Die Besten 2007 - Klagenfurter Texte: Die 31. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt
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Die Besten 2007 - Klagenfurter Texte: Die 31. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt
Piper
, 2007 - 223 Seiten
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Der Ingeborg-Bachmann-Preis ? das wahre Festival der Literatur.
Wie in jedem Jahr stellt der Band die Autoren und verlesenen literarischen Texe beim
Klagenfurt
er Literarturfestival zusammen. Der Band enthält auch die
Texte
der Preisträger Lutz Seiler, Thomas Stangl, Peter Licht und Jan Böttcher. Wie in jedem Jahr zeigt ? für mich ? dieser Wettbewerb und Band die
Literatur
in der Höhe ihrer Zeit, auch wenn dieses Festival der Literatur schon mehrfach als totgesagt worden ist. Aber, wie's so schön heißt, Totgesagte leben eben doch länger.
Nein, dieser Band zeigt ? wie im Grunde in jedem Jahr an, was an Literatur, an Sprachlichkeit und Bildhaftigkeit zur Diskussion steht oder auch beim Leser zur Diskussion stehen sollte. Insofern ist und war dieser Band für mich immer ? wie auch in diesem Jahr ? eine echte Bereicherung des Lektüre- und Lesezettels.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Tendenz zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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Jedes Jahr aufs Neue
Auch in diesem Jahr wurde an der liebgewordenen Tradition festgehalten und die
besten
der in
Klagenfurt
gelesenen
Texte
wieder in Buchform herausgegeben.
Klagenfurt, das ist junge deutsche
Literatur
in all ihren Facetten. Eine Bühne für zeitgenössische Literatur, eine große Chance für junge Autoren, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, wenn sie denn bereit sind, die Chance zu nutzen und die Einladung nach Klagenfurt anzunehmen.
Wer kann, sollte sich die Lesungen ansehen, die jedes Jahr Ende Juni im Fernsehen live übertragen werden. Immer wieder als hausbacken, langweilig und nicht mehr zeitgemäß verschmäht, meist von den Medienvertretern selbst, die in diesem Wettstreit involviert sind, um dann, sich mit sich selbst beschäftigend, das Gegenteil beweisen zu können. Dieser Lesewettstreit ist längst Kult. Dabei sind in guten Jahren die Kommentare der Jury genauso abdruckenswert wie die Texte, die sie kritisieren.
2007
war ein gutes Jahr und die Jury zeigte viel Gespür für Qualität bei der Preisvergabe. Das war nicht immer so, ließ man sich doch in manchen Jahren eher von provozierenden Texten, sei es sprachlich oder inhaltlich, beeindrucken.
Besonders herausragend der Text ,Turksib' des diesjährigen Preisträgers Lutz Seiler. Es ist ein eindringlicher, fast kammerspielartiger Text in klassischer Erzählweise. Der bisher als Lyriker bekannte Seiler versteht es eine äußerst dichte, realistische Atmosphäre zu schaffen und den Leser mitzunehmen auf einer Bahnfahrt - mit Geigerzähler - durch die kasachische Steppe. Er setzt seine Worte gekonnt und gezielt und lässt so einprägsame Bilder im Kopf des Lesers entstehen.
Ebenso bemerkenswert der Text von PeterLicht, der in teils schnodderig-komischer, teils melancholisch-beiläufiger Sprache die Apokalypse unserer Welt beschreibt. Mit viel Wortwitz beschreibt er eine Handlung, die immer bizarrere Formen annimmt und unentrinnbar auf eine Katastrophe hinausläuft.
Ein besonderer Verdienst der
Klagenfurter
Texte ist es, dass auch Texte veröffentlicht werden, die bei der Preisverleihung leer ausgegangen sind. Durch das viel zu komplizierte Abstimmungsverfahren kann es nämlich vorkommen, dass Texte, die für einen der Preise (es gibt außer dem Ingeborg-Bachmann-Preis noch weitere Preise) vorgeschlagen werden, am Ende leer ausgehen, obwohl sie durchaus preiswürdig sind. Die Aufnahme in die Textsammlung ist somit eine kleine Wiedergutmachung und ein Trostpflaster für die Autoren, die durch das Raster der Preisverleihung gerutscht sind. Warum man darauf in dem vorliegenden Band weitgehend verzichtet und stattdessen viel Platz gelassen hat für die Kommentare der Printmedien zum Ingeborg-Bachmann-Preis ganz allgemein, bleibt ein Geheimnis der Herausgeberin und Vorsitzenden der Jury Iris Radisch. Allein 40 Buchseiten wurden für den Pressespiegel reserviert. Diesen Raum hätte man sinnvoller nutzen können.
Trotz des formalen Mankos ist der vorliegende Band lesenswert wegen der Qualität der Erzählungen und Romanauszüge der ausgewählten Autoren.
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