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  Irrwetter | Monika Bittl
 
 
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irrwetter

Irrwetter
Monika Bittl

Droemer/Knaur, 2006 - 352 Seiten

Kundenbewertung:(6 Bewertungen)
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Ich wollte dieses Buch lesen,...

... weil mein Mann auf einem Dorf in Bayern groß geworden ist und ich bei meinem ersten Besuch dort erfahren musste, dass es für ein weibliches Wesen "nicht schicklich" war ausser bei Hochzeiten oder "Leichenschmaus", mit ins Wirtshaus zu gehen. In Bayern gingen die Uhren sogar 1972 noch anders :-)

Anntraut Reiser wurde 1936 geboren, während eines Hagelsturms, bei dem sich der Himmel grün färbte, nach einem alten ländlichen Aberglauben ein böses Zeichen. Sie ist das Unglückskind, von den Kindern verspottet, von den Erwachsenen mit Vorsicht behandelt. Ihre eigene Mutter zerbricht daran.
Anntraut versucht, es allen Recht zu machen, um die Umstände ihrer Geburt vergessen zu machen. Sie ist eine brave Tochter, eine gehorsame Ehefrau, gute Mutter und fromme Christin. Dabei merkt sie oft selbst, dass sie ihr wahres ICH verleugnet. Erst mit fast 70 Jahren beginnt sie, aufzubegehren und ihren eigenen Weg zu gehen.

IRRWETTER ist alles andere, als ein "Heimatroman", wie man vielleicht zunächst denken könnte.
Monika Bittl beschreibt das Leben der einfachen Leute in einer klaren, bildhaften Sprache. Die Kriegsjahre, in denen Anntraut aufwächst, hinterlassen auch in dem abgelegenen Dorf Spuren. In einem so überschaubaren Kreis, wo Jeder Jeden kennt, fallen Feigheit, Verrat, aber auch Menschlichkeit ganz besonders ins Gewicht. All das schildert die Autorin so plastisch, dass einem der kleine Ort und seine Bewohner praktisch "vor Augen" stehen.
Als die Zeiten sich bessern, findet auch Anntraud ein paar Jahre zumindest Zufriedenheit, bis ein furchtbarer Schicksalsschlag sie wieder daran erinnert, dass ein Fluch über ihr und ihrer Familie liegt.

Bis dahin war das Buch recht interessant, bisweilen sogar unterhaltsam zu lesen, aber mit diesem Ereignis wurde es wirklich spannend. Ich muss sagen, dass diese Wendung mich völlig überrascht hat und ich das Buch bis zum verblüffenden Ende nicht mehr aus der Hand gelegt habe.

Ein wirklich toller Debutroman


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Ein überzeugendes Debüt

Ein Frauenbuch? Ein Krimi? Ein Entwicklungsroman? Ein modernes Märchen? Von all dem hat die Erzählung etwas und bietet doch mehr als die Summe ihrer Einzelaspekte. Monika Bittl erzählt in ihrem Roman-Erstling die Geschichte der Anntraud Reiser, die in einem bayrischen Bergdorf geboren wird, dort die Nazizeit durchlebt, die Nachkriegsjahre hinter sich bringt und schließlich als anderer Mensch in der Gegenwart ankommt.

Ihre Kindheit scheint sich ganz außerhalb zivilisatorischer Werte abzuspielen, denn Anntrauds Geburt steht unter dem Zeichen einer abergläubischen Prophezeiung, die ihr Schicksal zu prägen droht. Zu Beginn fügt sie sich, ebenso wie der Fremdbestimmung durch das soziale Umfeld, doch im Laufe der Jahre befreit sie sich zumindest innerlich. Schließlich ist ein tragischer Schicksalsschlag der Auslöser dafür, daß sie mehr und mehr zu sich selbst findet und letztlich auch äußerlich von der Enge ihres bisherigen Lebens Abschied nimmt.

Der Roman wird sehr stark von seiner Erzählperspektive bestimmt. Auch wenn die Autorin in der dritten Person schreibt, ist es fast immer Anntrauds Sicht, aus der berichtet wird. Das wird ebenso in der äußeren Form mit ihren Mundart-Anklängen sichtbar wie auch bei den Wertungen und der Wahrnehmung aller Geschehnisse im Dorf und außerhalb.

Einige Rezensenten in der Tagespresse haben sich davon aufs Glatteis führen lassen und den Roman als naiv bezeichnet. Das ist ein Irrtum: Anntraud ist naiv, nicht das Buch. Doch Monika Bittl hat Anntrauds Erfahrungswelt und ihre Denkweise so authentisch dargestellt, daß dieser Fehlschluß bei flüchtigem Lesen leicht unterläuft (und man weiß schließlich, wie gestreßt die Kollegen in den Feuilletonredaktionen sind).

