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  Die Deutsche Revolution 1918/1919 | Sebastian Haffner
 
 
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Die Deutsche Revolution 1918/1919
Sebastian Haffner

Rowohlt Tb., 2004 - 253 Seiten

Kundenbewertung:(9 Bewertungen)
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Super Interessant - aber Vorsicht, dieses Buch gibt es zweimal unter verschiednen Titeln

Super Interessant - aber Vorsicht, dieses Buch gibt es zweimal unter verschiednen Titeln

Zunächst erst einmal Vorsicht, der Text/Inhalt ist wörtlich identisch mit: " Der Verrat. Deutschland 1918/1919 " vom demselben Autor. Ich wusste ich nicht, dass es da zwei Ausgaben mit unterschiedlichen Titeln gibt und habe beide bestellt, was natürlich ärgerlich war.
Dies Missgeschick ändert nichts an der hervorragenden und fesselnden Darstellung der Ereignisse in HAffners Buch. Wie immer bei HAffner - alles kurz und kanpp auf den Punkt gebracht, wobei man sich über seine Ansichten immer trefflich streiten kann.


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Spannende Enthüllungen genial erzählt!

Mit tiefer Kenntnis setzt sich Haffner mit den Ursachen der Deutschen Revolution auseinander, beginnend mit einer Analyse der Bismarckschen Zeit und dem Verhältnis zur Sozialdemokratie. Die Rolle Ludendorffs zum Ende des Weltkriegs ist gelinde gesagt, hochinteressant und spektakulär: die Dolchstoßlegende war keine "Legende", den Dolchstoß hat es wirklich gegeben, nur in umgekehrter Richtung: in Wahrheit hat die militärische Führung dem Deutschen Volk den Dolch in den Rücken gerammt, um nicht zu sagen, Ludendorff selber. Man muss Haffner konzentriert lesen, tut man das aber, dann ist jede Zeile ein Genuss, jeder Satz ein Gewinn. Er deckt auf, dass die Revolution nicht gegen die von Ludendorff eingesetzte Regierung aus Sozialdemokraten (nur zum Zweck der Übernahme der Kriegsschuld - die ungeliebten Sozialdemokraten sollten die Kapitulation und die Kriegsfolgen auf ihre Kappe nehmen) gerichtet war, sondern für sie kämpfte. Und sie kämpfte mit allerfriedlichsten Mitteln. Es gab kaum Tote, und die, die es gab, gab es wegen einzelner Hitzköpfe, aber die Revolutionäre waren friedlich, pazifistisch und antimilitaristisch, trotz oder gerade wegen der überlaufenden, eben heimgekehrten Frontsoldaten. Dass der Sozialdemokrat Friedrich Ebert von den Revolutionären unterstützt wurde, im Jänner 1919 sogar noch als Reichskanzler gewählt wurde, aber von Anfang an die Revolution verraten hatte, sie zu ersticken suchte, das deckt Haffner schonungslos auf. Ebenso die Rolle von Gustav Noske, des "Bluthundes" und des Generals Wilhelm Groener. Allen voran aber Friedrich Ebert, der als Sozialdemokrat, als Vorsitzender einer Sozialdemokratischen Regierung dieselbe Revolution, die ihn an die Macht gebracht hatte und vorwiegend von Arbeitern getragen wurde, der diese Arbeiter mehr als ein halbes Jahr lang in ganz Deutschland zusammenschießen ließ. Keine Spur von "Spartakisten", keine Spur von Bolschewiken oder anderen Kommunisten - Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten keine tragende Rolle, sie waren nur deshalb unangenehm, weil sie Eberts Machenschaften erkannten und mutig veröffentlichten. Sie wurden ermordet, weil sie die Wahrheit