Buch: Der Brautmaler | Helle Stangerup
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der brautmaler
Der Brautmaler
Helle Stangerup
Droemer/Knaur
, 2008 - 396 Seiten
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Ein biographischer Roman über den Maler Hans Holbein d. J.
"Der
Brautmaler
" ist ein biographischer Roman über einen der bedeutendsten (Porträt-) Maler der Renaissance: Hans Holbein d. Jüngeren. Der Roman umreißt hierbei hauptsächlich die Zeit von Holbeins zweitem Englandaufenthalt 1532 bis zu seinem Tod 1543. In Zeitsprüngen fließen aber auch immer wieder Details aus Holbeins früherem Leben ein, so z. B. seine Kindheit in Augsburg, seine Zeit in Basel und die Zeit während seines ersten Englandaufenthalts bei Thomas More und seiner Familie. Der Autorin gelingt es hierbei hervorragend, alle Facetten der Person Holbeins auszuloten.
Der Titel "Der Brautmaler" und der Klappentext sind leider etwas irreführend, denn die Geschichten um die Entstehung der beiden Porträts der Christine von Dänemark sowie der Anna von Kleve sind nur ein Teil dieses biographischen Romans. Es tauchen viele historische Persönlichkeiten auf; neben so bekannten Größen wie Thomas Cromwell und Thomas Howard Herzog von Norfolk z. B. auch Nicolaus Kratzer, der Hofastronom Heinrichs VIII. sowie Margaret Roper, eine Tochter von Thomas More. Der fiktive Mordanschlag auf Margret, den Holbein im letzten Moment verhindert, und dessen Aufklärung sorgen nicht nur für einen gewissen Spannungsbogen, sondern fungieren auch als roter Faden in der Geschichte und sind Bindeglied für die vielen kleinen Nebenerzählungen. Die Sprache ist teilweise recht nüchtern, aber trotzdem angenehm zu lesen.
In diesem Roman gibt es zur Abwechslung mal weit und breit keine Liebesgeschichte, die den historischen Hintergrund zur Staffage degradiert und es gibt keine aufgebauschten Action-Szenen, die über mangelnde Recherche hinwegtäuschen. Helle Stangerup schafft es meisterlich, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen und sich dabei trotzdem weitestgehend an die historischen Fakten zu halten.
Dieser Roman hebt sich erfreulich aus der Masse der vielen mittelmäßigen Histotainment-Geschichten hervor, die den "historischen" Buchmarkt bevölkern und die man mal so nebenbei herunterliest und abhakt. Das Lesen dieses Romans verlangt ein gewisses Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit, denn die Erzählung ist nicht nur von unmittelbaren Zeitsprüngen geprägt, sie lebt auch von vielen Gedankensprüngen.
Außerdem setzt die Autorin auch ein gewisses Hintergrundwissen beim Leser voraus, nicht nur in Bezug auf die handelnden Personen. Wenn z. B. von "Taxi" als Fortbewegungsmittel die Rede ist, geht die Autorin davon aus, daß der Leser weiß, daß damit die Thurn-und-Taxischen Postkutschen gemeint sind. Oder wenn man den Satz liest "Er mußte van der Gow jetzt finden, sonst blieb nur noch, sich so besinnungslos zu betrinken wie seit Ambrosius Tod nicht mehr." sollte man als Leser wissen, daß es sich bei Ambrosius um Holbeins Bruder handelt, der irgendwann 200 Seiten zuvor mal so ganz nebenbei in einem Halbsatz erwähnt wurde.
Neben hervorragend recherchierten historischen Fakten gibt es in diesem Roman auch noch viele kunsthistorische Details. Der Leser erfährt nicht nur einiges über Maltechniken und Farbherstellung zur damaligen Zeit, es werden auch viele Porträts und Gemälde Holbeins erwähnt, manche davon auch detaillierter beschrieben. Ich hatte während des Lesens immer einen großen Kunstband mit Holbeins Gemälden in Reichweite liegen und habe oft das Lesen unterbrochen, um mir die erwähnten Gemälde oder Porträts näher anzusehen.
Abgerundet wird das Buch noch durch ein Nachwort, in dem die Autorin das weitere Schicksal der wichtigsten Personen erzählt, außerdem werden am Ende nochmals alle Gemälde Holbeins aufgelistet, die im Roman erwähnt werden und in welchen Galerien sie zu finden sind und es gibt überdies eine sehr umfangreiche Bibliographie mit weiterführender Literatur.
Ein wirklich schönes Buch und ich kann diesen Roman allen empfehlen, die historische Romane bevorzugen, die meisterlich erzählt sind, sich aber trotzdem weitestgehend an die historischen Vorgaben halten. Und wer sich außerdem für Kunstgeschichte interessiert, für den ist dieser Roman fast ein "Muß".
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