Alles hatte vor sechs Wochen mit einer Leiche begonnen, die man in einem verfallenen ehemaligen Gasthof in München entdeckt hatte. Da der Tote, der einfach verhungert war, keinerlei Identität besaß, traten Tabor und sein Team von der Vermisstenstelle auf den Plan. Erst ein Namenszettel und das vergilbte Foto einer Frau, die man bei der Leiche fand, brachten den Fall ins Rollen -- und Licht in ein lange zurückliegendes Familiendrama. Alle Fäden, so scheint es nun, laufen bei der geheimnisvollen Soraya Roos zusammen, die damals den Männern reihenweise die Köpfe verdrehte, bis sie vor etwa zehn Jahren spurlos verschwand.
Zum vierten Mal innerhalb eines Jahres schickt Friedrich Ani den Ermittler mit dem Stromlinien-Designernamen und sein kleines Team auf Vermisstensuche. Bereits der erste Band der Reihe, Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels, wurde mit dem Adelsprädikat Deutscher Krimi-Preis 2002 ausgezeichnet. Nicht zu Unrecht. Beharrlich fördert Ani all jene menschlichen Dramen zu Tage, die in der täglichen Schlagzeilenproduktion unter den Tisch fallen.
So auch in diesem, trotz mancher sprachlicher Fragwürdigkeiten, verdammt spannenden Inzest-Fall, in dem Süden schließlich eine einsame, entthronte Königin kennen lernt, die zur ewigen Büßerin wurde. --Ravi Unger