sagten. Insgesamt läßt Haffner kein gutes Haar an der Sozialdemokratie dieses Deutschland. Ebert war der Kopf des Bürgerkrieges, Noske seine rechte Hand ("oder seine rechte Faust"); dieser Noske sammelte nach eigenen Angaben etwa 68 Freiwilligenkorps mit insgesamt etwa 400.000 Mann, die die Revolution blutigst niederschlugen. Diese Korps hatten nach eigenen Aussagen und Pamphleten mit der herrschenden Ebert-Regierung wenig am Hut ("Für das Reich! Für das Volk! Kampf der Regierung! Tod der demokratischen Republik!". Sie waren auch die Vorgänger der SA, der Geist war da, das Auftreten war da, die Führer waren die gleichen. Diese Freikorps beherrschten die Straße, waren militärisch gedrillt, bekämpften stets erfolgreich die weit unterlegenen Arbeiter, "sodass schon im Kampf die blutigen Verluste sehr ungleich verteilt waren. Und fast immer begannen die wirklichen Schrecken, die Standgerichte, die willkürlichen Massenerschießungen, die Prügel- und Folterszenen erst nach dem Sieg der Regierungstruppen ...".
Es folgt eine Darstellung der Verhältnisse in München unter Kurt Eisler, der "ganz alleine" und völlig unblutig Revolution gemacht hatte ("Münchner Räterepublik") und sogar als jüdischer, preußischer Intellektueller im ländlichen München geehrt und geachtet wurde. Als er schließlich von einem rechtsradikalen gräflichen Halbjuden erschossen wurde, brach auch in München, nicht zuletzt unter Mithilfe von Noske, blutigster Bürgerkrieg aus. Den Abschluß dieses überaus lesenswerten Werkes macht eine Darstellung des Kapp-Putsches, bei dem die Sozialdemokraten unter Ebert die Arbeiter ein zweitesmal schmählich verrieten: "So endete der Kapp-Putsch: mit einem mörderischen Strafgericht der immer noch sozialdemokratisch geführten Regierung über ihre Retter (die Arbeiter), ausgeführt von denen, vor denen sie gerettet worden waren (die erweiterte Brigade Erhardt)." Verrat auf allen Ebenen! Wen wundert es, dass das Geschehen dieser zwei Jahre teil vertuscht, teils beschönigt, teils verfälscht wurde und wird. Mit den drei der hartnäckigsten dieser Legenden räumt Haffner ganz zum Schluß auf: damit, dass erstens gar keine Revolution stattgefunden hätte, dass zweitens die Revolution eine bolschewistische Revolution, ein russischer Importartikel gewesen sei (und nicht die seit mehr als fünfzig Jahren von der Sozialdemokratie herbeigeredete, herbeigesehnte Revolution, die dann von dieser selbst im eigenen Blut erstickt wurde) und drittens mit der "Dolchstoßlegende": "Was die SPD blutig niedergeworfen hat, ...ist keine kommunistische Revolution, sondern eine sozialdemokratische. Die sozialdemokratische Revolution, die in Deutschland 1918 stattfand, ist, ... 'rstickt' worden - in ihrem eigenen Blut erstickt; aber nicht von den Prinzen und Monarchen, die sie gestürzt, vielmehr von ihren eingenen Führern, die sie vertrauensvoll an die Macht getragen hatte. Sie ist mit äußerster, rücksichtslosester Gewalt niedergeschlagen worden, nicht von vorn, in ehrlichem Kampf: von hinten, durch Verrat."
Daran krankt laut Haffner die Sozialdemokratie in Deutschland bis heute.
Haffner ist ein genialer Autor, der die kompliziertesten und komplexesten Zusammenhänge einleuchtend und plausibel darzustellen vermag, und das macht er auch noch interessant und spannend.



