Ines Thorn verpackt das Leben des Matthias aus Grünwald in eine Geschichte, die sich sehr flüssig liest, auch wenn sie den Schwerpunkt auf die psychologische Studie legt. Grünewald war ein besessener Mann. Besessen von Farbe, Form und Ausdruck und er verzweifelte schier an seiner Unzulänglichkeit, das Wesen Gottes auf Holz und Leinwand zu bannen. Am Ende möchte man dem Maler zurufen: Verzweifle nicht! Dein Werk wird die Jahrhunderte überdauern und dir auf ewig einen Platz in den Herzen der Menschen und den höchsten Stellenwert in der Kunstgeschichte sichern. Mich würde interessieren, wie viel in dem Roman Fiktion und wie viel Wahrheit ist. Ines Thorn schreibt, dass sie überaus viel recherchiert hat, obwohl in allen einschlägigen Quellen nicht viel vom Leben des Matthias Grünewald zu finden ist. Wenn dieser Roman auf der Wahrheit beruht, dann war das Leben dieses Malers eine psychologische Hölle. Wenn es nicht wahr ist, dann ist dieser Roman ein exquisites Psychogramm eines gequälten Malers.
Doch nicht Johannes hat künstlerisches Talent, sondern Matthias, der sich auf der Klosterschule gar nicht wohlfühlt.
Durch Zufall wird Matthias' große Begabung entdeckt, er geht auf Wanderschaft und lernt bei so großen Künstlern wie Hans Holbein in Frankfurt und Lucas Cranach im fränkischen Kronach. Als Hofmaler findet er schließlich in Aschaffenburg eine Anstellung, doch mit dem höfischen Leben ist der stille, zurückhaltende junge Mann gar nicht glücklich und kehrt schließlich nach Frankfurt zurück.
Denn dort lebt Magdalena, die er seit seiner Jugend anbetet - doch sie ist eine Hure und somit für einen ehrbaren Künstler tabu.
Bei Matthias handelt es sich um den berühmten Maler Matthias Grünewald, dessen Lebensstationen Ines Thorn hier gut recherchiert nachzeichnet.
Allerdings hätte das Buch ruhig noch ein paar Seiten mehr haben können, um den Charakteren mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Da Matthias' 51 Lebensjahre auf etwa 250 Seiten abgehandelt werden, kommt die persönliche Entwicklung und Charakterisierung doch ein wenig zu kurz.
Doch auf alle Fälle hat mir das Buch Appetit gemacht, mich ein wenig mit Grünewalds Werken zu befassen.