Königs Erläuterungen und Materialien, Bd.15, Iphigenie auf Tauris | Johann Wolfgang von Goethe
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Königs Erläuterungen und Materialien, Bd.15, Iphigenie auf Tauris
Johann Wolfgang von Goethe
Bange
, 2008 - 179 Seiten
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Kauftipp
Die Iphigenie auf der Partyinsel
Das Buch "
Iphigenie
auf
Tauris
" ist ein Ideendrama. Das heißt, es handelt sich mehr um theoretische Überlegungen, Gedanken,Handlungen und Menschenbilder in dem Buch , als das tatsächlich viel passiert (wie z.b. in Faust).
Iphigenie ist das Ideal der Humanität, sie ist nicht "nur" menschlich , sie verkörpert die "schöne Seele" , bei ihr stimme Neigung und Pflicht überein.(Herder!)
Man lernt also durch das Buch auch das Ideal der damaligen Zeit kennen und die Funktion des Dichters ,die Menschen durch ihre Bücher belehren wollen.
Allgemein nicht sehr schwer zu lesen (einfacher als Faust zumindest), es zieht sich nur manchmal in die Länge, da eben nicht wirklich was passiert auf Tauris.
Fazit: Gutes Buch! Hätt ich nich besser gekonnt.....
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Zauber der Sprache
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »
Iphigenie
auf
Tauris
«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.
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Thoas: "Es spricht kein Gott, es spricht dein eigenes Herz."
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Iphigenie
: "Sie reden nur durch unser Herz zu uns."
Iphigenie, Tochter des Agamemnon, von der Göttin Diana dem grausamen Opfertod entrissen und nach
Tauris
versetzt, wo sie seitdem Dianas oberste Priesterin ist, sehnt sich nach ihrer griechischen Heimat zurück. Doch Thoas, der König der Taurier, der sie zur Frau begehrt, will sie nicht ziehen lassen. Ihretwillen hat er sogar die blutigen Menschenopfer der Skythen eingestellt, aber dennoch weist ihn Iphigenie sanft aber bestimmt zurück ("nicht unedel sind die Waffen eines Weibes"). Widerwillig verspricht Thoas, sie gehen zu lassen, wenn es dafür eine Gelegenheit gäbe ("Tu deine Pflicht, ich werde meine tun"). Zwei gefangene Fremde an Tauris Strand will der verbitterte König zum Opfertod bestimmen. Iphigenie muss in einem der Gefangenen ihren Bruder Orest wiedererkennen. Um seinen Vater Agamemnon zu rächen, war er zum Mörder seiner eigenen Mutter geworden und ist seitdem, gehetzt von Furien, dem Wahnsinn nah. Apollos Orakel hat ihn endlich nach Tauris gewiesen: wenn er die Schwester heimhole, so werde er entsühnt. Orest vermeinte, das Standbild Dianas rauben zu sollen, doch nun findet er hier seine eigene tot geglaubte Schwester. Gemeinsam mit Pylades wird ein Fluchtplan geschmiedet; das Schiff der Griechen wartet schon verborgen in einer Bucht. Iphigenie soll den Skythenkönig, der auf das Opfer drängt, noch ein wenig hinhalten. Doch Iphigenies reines Herz vermag den König nicht zu belügen. Offen gesteht sie ihm den Fluchtplan und macht ihm zugleich deutlich, dass er kein Recht habe, sie und die Gefährten festzuhalten. Sie gemahnt ihn an sein Wort - jetzt sei die Gelegenheit, wo er sie ziehen lassen müsse. Mürrisch gewährt es Thoas, doch nicht im Groll will Iphigenie von dem Mann scheiden, den sie wie einen zweiten Vater verehrt. Mit Engelszungen bezwingt sie das harte Herz des rohen Skythen und in wahrhafter Freundschaft dürfen die Gefährten von Tauris scheiden.
Goethe (1749-1832) hat seine Iphigenie nach Vorlage der griechischen Tragödie des Euripides nach langem Ringen (1779-1789) als Schauspiel geschrieben, die Versform während und nach seiner Italienischen Reise. Goethe selber war zum Hof in Weimar gekommen, seine Aufgaben wechselten und der Dichterberuf kam sicher zu kurz. So konnte ihm der Gedanke an die alte griechische Dichtkunst einen Weg öffnen, der die Freiheit außerhalb Weimars möglich machte.
