Zugegeben: Wenn man sich für Geschichte interessiert und einem die handelnden Personen nicht völlig fremd sind, dann ist das Buch spannend zu lesen. Ich selbst habe es in zwei Tagen verschlungen.
Allerdings: Ein alternativ-historischer Roman dieser Art ist eben nicht nur Unterhaltung. Es stellt sich auch immer die Frage nach der Aussage. Und die ist in diesem Fall überdeutlich:Der Ex-Kommunist Dithfurt bemüht die historische Person Luxemburg als Beleg dafür, dass Sozialismus nicht funktioniert und zwangsweise entweder zu Terror oder zu Anarchie führt, also in jedem Fall scheitern muss.
Das Buch ist zutiefst antikommunistisch. Es belegt vermeintlich die bürgerlich-sozialdemokratisch-idealistische Position, der Kommunismus wäre zwar ganz nett, aber eben reine Theorie, mit den Menschen im hier und jetzt nicht machbar.
Nach einer spannenden und unterhaltsamen Lektüre bleibt am Ende ein fader Beigeschmack. Dithfurt ist ein Demagoge. Er missbraucht dabei die Marxistin Luxemburg als Kronzeugin. Das ist arm, aber durchaus geschickt. Der Bürgerliche fühlt sich in seinen von Unkenntnis genährten Ressentiments bestätigt - vermeintlich durch die Sachkenntnis eines Historikers untermauert.
Nur: Das Buch ist ein Roman, nicht mehr und nicht weniger, ein Produkt der Phantasie eines Literaten, nicht die wissenschaftliche Arbeit eines Historikers. Wir wissen eben nicht, was passiert wäre, wenn Spartakus die proletarische Revolution zum Sieg geführt hätte.
Nebenbei: Verschwörungstheorien sind immer spannend, aber zielführend sind sie selten. In der Regel kommt gefährlicher Unsinn dabei raus, wie nicht zuletzt die Ergüsse pseudolinker und sonstiger Spinner zum Thema nine-eleven zeigten.
Fazit: Lesen, verstehen, vergessen. Als Unterhaltung ok, wer darüber hinaus etwas lernen will, der wird aufs Glatteis geführt.