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  Madame | Antoni Libera
 
 
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Madame
Antoni Libera

Dtv, 2002 - 493 Seiten

Kundenbewertung:(11 Bewertungen)
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Von der Schwierigkeit, Pole zu sein

Madame ist ein literarisch hochwertiges Buch und der Autor ein begabter Schriftsteller. Die Geschichte des Schülers, der sich in seine Französischlehrerin verliebt und deshalb versucht, alles über sie und ihr Vorleben in Erfahrung zu bringen, um einen Ansatz zu finden, sich ihr zu nähern, ist überwiegend interessant und hat die Zutaten für einen guten Roman.

Leider hat mir die Lektüre des Buches keinen Spass gemacht. Mich hat gestört, dass der (autobiografische) Roman in der Ich-Form erzählt wird, und der Ich-Erzähler mir bei jeder Gelegenheit mitteilt, wie begabt und gebildet er ist. Schlimmer ist, dass man über das ganze Buch hinweg fühlt, dass er dieses nur tut, um über seinen Komplex in Bezug auf seine Nationaliät hinwegzukommen.

Das autobiografische Ich ist mit Leib und Sehle polnisch, doch empfindet es Scham darüber wegen der Geschichte des Landes, das immer wieder besetzt wurde und zur Zeit des Romans seine eigene Form des Stalinismus durchlebte. Es ist nur konsequent, dass er sich ausgerechnet in seine Französischlehrerin verliebt, da Frankreich für viele Polen das symbolisierte, was sie gern sein wollten.

Für mich leidet das Buch zu sehr unter diesem Komplex. Der Stil und die Beschreibungen sind nicht ausgeglichen und haben mich nervös gemacht. Ich habe es zwar fertiggelesen, doch dabei keinen rechten Spass gehabt. Ich würde mich freuen, wenn künftige Bücher dieses Autors etwas vom Stolz der Polen über ihre Erfolge seit dem Ende des Kommunismus mitbekommen und dadurch selbstverständlicher werden.


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Außergewöhnlich mittreissend

Von dem mir unbekannten Namen „Antoni Libera" und dem Titel „Madame" erwartete ich Unterhaltung, und nicht mehr; eigentlich kann ich Unterhaltungsliteratur nicht leiden und habe nur zu lesen begonnen, weil mir das Buch geschenkt worden war.
Diese negative Erwartung wurde aber ganz und gar nicht bestätigt und im Sturm widerlegt: Denn das hier vorliegende Buch ist eine große Hommage an das Leben und die zarte, wartende, betrachtende, hoffende, verträumte Liebe. Vordergründig geht es um die Verliebtheit eines intelligenten, belesenen polnischen Schülers in seine Französischlehrerin - jene merkwürdig geheimnisvolle westliche Schönheit, die Verschlossene, Undurchdringliche.
Der junge Mann ist zugleich der Erzähler der Geschichte - und hier beginnt bereits die Faszination, die von dem Buch ausgeht: Denn der Erzähler ist nicht nur gewitzt und belesen, er ist ungeheuer frech, geistreich - elitär, angeberisch spöttelnd - liebevoll nachdenklich, poetisch. Man kann den Blick nicht von seinen Worten wenden. Manchmal muss man sogar laut lachen, dann wieder schwer schlucken, und dann wieder die Faust ballen, aus mitfühlendem Zorn oder in Siegesfreude.
Langsam folgen wir seinen Erkundungsgängen, auf denen er „Madame", wie er seine Lehrerin nennt, verfolgt, um sie in allen Facetten ihres Lebens kennenzulernen. Und bangen mit ihm, wenn er seinen - drekt an sie gerichteten - Aufsatz einreicht, wenn er um ihr Haus streicht, sie im Theater von Ferne betrachtet: und all das doch nur, um ihn sich selbst und uns ein Bild von einer Frau zeichnen zu lassen, die sehr zart und traurig und zugleich voll Hoffnung ist - einer Existenzialistin im Polen der 70er Jahre.
Und so wird bald aus einer scheinbaren Liebesgeschichte vielmehr eine liebevolle Betrachtung: ein vorsichtiges, respektvolles und bewunderndes Vortasten in eine fremde faszinierende Denkwelt.
Jeder Satz Liberas ist geschmeidig oder stichelnd, brillierend oder leise fragend - und sowohl der Junge, als auch seine von Ferne umworbene „Madame" wachsen dem Leser aus den Worten des Textes direkt in Geist und Herz.
Ein Bild zweier Menschen und ihrer Träume, ein Bild des vergangenen Polens und eine unerhört phantasievoll leise Liebesgeschichte - ein Buch, das mich so mitgerissen hat, dass ich, was mir so noch nie passiert ist, eine ganze Nacht gelesen habe, ohne abzusetzen und ohne im geringsten zu ermüden - ein Autor, den man mit ganzem Herzen lesen darf - ein wundervolles Buch, und bestimmt keine Unterhaltungsliteratur - hier ist Herz, Sinn und Verstand gefordert - und ganz zuletzt wird man verwundert aufsehen und staunen, dass der Autor 1949 in Warschau geboren und das Buch 1998 veröffentlicht wurde - aber mehr möchte ich nicht verraten. Außerordentlich lesenswert.


