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  Erinnerungen 1990-1994 | Helmut Kohl
 
 
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Erinnerungen 1990-1994
Helmut Kohl

Droemer Knaur, 2007 - 784 Seiten

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1990-1994: Das sind die großen Jahre Helmut Kohls, die Zeit, in der er die deutsche Einheit verhandelte und zur Schlüsselfigur der europäischen Politik wurde. Der dritte Band seiner Erinnerungen widmet sich somit den Jahren, an die sich der Bundeskanzler a. D. wohl am liebsten erinnert.

Helmut Kohl hat in seiner langen Karriere viele Rollen gespielt, nicht zuletzt die des politischen Senkrechtstarters: Er war jüngster Landtagabgeordnete in Rheinland-Pfalz, jüngster Ministerpräsident, CDU-Vorsitzender und längster amtierender Bundeskanzler. Vom engagierten Reformer in den ersten Jahren der Kanzlerschaft wurde er bald zur Versinnbildlichung ausgeprägten Beharrungsvermögens. In eine neue Rolle konnte er 1989/90 schlüpften, als er als geschickter Verhandler die Wiedervereinigung und volle Souveränität Deutschlands erreichen konnte - ein strahlender Sieger, der aber allzu bald von den Schwierigkeiten und den gravierenden Fehlern während des Vereinigungsprozesses eingeholt wurde. Am Ende, als Helmut Kohl längst nicht mehr Kanzler war, sah er sich zunehmend als Opfer verschiedener Kampagnen, den "Kanzler der Einheit" zu demontieren. Auch dass sein Ehrenwort im Parteispendenskandal nicht mehr galt als die Prinzipien des Rechtsstaates, verstand er nicht mehr.

Nun ist der dritte - und noch nicht letzte - Teil seiner Erinnerungen erschienen, der Kohls schillerndste Jahre von 1990-94 umfasst. 300 Seiten befassen sich mit der entscheidenden Verhandlungsphase, in der Kohl - auch Kritiker gestehen dies zu - die zentrale Rolle spielte. Hier konnte er die Früchte langjähriger politischer Freundschaften ernten. Die Wähler dankten es ihm mit der furiosen Wiederwahl zum Kanzler.

Doch umfassen die Erinnerungen sehr viel mehr als das Erlangen der deutschen Einheit. Viele inzwischen verblassende Ereignisse fallen in die Jahre 1990-1994: der Putsch gegen Gorbatschow 1991, der Vertrag von Maastricht, der erste Golfkrieg, fremdenfeindliche Anschläge und Asylkompromiss, Bürgerkrieg in Jugoslawien, um nur einige zu nennen. Sie alle waren "Chefsache", bekommen ihren Platz in dem Erinnerungsband und werden auf der Grundlage intensiver Aktenstudien geschildert und mit persönlichen Einschätzungen verknüpft. Naturgemäß sind auch diese Erinnerungen stark subjektiv gefärbt, und dem Leser bleibt es überlassen, welchen Analysen und Schlussfolgerunge er folgen möchte. So ist der Band vor allen Dingen eine aufschlussreiche historische Quelle, die zum kritischen(!) Studium einlädt. -- Henrik Flor, Literaturtest


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Ein großer Staatsmann - ein mäßiger Autor

VORAB muss einfach an die großen Leistungen des Staatsmannes Helmut Kohl erinnert werden. Der Kanzler hat nicht nur in Bezug auf die Deutsche Einheit, sondern auch hinsichtlich Europa wirklich größte Verdienste erworben.

EBEN diese Verdienste beschreibt er in dem dritten Teil seiner Erinnerungen. Da fängt das Problem an, er beschreibt die Dinge nicht nur, um sich in einem guten Licht dastehen zu lassen, sondern wie er WIRKLICH glaubt, dass sie sich so zugetragen haben. Deshalb geht diesem Werk jegliche Objektivität ab.Häufig gleitet er ins Anekdotenhafte ab und spricht von ausländischen Staatsgrößen wie andere von ihren "Kumpels" aus der Schulzeit.

Als FAZIT kann man sagen, dass, wenn man kein Übersichtswerk über die Deutsche Einheit erwartet, sondern eine nette, subjektive Erzählung mit ein paar amüsanten Geschichtchen aus der Politk mag, ist hier super aufgehoben. Ein GROSSES Manko dieses Buches ist aber der Schreibstil, der wirklich sehr einfach gehalten ist und einem Mann von solchem Intellekt wie Dr. Helmut Kohl einfach nicht zur Ehre gereicht...


