
Das Buch regt vorallem in Glaubensfragen zum Nachdenken an, ohne die Antworten durch den Autor vorzugeben.

Mir hat es sehr gut gefallen.


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reviews: page 1, 2, 3



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