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  Der zweite Tod meines Vaters | Michael Buback
 
 
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Der zweite Tod meines Vaters
Michael Buback

Droemer Knaur, 2008 - 368 Seiten

Kundenbewertung:(3 Bewertungen)
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Ein Buch, das einen mitnimmt - in jeder Hinsicht

Man spürt bei jeder Seite, die man liest ein ohnmächtiges, drückendes Gefühl der Ausgeliefertheit in sich aufsteigen, das sich zeitweise in Wut auf die Menschen in den Behörden wandelt, die eine Aufklärung des dreifachen Mordes verhindert haben. Die Beweggründe dieser Personen spielen dabei keine Rolle.

Die Ausführungen sind eine wissenschaftliche, schlüssige Beweisführung, die in einer leichten lebendigen Sprache geschrieben sind. Man ist fast körperlich ins Geschehen eingebunden. Trotz des sehr ernsten Inhaltes, liest sich dieses Buch flüssig und schnell.

Für diese Fleißarbeit und den Mut sie zu veröffentlichen muss Michael Buback und seiner Frau gedankt werden. Auch ohne eine Verurteilung der Täter ist die Wahrheit ans Licht gekommen, wo sie nun vor uns allen liegt...


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Ein ungeheuerlicher Verdacht

Nachdem Michael Klar eine vorzeitige Haftentlassung beantragte, kam der Stein ins Rollen, Akten wurden geöffnet und Vergleiche gezogen, Beweise gesichtet und Indizien nochmals abgeklärt. Doch was da heraus kam ist eine Ungeheuerlichkeit, denn es ist nicht klar wer den Generalbundesanwalt Siegfried Buback wirklich getötet hatte. Das Buch DER ZWEITE TOD MEINES VATERS ist in der Tat ein ungeheuerlicher Verdacht aus Sicht des Sohnes und Autors Michael Buback.


Erschüttert war ich und entsetzt, ob der Schlampigkeit mit der damals ermittelt wurde oder war es nicht Schlampigkeit sondern Absicht?

Michael Buback hat Recht, wenn er die Art und Weise mit der da mit seinem toten Vater umgegangen wurde als zweiten Tod bezeichnet. Denn es war doch der Generalbundesanwalt - hier sollte doch vollständige Aufklärung oberstes Ziel sein oder etwa nicht?

Das Buch rollt den ganzen Fall wieder auf und startet richtig durch, als es um die nochmalige Beweisaufnahme wegen der vorzeitigen Haftentlassung Christian Klars geht. Wer war die vierte Frau auf dem Sozius, die zwar gesehen aber nicht verfolgt wurde? War sie wirklich ein vom BND bezahlter und kontrollierter Spitzel?

Ungeheuerlich wenn ja und noch ungeheuerlicher wenn sie es war die schoss...

Es besteht nach diesem Buch dringender Aufklärungsbedarf, allein das wäre man Michael Buback und seiner Familie schuldig - doch was sich hier anbahnt ist ein Watergate für den Staat - das versagen der Kontrollmechanismen und eine Ohrfeige für die Justizia.

Der Zweifel ist gesät, wir können nun nur abwarten und sehen was für Früchte das Samenkorn bilden wird. Zu vieles ist unstimmig geworden, zu vieles muss in Zweifel gezogen werden - man kann nur hoffen das der Wahrheit Ehre gereicht wird.

Sehr empfehlenswert!



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Lehrstunde für Karlsruhe in Kriminalistik