Auffällig ist bei dem Roman der Bruch mitten in der Geschichte: In der ersten Hälfte fließt der Text als Mischung von Dorfgeschichte und Lebensbericht, als stimmige Genreschilderung mit zeitgeschichtlichen Anklängen dahin. Mit einem Paukenschlag dringt dann die brutale Härte der Außenwelt in Anntrauds Existenz. Anschließend findet der Text einen ganz neuen Rhythmus, der Schauplatz wechselt recht bald, Anntrauds Perspektive weitet sich zugleich, ihre Motive und Ziele erneuern sich. Die sprachliche Form korrespondiert hier sehr schön mit dem Inhalt.

Alles in allem: Routiniert ihre stilistischen Mittel einsetzend, hat die Autorin mit "Irrwetter" eine Erzählung geschaffen, die sich sehr angenehm und flüssig liest, auf den ersten Blick eher gefällig daherkommt, doch beim zweiten Hinsehen so manche Doppelbödigkeit zum Vorschein kommen läßt. Vor allem dann, wenn in etlichen Passagen hinter einem harmlos scheinenden Plauderton plötzlich ein pfiffiger Humor hervorblitzt, der mit kleinen Spitzen die idyllische ländliche Szenerie in Frage stellt. Dabei fällt auch immer wieder auf, wie sorgfältig recherchiert und stimmig gestaltet die Schauplätze, Personen und Umstände erscheinen.

Interessant übrigens auch, wie sich eine ganze Reihe von Motiven beiderseits des zentralen Traumas wie an einer Achse spiegeln: Gegen Anfang die völkerkundliche Expedition, die das ländliche Bayern erkundet - sie findet ihr Bild in der Anntraud der späten Kapitel, die mit dem fremden Blick der Landbewohnerin die Großstadt erkundet. Ebenfalls zu Beginn heiratet ein Ausländer ins Dorf ein, viel später schließt unter gänzlich anderen Umständen eine Dorfbewohnerin eine Partnerschaft mit einem Ausländer. Oder die (sehr sympathische) Hebamme, die sowohl bei Anntrauds Geburt als auch beim Ende ihrer dörflichen Existenz zur rechten Zeit die rechte Hilfestellung gibt.

Das alles mag von mir auch munter in das Buch hineininterpretiert sein - jedoch, was soll's? Der Roman gibt all dies nun einmal her und bildet damit eine literarische Welt, in der sich der Leser wohlfühlt und in der seine Phantasie sich entfalten kann. Dazu gesellt sich der Eindruck (dies sollte auch erwähnt werden), daß der Verlag sich einige Mühe mit einem handwerklich tadellosen Schriftsatz, mit einer ausgesprochen gelungenen Einbandgestaltung und einer schönen Ausstattung gegeben hat - das ist heute leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Langer Rede kurzer Sinn: Mir hat das Buch gefallen, und ich kann es ohne Zögern empfehlen!


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Bayern ohne Klischee

Endlich ein Lichtblick, eine Freude und die Hoffnung, dass Literatur sich auf eine Region beziehen kann ohne die gängigen volkstümelnden Klischees zu bedienen. DANKE!


ein toller roman...

...ist frau bittl hier gelungenen, ein sehr guter sogar. ein vorredner schreibt von schlechten kritiken, ich habe gar keine gelesen. ist das überregionale feutillon einfach an diesem roman vorbeigegangen, so was. also das buch ist spannend, obwohl es nicht wirklich ein krimi ist. es ist ein buch zur bayerischen geschichte des 20. jahrhunderts. aber ich nehme mal an, dass es in deutschland in der provinz überall so zuging. ich hatte sogar das gefühl etwas mehr über die ns-zeit verstanden zu haben. also, insgesamt ein sehr vielfältiger roman, der einen nicht ruhen läßt.


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Hinreissend und ergreifend

Das Buch beginnt wie ein Heimatroman und steigert sich in einem kühnen Spannungsbogen, der am Schluss - nein den erzähle ich nicht...

Am schönsten fand ich, wie mit dem Schuldprinzip aufgeräumt wird - eine sinnlose Idee, die mit der gebührenden Beiläufigkeit für unbrauchbar erklärt wird.

Das Buch liest sich sehr flüssig, der Stil ist sicher und konsequent. Ein Genuss.


reviews: page 1, 2



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