Dieses Stück ist das Paradebeispiel der Hochklassik. Goethe verwendet hier das Streben nach Wahrheit, Menschlichkeit und die dahinterstehende Tat als seine ewige Botschaft. War noch Götz von der Freiheit beseelt, Faust im Ringen um Wort und Tat beschäftigt, so verbinden sich hier in wunderbarer Rhetorik Kommunikation, Überzeugung und Klarheit. Kein Ortswechsel, alles spielt im Hain Dianas Tempels und so rücken die Dialoge in den fünf Akten in den Vordergrund. Und in ihnen die Gegensätze, der Dualismus, kein Gutes ohne Böses, keine Wahrheit ohne Lüge, keine Ratio ohne Emotio etc ; Hegels negative Dialektik auch hier. Ob Iphigenie mit Thoas, der zur Überzeugung geführt werden will, ob der wahnsinnige Orest und der vernünftige Pylades, immer erstklassig bei reinster Sprache. So wie der Wunsch nach Nähe; Thoas drängt zu Iphigenie, so wird die Kluft größer. Erst im Freisein eröffnet sie ihm den Weg der Freundschaft. Trommelnde Rhetorik, Satz und Gegensatz in pfeilschneller Art tauschen Argumente, die immer mit dem Ziel Iphigenies verbunden sind, dem "Mächtigen, was ihm gefällt, mit Wahrheit zu sagen". Kein Trug, Wahrheit und Menschlichkeit sind ihre Farben, allgegenwärtig, "Ich habe nichts als Worte", ihre Botschaft an die Vernunft UND an das Gefühl.
Wie Vernunft und Gefühl, gerade in dem strategischen Vorgehen Pylades ("zweifelnd beschleunigst du die Gefahr") im Verhältnis des eher wahnsinnig scheinenden Orest. Doch dieser erlebt am Ende des dritten Aktes eine therapeutische Wendung ("Es löset sich der Fluch, mir sagt's das Herz"). Im Erkennen der Schwester ("Zwischen uns sei Wahrheit!") erlischt Schuld und der Neubeginn des Lebens steht auf dem Plan ("Nach Lebensfreud' und großer Tat zu jagen"). Die Götter sind dabei, auch bei Pylades, wenn er sagt: "Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht auf jener Willen droben achtend lauscht?" Ja, "um Gutes zu tun braucht's keine Überlegung", denn der "Zweifel ist's, der Gutes böse macht. Bedenke nicht, gewähre wie du's fühlst". So erkennt Thaos am Ende, dass er Iphigenie nicht halten kann, sie will neben all den hehren Tugenden die Freiheit, die sie nun von ihm bekommt, da er den Sinn wahrnimmt hinter ihren Worten: "frei atmen macht das Leben nicht allein." "Reiche mir zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte" sind Iphigenies Abschiedsworte.
Iphigenie steht zwischen Thaos und Arkas, zwischen Orest und Pylades, sie verkörpert Goethes lebenslanges Menschheitsideal, welches er im Faust beschreibt, beginnend mit: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Der Naturmensch stirbt zugunsten des Geistes, ein ewig Stirb und Werde.
Goethes Vorbild ist eine Tragödie, diese hätte im letzten Akt das zerstörerische Moment. Doch sein Ziel ist die Konfliktlösung, und der fünfte Akt ist die Befreiung aus Abhängigkeit und Schuld, hier wird der Konflikt endgültig aufgelöst, die Tragödie ist Schauspiel. Das Gute siegt wie die Menschlichkeit, der Humanismus, dem Menschen immanent.
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Thoas: "Es spricht kein Gott, es spricht dein eigenes Herz."
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Iphigenie
: "Sie reden nur durch unser Herz zu uns."
Iphigenie, Tochter des Agamemnon, von der Göttin Diana dem grausamen Opfertod entrissen und nach
Tauris
versetzt, wo sie seitdem Dianas oberste Priesterin ist, sehnt sich nach ihrer griechischen Heimat zurück. Doch Thoas, der König der Taurier, der sie zur Frau begehrt, will sie nicht ziehen lassen. Ihretwillen hat er sogar die blutigen Menschenopfer der Skythen eingestellt, aber dennoch weist ihn Iphigenie sanft aber bestimmt zurück ("nicht unedel sind die Waffen eines Weibes"). Widerwillig verspricht Thoas, sie gehen zu lassen, wenn es dafür eine Gelegenheit gäbe ("Tu deine Pflicht, ich werde meine tun"). Zwei gefangene Fremde an Tauris Strand will der verbitterte König zum Opfertod bestimmen. Iphigenie muss in einem der Gefangenen ihren Bruder Orest wiedererkennen. Um seinen Vater Agamemnon zu rächen, war er zum Mörder seiner eigenen Mutter geworden und ist seitdem, gehetzt von Furien, dem Wahnsinn nah. Apollos Orakel hat ihn endlich nach Tauris gewiesen: wenn er die Schwester heimhole, so werde er entsühnt. Orest vermeinte, das Standbild Dianas rauben zu sollen, doch nun findet er hier seine eigene tot geglaubte Schwester. Gemeinsam mit Pylades wird ein Fluchtplan geschmiedet; das Schiff der Griechen wartet schon verborgen in einer Bucht. Iphigenie soll den Skythenkönig, der auf das Opfer drängt, noch ein wenig hinhalten. Doch Iphigenies reines Herz vermag den König nicht zu belügen. Offen gesteht sie ihm den Fluchtplan und macht ihm zugleich deutlich, dass er kein Recht habe, sie und die Gefährten festzuhalten. Sie gemahnt ihn an sein Wort - jetzt sei die Gelegenheit, wo er sie ziehen lassen müsse. Mürrisch gewährt es Thoas, doch nicht im Groll will Iphigenie von dem Mann scheiden, den sie wie einen zweiten Vater verehrt. Mit Engelszungen bezwingt sie das harte Herz des rohen Skythen und in wahrhafter Freundschaft dürfen die Gefährten von Tauris scheiden.