Am Gründonnerstag 1977 ereignete sich in Karlsruhe das erste politisch motivierte Attentat der deutschen Nachkriegsgeschichte: RAF-Terroristen ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback sowie seine Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster. Bis heute ist es den Strafverfolgungsbehörden angeblich nicht gelungen, dieses Verbrechen aufzuklären. Zwar wurden einige Terroristen als Mittäter zu lebenslanger Haft verurteilt, wer in Karlsruhe den Finger am Abzug der Schnellfeuerwaffe hatte, aus der mit mindestens 15 Schüssen die drei Männer vom Beifahrersitz eines Motorrades aus bei einem Ampelhalt in Bubacks ungepanzertem Dienstwagen abgeknallt wurden, blieb 30 Jahre lang verborgen. Der Sohn Bubacks wollte wissen, wer seinen Vater erschossen hatte und gab nicht nach, zu forschen. Dafür ist er beruflich prädestiniert: Michael Buback ist Chemieprofessor und von daher gewohnt, akribisch genau zu arbeiten, unklaren Vorgängen so lange auf der Spur zu bleiben, bis sie erklärbar werden. Seine unnachgiebige Forschertätigkeit brachte ihm hohe internationale Reputation und nicht nur berufliche Achtung ein.
Von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, für die sein Vater das Leben ließ, wird Michael Buback inzwischen nicht mehr mit dem Respekt behandelt, den Hinterbliebene von Terroropfern verdienen, sondern eher wie ein dahergelaufener Querulant. Er legte seine Finger in Wunden, von denen manche deutsche Behörden schon glaubten, sie klammheimlich geschlossen zu haben. Er fand heraus, dass es erhebliche Unklarheiten bei Aufklärung und Strafverfolgung des Karlsruher Attentats gab. Je mehr er sich der Wahrheit zu nähern schien, desto größere Ablehnung erfuhr er. Als der konsequent suchende Professor mit Unterstützung von Journalisten herausfand, dass auf irgendeine Art deutsche Geheimdienste in das Terror-Attentat verwickelt sein könnten, verschlossen sich die wichtigsten Quellen zur Aufklärung nicht nur vor ihm. Der Bundesinnenminister erklärte in die Ecke offensichtlicher Verzweiflung getrieben mit dem Rücken an der Wand das wichtigste Dokument dazu für alle Ewigkeit zum Staatsgeheimnis.
Nun hat Michael Buback ein Buch über die Vorgänge geschrieben: Der zweite Tod meines Vaters. Darin beschreibt er zunächst sehr persönlich und spannend, wie er bei einem Skiurlaub vom Tod seines Vaters erfuhr. Man kann es nicht fassen: Ohne jede polizeiliche Begleitung oder andere staatliche Unterstützung musste der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts mit seiner Frau im eigenen Auto aus Zermatt nach Hause zur familiären Trauergemeinde fahren. Heute erscheint diese Ignoranz des Staates gegenüber einem Familienangehörigen des erschossenen Generalbundesanwalts wie ein Zeichen für das, was sich danach ereignen sollte. Aber der Staat verhielt sich noch unmenschlicher: Die Mutter des Autors, Witwe des Generalbundesanwalts, wurde nicht etwa sofort psychologisch betreut, nachdem man ihr den Tod ihres Mannes mitgeteilt hatte sie fuhr alleine mit dem Fahrrad von zu Hause zum Tatort, dort wusste niemand etwas mit ihr anzufangen und man ließ sie alleine wieder zurück radeln!
Die ersten Tatzeugen sprachen gegenüber der Karlsruher Polizei ihre Vermutung aus, dass eine kleine schmächtige Frau, vermummt in Motorradkleidung und Helm, vom Beifahrersitz aus auf Buback und seine Begleiter geschossen haben könnte. Erstaunlicherweise tauchten diese Zeugenaussagen aber nie in späteren Prozessen gegen RAF-Terroristen auf, die wegen Mittäterschaft verurteilt wurden. Kurze Zeit nach dem Attentat wurde die RAF-Terroristin Verena Becker mit einem Kumpan in Singen verhaftet, bei ihnen fand man die Tatwaffe, mit der Buback erschossen worden war und weitere wichtige Spuren, die auf ihre Täterschaft hindeuteten. Verena Becker wurde in einem Beschluss des Ermittlungsrichters vom Bundesgerichtshof konsequenterweise als tatverdächtig bezeichnet. Das konnte bis heute geheim gehalten werden. Irgendwie verschwand aber auch diese Erkenntnis wie von Geisterhand geführt aus allen Akten. Becker wurde wegen anderer Taten in einem auffallend kurzen Prozess rasch verurteilt, aber bald durch einen politischen