"In der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 ging für Deutschland der Zweite Weltkrieg zu Ende (?). Die sichtbaren Trümmer waren nach einigen Jahren beseitigt, doch die 'Bewältigung' der schrecklichen Geschehnisse und der Frage, wie es dazu kommen konnte, beschäftigt uns bis heute", heißt es im Vorwort zu dem Band. Dessen Lektüre bereitet naturgemäß wenig Freude. Und dennoch möchten wir dieses "Kaleidoskop des Leids, des Verbrechens, des Mitläufertums und der wenigen, kleinen Nischen" als unbedingt lesenswert empfehlen.
Den Autoren ist ein Geschichtsbuch gelungen, das ein dokumentarisch präzises Bild der Schlussphase des Krieges zeichnet. Angefangen mit dem Tag 100 (als sich die Unausweichlichkeit der deutschen Niederlage schon deutlich abzeichnet, Goebbels' Propagandaapparat aber mit der Premiere des Spielfilms "Kolberg" von Veit Harlan noch einmal groß auftrumpft) bis zur Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation durch Generalsfeldmarschall Keitel. "Eine Bilanz" über das Ende und den Anfang, den dieser 9. Mai für Europa bedeutete, rundet den Band gelungen ab. -- Hasso Greb
Durch den Bogen, den das Buch spannt - inclusive der Unterstützung durch die Karten mit den sich verändernden Grenzverläufen - lässt sich die so aussichtslose Situation so vieler Menschen dieser Zeit und gleichzeitig das unerträgliche Machtkalkül einzelner in einem Gesamtüberblick klar erkennen.
Das Buch ist erfreulich knapp, so kann man die einzelnen Bilder und Orte gut zusammenfügen - und mit der Erkenntnis zur Seite legen, dass ein solches Buch wichtig ist zur Dokumentation, wie sich jedes in diesem Buch genannte Land mitschuldig gemacht hat an der Länge und Unbarmherzigkeit dieses Krieges, an den Verbrechen gegenüber den Schwachen und Verfolgten - und auch, dass die Menschen heute immer noch die gleichen Eigenschaften besitzen, einzelne Staaten immer noch an kriegführenden Ländern Geld verdienen wollen - und dass nichts wichtiger ist als die Erziehung zu wirklicher Demokratie - und der ständige Gedanke, dass jeder Einzelne mittun muss, diese Demokratie durch ständige Wachsamkeit zu unterstützen und zu stärken.