Goethe (1749-1832) hat seine Iphigenie nach Vorlage der griechischen Tragödie des Euripides nach langem Ringen (1779-1789) als Schauspiel geschrieben, die Versform während und nach seiner Italienischen Reise. Goethe selber war zum Hof in Weimar gekommen, seine Aufgaben wechselten und der Dichterberuf kam sicher zu kurz. So konnte ihm der Gedanke an die alte griechische Dichtkunst einen Weg öffnen, der die Freiheit außerhalb Weimars möglich machte.
Dieses Stück ist das Paradebeispiel der Hochklassik. Goethe verwendet hier das Streben nach Wahrheit, Menschlichkeit und die dahinterstehende Tat als seine ewige Botschaft. War noch Götz von der Freiheit beseelt, Faust im Ringen um Wort und Tat beschäftigt, so verbinden sich hier in wunderbarer Rhetorik Kommunikation, Überzeugung und Klarheit. Kein Ortswechsel, alles spielt im Hain Dianas Tempels und so rücken die Dialoge in den fünf Akten in den Vordergrund. Und in ihnen die Gegensätze, der Dualismus, kein Gutes ohne Böses, keine Wahrheit ohne Lüge, keine Ratio ohne Emotio etc ; Hegels negative Dialektik auch hier. Ob Iphigenie mit Thoas, der zur Überzeugung geführt werden will, ob der wahnsinnige Orest und der vernünftige Pylades, immer erstklassig bei reinster Sprache. So wie der Wunsch nach Nähe; Thoas drängt zu Iphigenie, so wird die Kluft größer. Erst im Freisein eröffnet sie ihm den Weg der Freundschaft. Trommelnde Rhetorik, Satz und Gegensatz in pfeilschneller Art tauschen Argumente, die immer mit dem Ziel Iphigenies verbunden sind, dem "Mächtigen, was ihm gefällt, mit Wahrheit zu sagen". Kein Trug, Wahrheit und Menschlichkeit sind ihre Farben, allgegenwärtig, "Ich habe nichts als Worte", ihre Botschaft an die Vernunft UND an das Gefühl.
Wie Vernunft und Gefühl, gerade in dem strategischen Vorgehen Pylades ("zweifelnd beschleunigst du die Gefahr") im Verhältnis des eher wahnsinnig scheinenden Orest. Doch dieser erlebt am Ende des dritten Aktes eine therapeutische Wendung ("Es löset sich der Fluch, mir sagt's das Herz"). Im Erkennen der Schwester ("Zwischen uns sei Wahrheit!") erlischt Schuld und der Neubeginn des Lebens steht auf dem Plan ("Nach Lebensfreud' und großer Tat zu jagen"). Die Götter sind dabei, auch bei Pylades, wenn er sagt: "Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht auf jener Willen droben achtend lauscht?" Ja, "um Gutes zu tun braucht's keine Überlegung", denn der "Zweifel ist's, der Gutes böse macht. Bedenke nicht, gewähre wie du's fühlst". So erkennt Thaos am Ende, dass er Iphigenie nicht halten kann, sie will neben all den hehren Tugenden die Freiheit, die sie nun von ihm bekommt, da er den Sinn wahrnimmt hinter ihren Worten: "frei atmen macht das Leben nicht allein." "Reiche mir zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte" sind Iphigenies Abschiedsworte.
Iphigenie steht zwischen Thaos und Arkas, zwischen Orest und Pylades, sie verkörpert Goethes lebenslanges Menschheitsideal, welches er im Faust beschreibt, beginnend mit: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Der Naturmensch stirbt zugunsten des Geistes, ein ewig Stirb und Werde.
Goethes Vorbild ist eine Tragödie, diese hätte im letzten Akt das zerstörerische Moment. Doch sein Ziel ist die Konfliktlösung, und der fünfte Akt ist die Befreiung aus Abhängigkeit und Schuld, hier wird der Konflikt endgültig aufgelöst, die Tragödie ist Schauspiel. Das Gute siegt wie die Menschlichkeit, der Humanismus, dem Menschen immanent.
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