Meek produziert starke Bilder. Grausam, die Eingangsszene, in der der fliehende Samarin aus seinem Versteck heraus mitansehen muss, wie aus einem über eine Brücke brausenden Güterzug ein Soldat mitsamt mehreren Pferden in den tief darunterliegenden Fluss stürzt. Auch die Charakterzeichnungen der dörflichen Gemeinschaft zeugen von großer Poesie und Lebenskraft. So jene des Leutnants Josef Mutz, der mit seiner tchechischen Legion im russischen Bürgerkrieg in die sibirische Einöde verschlagen wurde. Mutz, den einst eine heftige Affäre mit Anna verband, die er noch immer liebt, muss bald eine erschütternde Feststellung machen. Annas verschollener Mann lebt in Jaryk. In erheblich modulierter Version allerdings!
Schamanismus, Aufopferung, Liebe, Gottesfürchtigkeit. Und an jeder Ecke lauert der Wahnsinn, wie die (historisch verbürgte) Sekte der Skopzen beweist, allesamt Kastraten, die sich freiwillig entmannen ließen, um einem höheren Reinheitsgebot Folge zu leisten. Jaryk ist voll von solch selbsternannten Engeln, die sich, so auch Annas Gatte, dem Paradies nahe wähnen. Es kommt, wie es kommen muss. Als Samarin und die entmannte Witwe einander nahekommen, brechen sich höchst irdische und längst verschüttete Gefühle endlich Bahn. Die russische Dramenbühne ist angerichtet.
Lassen Sie sich also entführen in eine längst vergangene Welt. Und dies von einem, der den schwermütigen Ton jener Tage perfekt verinnerlicht hat. Ein Werk, über das man reden wird. --Ravi Unger