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Wiedervereinigung war eine reife Leistung

Es mag sein, wie es will. Man kann jeden Politiker kritisieren und findet überall Fehler. Aber die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Wiedervereinigung gegen vielfachen Willen im Aus- und Inland durchzuziehen, macht ihn für die Geschichte unsterblich.

Er hat unseren Weg fortgesetzt, den wir zunächst angstvoll Montags auf der Straße begonnen haben. Das SED-Regime hat meine Familie und Kindheit zerstört, die Wende hat uns in die Freiheit geführt. Ein Buch schreiben zu können mit freier Offenlegung seiner Gedanken - das ist Freiheit!

So nahm auch ich mir die Freiheit, ein Buch zu schreiben, um das DDR-Regime an den Pranger zu stellen und die Hoffnungen der Wende zu schildern, aber auch das was danach kam, ein steiniger Aufstieg.

Auch wenn es noch zu meckern gibt wie überall im Leben, so eben die Teuerungswelle: Helmut Kohl und die "westdeutschen Landsleute" haben uns in Ostdeutschland zu einem aufblühenden Land gemacht. Das kann jeder sehen, wenn er richtig hinschaut. Wir können uns im Osten nur dafür bedanken und das tue ich auch in meinem Buch, das zahlreiche Hilfen aus dem Westen beim Aufbau meiner Firma schildert. Aber es nennt auch schwarze Schafe - das ist eben die Freiheit, die wir heute haben.


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Selbstinszenierung

Helmut Kohl beschreibt in seinem dritten Band nahezu ausschließlich "seine" Sicht der Jahre zwischen 1990 und 1994. Dabei wird deutlich ,daß es für ihn nur eine, seine eigene Wahrheit gibt. Gegen jeden Abweichler wird mit aller Schärfe ausgeteilt, eigene Fehler en bloc kurz angerissen (..."auch ich habe gravierende Fehler gemacht..."), ohne daß der Altkanzler sie gar genau benennt oder beschreibt.
Seine kohl-typische Wortwahl ("unsere ostdeutschen Landsleute", "...der Deutsche Bundeskanzler..", "mein Freund George" usw.)lassen insgesamt ein echtes Kohl-Machwerk aus dem Buch werden.
Man sollte allerdings eine eigene fundierte Meinung über die genannten Jahr haben, sonst kann es passieren, daß man darauf hereinfällt, es sei so gewesen, wie der Autor es dem Leser weismachen will...


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Interessant und lesenswert

Natürlich ist diese Darstellung eines unmittelbar beteiligten Zeitzeugen individuell gefärbt und vielleicht auch selbstgerecht. Aber eines muss man ganz klar feststellen. Helmut Kohl hatte die Chance seines Lebens und hat sie mit beiden Händen gepackt. Entgegen der Widerstände aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens war er es, der die Chance zur Wiedervereinigung genutzt hat. In diesem sehr kleinen historischen Zeitfenster zwischen November 1989 und August 1991 hat er die Tür weit aufgestoßen, die nur einen ganz kleinen Spalt offen stand.
Natürlich teilt er auch aus, aber auch über Parteigrenzen hinweg. Eine ganze Reihe von Poltikern werden scharf kritisiert, auch solche die heute noch in der Politik tätig sind, wie z.B. Oscar Lafontaine. Bemerkenswert positiv aber auch solche Berichte die sehr persönlich geschrieben sind, wie z.B. über Willy Brandt und seinen Handlungen in der Zeit Anfang der 90er Jahre bis zu seinem Tod.
Auch wird zum Beispiel klar, dass er wieder als Grundlage für die positiven Ereignisse der Jahre 1989 ff. den Nato-Doppelbeschluss nennt. Auch dafür lobt er erneut die Beteiligten, vor allem seinen direkten Amtsvorgänger Helmut Schmidt, wenn auch dieses Lob nach meinem Geschmack etwas deutlicher und klarer hätte ausfallen können.
Bei aller Kritik, die man an Helmut Kohl üben kann, vor allem an den noch ausstehenden Handlungen zwischen 1994 und 1998, das Buch ist lesenswert. Teilweise ist es spannend wie ein Krimi, vor allem, wenn man noch eigene Erinnerungen an die Zeit hat. Ohne pathetisch zu sein, an manchen Stellen wird einem wirklich wieder einmal klar, welch großes Glück das deutsche Volk in dieser Zeit gehabt hat. Es hätte auch völlig anders kommen können!


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