Gnadenakt höchst wahrscheinlich nach einer Geheimkonferenz von Politikern, an der auch leitende Geheimdienstmitarbeiter teilgenommen haben sollen, wieder freigelassen. Erst Jahrzehnte später kam ans Tageslicht, dass sie auf welche Weise auch immer mit einem deutschen Geheimdienst zusammengearbeitet hatte. Die Bundesanwaltschaft behauptete zunächst, davon nichts zu wissen. Als das nicht mehr haltbar war, erklärte diese oberste Strafverfolgungsbehörde einem beim Lügen ertappten Kind gleich, man finde die dazu gehörenden Akten nicht mehr. Ein deutscher Geheimdienst erklärte, er gebe die Unterlagen dazu selbst der Bundesanwaltschaft nicht mehr heraus. Wie bereits erwähnt, erklärte der Bundesinnenminister den Vorgang dann schnell auf Wunsch des Geheimdienstes zu einem Staatsgeheimnis für alle Ewigkeit.
Mit wissenschaftlicher Akribie schildert Michael Buback in seinem Buch seine Bemühungen, Licht ins Dunkel der verschlossenen Akten zu bringen, die staatliche Mauer des Verschweigens, Vertuschens, Verbergens und Deckens von Terroristen zu durchbrechen. Er erspart der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe nicht eine für diese Bundesbehörde sehr peinliche professorale Lehrstunde in Kriminalistik. Vom Leser fordert er höchste Konzentration, seinen Gedankengängen über Fehler bei Indizienbewertungen, zum Beispiel einem Vergleich verschiedener Haarproben von Tätern und Tatverdächtigen folgen zu können. Man sollte nicht der Versuchung erliegen, seine hochnotpeinliche exakte Forschung, die sich über zig Buchseiten hinzieht, diagonal zu lesen. Für den Autor und Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts sowie seine Frau steht fest: Sein Vater hatte nicht nur Feinde im Lager der RAF, es sei schwierig, aufzudecken, wem er sonst noch im Weg stand; denn es gebe auch außerhalb der RAF Schweigekartelle. Er und seine Frau hätten eine klare Vorstellung davon, wer auf dem Tatmotorrad saß, und auch davon, wer es lenkte und wer die drei Menschen erschoss.
Michael Buback erklärt, er werde dieser Frage jetzt nicht weiter nachgehen, weil er keine Chance sehe, weitere Fortschritte zu erzielen. Es bestehe für ihn und seine Frau kein Zweifel mehr, dass es für RAF-Täter einen Schutz gab. Das verletzt in unverzeihlicher Weise die Würde von drei tapferen und völlig unschuldigen Menschen, stellt der Autor verbittert fest. Das Buch habe er auch geschrieben, dass diejenigen, die sich in Verbindung mit dem Karlsruher Attentat fragwürdig, fehlerhaft und schandbar verhalten haben, wissen sollen, dass ich es gemerkt habe. Damit schließe er für sich den Fall ab. Dennoch räumt Michael Buback in einem Nachwort ein, es wäre bitter.., wenn es keine Reaktionen auf das Buch gäbe.
Wer noch immer glaubt, dass die sich selbst RAF nennenden Terroristen nur aus sich heraus gehandelt haben, dem öffnet Bubacks Buch die Augen für die Wirklichkeit. Selbst in der neuesten Ausgabe des allseits als Standardwerk über die RAF angesehenen Buchs von Stefan Aust (Der Baader Meinhof Komplex) geht jener Autor inzwischen davon aus, dass es zahlreiche Indizien für geheimdienstliche Aktivitäten im Zusammenhang mit der RAF-Geschichte gebe. Viele weitere aktuelle Autoren zu diesem zeitgeschichtlich wichtigen und immer noch politisch sehr brisanten Thema weisen in dieselbe Richtung. Corinna Ponto, die Tochter eines ebenfalls von RAF-Terroristen ermordeten Bankiers, schreibt in einem Buch: Ich behaupte zudem, die Terroristen hingen zum großen Teil an Fäden und Drähten, die sie wahrscheinlich selbst bis zum heutigen Tag nicht ganz durchschauen. Wer die 30 Jahre lang geheim gehaltenen Urteile gegen die RAF-Mitglieder liest, findet heraus, dass sage und schreibe 14 dieser Terroristen für einen Geheimdienst gearbeitet haben.
Michael Bubacks Hoffnung, mit der er sein Buch schließt, sollte sich erfüllen: Er wünscht sich, dass nach Veröffentlichung seines wichtigen Buches nun andere die Aufklärung weiterführen und zum Ziel bringen. Diesen anderen hätte der Autor geholfen, wenn er seinem Werk ein Register und Anmerkungen mit Dokumenten beigegeben hätte, die man schmerzlich vermisst.



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