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Madames

"Bist du aber sicher, dass der, dem Deine Seele nachtrauert, Dir zu begegnen hervortritt? Dass er Deine Gefühle erwidert? Dass er auf sie wenigstens antwortet? Was, wenn es anders kommt? Wenn es sich zeigt, dass er jedoch nicht Schubert ist, der deinem jungfräulichem Gesang die Musik schreibt? Was dann? ..."
Mit Sätzen wie diesen arbeitet der polnische Verfasser Antoni Libera seine Philosophie der Liebe in seinem Roman Madame heraus. Der Protagonist, ein Ich Erzähler, der aus der Perspektive eines längst schon erwachsenen Mannes, die Geschichte seiner Jugend im Nachkriegswarschau nacherzählt. Er reflektiert das letzte Jahr seiner Gymnasialzeit und beleuchtet die Ereignisse vor, um und kurz nach dem Abitur. In den Mittelpunkt des Romans tritt eine Erfahrung des Verliebtseins, die der Erzähler als Junge bezüglich seiner selbst noch jungen gerade erst anfangs der 30er stehenden Direktorin und Französischlehrerin erlebt.
Antoni Libera schmiedet zwar eine Liebesgeschichte, gießt sie aber als inhaltlichen Umbau über eine Kritik des kommunistischen Systems. Er schreibt aus der Sicht von heute über die 60er bis 80er Jahre, die eine grauenvolle Zeit für Polen, den Handlungsort der Geschichte gewesen sind.

Es werden die Unmenschlichkeiten, Schwächen und Umstände des korrupten und alles zersetzenden kommunistischen Regimes, mit seiner Treue zur Sowjetunion, bis hin zur vollkommenen Untergebenheit, die Repression und Deportationen ins stalinistische Sibirien auszeichnen, an Hand einer Liebesgeschichte erzählt. Antwort auf die Frage wie schwer es bei all den staatlichen Verboten und Regulierungen in dieser für Polen unglücklichen Zeit war, Toleranz zu üben, mit anderen Kulturen, Gedankengängen, schon überhaupt mit politischen Einstellungen und Meinungen gibt Antoni Libera die Geschehnisse um seinen Protagonisten bauend, die typisch für die Jugend eines intelligenten Gymnasiasten gewesen sind.

Wen das moderne Polen interessiert und wer wissen möchte, wie es um den verblendenden Kommunismus stand, gleichzeitig aber ein Freund der Literatur, speziell der Liebesliteratur ist, der wird an diesem Meisterwerk von Antoni Libera, das mit dem Nike Preis der Polnischen Literatur ausgezeichnet wurde, seinen Genuss finden. Eine Leseempfehlung, die ich als polnischer Zwangsemigrant und Sohn politisch verfolgter Eltern jedem geben möchte, der die Seele seines östlichen Nachbarn an Hand seiner jüngsten Geschichte und deren Schmähungen verstehen möchte. Ein Buch für jeden, egal ob junger (werdender) Lehrer, Schüler, Student oder erfahrener und betagter Mensch.


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Eine Hymne an das Wort

Libera läßt uns in seinem Romandebüt tief in die Gefühls- und Gedankenwelt eines pubertierenden Außenseiters blicken. Aus Neid und Arroganz von vielen seiner Klassenkameraden gemieden, lebt der Theaterliebhaber in seiner Welt der Worte und Sprache. Äußerst agil gestaltet er schon in jungen Jahren sein Leben, nimmt es in die Hand und erringt mit dem Glauben an die Macht des Wortes persönliche Siege. Ja, es ist eine Geschichte vom erfüllten Leben und vom Mut, seinen Weg zu gehen.

Und es ist ein Ostblock-Roman, der das grazile Frankreich als Garten Eden des Schöngeistes porträtiert, der die unbändige Sehnsucht nach Freiheit und der französischen Lebensart in Worte faßt und der nicht zuletzt einen Einblick in die sozialistische Realität gewährt.

Ein Herz für die Kunst, für das Theater sollte der Leser mitbringen. Doch dann steht dem ungetrübten Lesevergnügen bei dieser Huldigung an die Sprache nichts im Weg.


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Zwiespältig

Eigentlich passiert sehr wenig: der siebzehnjährige Ich-Erzähler verliebt sich in seine geheimnisvolle Französischlehrerin und beginnt ihr nachzuspionieren um mehr über sie zu erfahren. Er macht dabei allerlei erstaunliche Erkenntnisse, die er mehr oder weniger dezent in sein Verhalten ihr gegenüber einfließen lässt.

Dass das Buch doch auf knapp 500 Seiten kommt, liegt vor allem daran, dass Libera es zum Vorwand nimmt, dem Leser seine Belesenheit unter die Nase zu reiben. Das gibt der Geschichte einen altklugen Beigeschmack, der mitunter die Grenzen des Erträglichen auslotet. Die Gedankengänge mögen unter einem literaturwissenschaftlichen Blickwinkel durchaus reizvoll sein, hier geht es jedoch auf Kosten erzählerischer Stringenz und Überzeugungskraft. Die beiden Hauptfiguren, der Ich-Erzähler, ein siebzehnjähriger Gymnasiast, in dessen Neunmalklugheit sich die des Autors spiegelt, und seine vergötterte Lehrerin »Madame« wirken in charakterlicher Hinsicht teilweise karikativ überspitzt und daher nicht selten unglaubwürdig. Die weitschweifigen Überlegungen, Spekulationen und Strategieentwürfe des Ich-Erzählers nehmen breiten Raum ein und strapazieren die Geduld des Lesers.

Dies ändert sich erst zum Schluss des Buches, wo sich die Vielschichtigkeit der angelegten Gedankenstränge auch in der Handlung niederschlägt und diese an Schwung und Atmosphäre gewinnt. Die Figuren werden menschlicher, ihr Verhalten und die Ereignisse glaubwürdiger und die vielen Fäden, die im Laufe der Geschichte ausgelegt wurden, werden nun in erzählerischer wie intellektueller Hinsicht kunstvoll zusammengeführt. Das macht dann wieder Spaß. Ein zwiespältiges Gefühl bleibt trotzdem.


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reviews: page 1, 2, 3



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