Adam Williams ist in Hongkong geboren und aufgewachsen. Seit vier Generationen lebt seine Familie in China, er selbst hat seit über 20 Jahren eine leitende Stellung in einem der traditionsreichsten Handelsunternahmen seiner Wahlheimat inne. Und natürlich spricht Williams fließend Chinesisch. Er kennt sich mit der Kultur und der Sprache des Landes also bestens aus. Umso erstaunlicher ist, dass gerade die chinesischen Figuren von Der Palast der Himmlischen Freuden etwas zweidimensional geraten sind. Von den Vertretern des Westens im Roman kann man das nicht behaupten, im Gegenteil. So wird ihre schillernde Welt am Rande des Abgrunds auf eine brillante Art und Weise anschaulich, die ans Meisterhafte grenzt. -- Isa Gerck
Adam Williams Roman ?Der Palast der himmlischen Freuden" stellt weniger die politischen und militärischen Ereignisse des Boxer-Aufstands dar, sondern beleuchtet vor allem das Aufkommen und Handeln der Geheimbünde. Handlungsort ist nicht eine real existierende Stadt sondern die fiktive Stadt Shishan, die einen Schmelztiegel für eifernde Missionsbemühungen von Christen, Armut und Aberglaube des einfachen Volkes, Korruption, Gesetzlosigkeit und gnadenlose Machtausübung bildet. Getragen wird die Erzählung von einer Gruppe westlicher Missionare und Geschäftsleute, dem mächtigen Mandarin Liu Daguang, seinen Untergebenen und ihren Beziehungen zueinander sowie der Besitzerin des titelgebenden luxuriösen Bordells, wo die Fäden der Handlung immer wieder zusammen laufen.
Adam Williams Roman ist meines Erachtens eher ein Sittengemälde als historischer Roman. Historische Ereignisse, die ich recherchiert habe, sind zwar korrekt wiedergegeben, allerdings bilden diese eher den Hintergrund für die Geschehnisse in der fiktiven Stadt Shishan. Es gelingt dem Autor aber über diesen Weg Verständnis zu wecken für die historische Entwicklung, die durch das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen und Fehlverhalten auf beiden Seiten hervorgerufen wird. Da ich kein Kenner der chinesischen Kultur bin, kann ich leider nicht beurteilen, wie gut es dem Autor gelingt, die kulturellen Eigenheiten zu treffen. Für mich eröffnete sich jedoch eine fremde Welt, die mich schnell in Ihren Bann gezogen hat.
Interessant ist, dass es in diesem Sittengemälde keinen eigentlichen Hauptdarsteller / -in gibt, auch wenn der Klappentext darauf hinweist, sondern die Ausländergruppe im Vordergrund steht, d.h. wer eine Identifikationsfigur erwartet, wird enttäuscht. Die Sprache des Romans ist flüssig und erlaubt, dass Bilder im Kopf entstehen, ist aber nicht von besonderer literarischer Qualität.
Historisches, Dramatik, Exotik, Erotik - alles drin. Kein literarisches Highlight, aber es hat einfach Spaß gemacht, diesen Roman zu lesen.