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Fesselnd geschrieben!

Nachdem ich schon Haffners "Von Bismarck zu Hitler" begeistert gelesen habe, wollte ich nun mehr über die Deutsche Revolution erfahren. Ich hatte keinerlei Vorkenntnisse über dieses geschichtliche Thema und habe mich nach ein paar Seiten schnell mitgerissen gefühlt von diesem Buch.
Ich kann es jedem geschichtlich Interessiertem nur empfehlen, diese spannend geschriebene Darstellung der Ereignisse von 1918/19 zu lesen. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben, auch ohne großes Vorwissen findet man sich schnell in das Thema ein. Trotzdem ist es nicht nur ein kurzer Überblick sondern setzt sich tiefgehend mit den Ereignissen auseinander.
Dass Haffner das Buch unter den Einflüssen der 68er Bewegung geschrieben hat, ist meiner Meinung nach sehr deutlich, was aber nichts schlechtes bedeuten soll.

Ich empfehle dieses Buch also dringend weiter!



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Vollblütig blutvolle Geschichte.

Sebastian Haffner weiß im Gegensatz zu der geschichtswissenschaftlichen und unterrichtlichen Vernachlässigung der Thematik um die immense Wichtigkeit der historischen Zäsur 1918/19! Er schreibt in Abgrenzung von Pauschalitäten wie stets einen engagierten und genau positionierten geschichtlichen Essay, der eine mit Kompetenz und kritischer Zeitzeugenschaft erworbene politische Haltung argumentativ bestechend vertritt. Gegenüber faden akademischen Lotungen hat diese Art der Darstellung den Vorteil, authentisch in der Wahrnehmung und blutvoll in der Aussage zu sein, ganz abgesehen davon, dass sich Haffner als profunder Kenner der Details des geschichtlichen Hergangs erweist.
Das Zentrum bildet die Tragödie der SPD, die aus Haffners Sicht von einer Partei revolutionärer Ansprüche spätestens seit dem Erfurter Parteitag zu einem Verein von Opportunisten verkam, deren Biederkeit sie nicht nur ihren Frieden mit dem Kaiserreich finden, sondern sie politisch und menschlich schuldig werden ließ. Nicht genug damit, dass sich Ebert und seine Korona schon von einer parlamentarischen Monarchie beschenkt fühlten, wie sie durch das Ludendorffsche Krisenmanagement im Herbst 1918 ermöglicht war, nein, die Stehkragenproletarier wurden im Verlaufe der Ereignisse zu Verrätern an ihrer eigenen Klientel und konnten sich lt. Haffner davon auch nicht in den späteren Jahren ihrer Parteiengeschichte rehabilitieren. Bei allem, was kausalen Zwangsläufigkeiten, realpolitischen Zwängen oder sogar bestem Wollen geschuldet war, charakterisiert Haffner die führenden Sozialdemokraten Ebert, Scheidemann, Noske als Männer ohne Größe und ohne echtes Profil, die weder Mut zum Neuaufbruch noch zum tragischen Untergang aufbrachten. Die Radikalen der Rechten und der Linken mögen politisch bedenklichen, ja gefährlichen Intentionen gefolgt sein, blieben aber im Gegensatz zu den führenden Sozialdemokraten ihrem Selbstverständnis treu und verfügten über das, was der Verrat, egal aus welchen "realpolitischen" Motiven begangen, eben nicht kennt, nämlich menschliche Größe oder einfach nur klare Haltung, die zu den Konsequenzen eigenen Denkens und Handelns steht. Indem sich die SPD-Führer der Schlagkraft der Rechten bedienten, von denen sie selbst zunächst verachtet und wenig später offensiv bekämpft wurden, mögen sie die entstehende Republik gesichert haben, aber sie verstanden dies nur mit Lüge, Verrat und rücksichtsloser Brutalität. Ein solcher Auftakt sicherte keine Demokratie im Diskurs, sondern belastete die Konstruktion von Weimar mit einer nicht zu überbrückenden Feindschaft. Von dieser Hypothek konnten sich die Sozialdemokraten nie mehr befreien. Haffner: "Der Geist der späteren Konzentrationslager und Ausrottungskommandos beherrschte, noch unartikuliert, schon 1919 die Truppen der von Ebert herbeigerufenen, von Noske kommandierten Gegenrevolution."
Ja, manches Haffnersche Urteil mag überspitzt und allzu provokativ anmuten, es mag trotz sicherer Chronologie und ausdifferenzierter Darstellung historisch nicht stichhaltig sein, aber es ist eben genau auf diese Weise markant, emotional und insofern echt geschichtlich, weil es das Empfinden der Zeitgenossen schlüssig rekonstruiert. Der Leser steht mitten in den Ereignissen und muss sich selbst Jahrzehnte danach positionieren. Ein Gewinn für jeden politisch denkenden und empfindenden Menschen.


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Ein Plädoyer für eine vergessene Revolution

Haffners kurze Darstellung der Novemberrevolution ist jedem politisch oder geschichtlich Interessierten zu empfehlen. Der Publizist räumt auf mit den Mythen um diese mißverstandene Schicksalsstunde - obgleich er besagte Mythen sogleich mit einer linken Interpretation ersetzt ("Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!"). Lesenswert ist dieser Band vor allem wegen Haffners wunderbar präzise-dichterischem Stil, mit dem er immer wieder komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringt; mir hat in dieser Beziehung besonders seine Beschreibung des Zweiten Reiches als einer "schief zugeknöpften Weste" gefallen.


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