Der in London geborene Weinjournalist betrachtet den Rebensaft nüchtern als vergorenen Traubenmost. Und wenn es sich darum dreht, dann will er?s möglichst einfach, kompakt und übersichtlich, auch wenn?s dadurch nicht so vielfältig sein kann.
Dass Geschmack immer subjektiv ist, wissen auch seine Kollegen, Pigott aber macht daraus sein Gesetz Nummer eins. Und so stattet er denn auch sein Büchlein im Format von ca. 19x10 cm konsequent mit einem extra Bereich aus, indem die interessierten Leser jeweils ihre eigenen Wertungspunkte eintragen können. Neben die Pigottpunkte, versteht sich, denn Bewertungen nimmt natürlich auch er vor. Im typisch pigottschen Gestus ist hier zum Beispiel die Rede von Abzocke und Geschmack von gekautem Bleistift, wenn?s nicht mundet und viel Zeugs, viel Schmackes, wenn es mundet. Anders als Der kleine Johnson 2006 (ähnliches Format, aber doppelt so dick), in dem die Weine noch herkömmlich nach einzelnen Anbaugebieten untergliedert werden, purzeln sie in Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer geographisch bunt durcheinander. Hier werden sie nur in trockene und süße Weine (rot, rosé, weiß und als Schaumwein) unterteilt und alphabetisch aufgelistet. Dazu gibt es Extrakapitel zu deren angebliche(r) Wein-Weltspitze über 50 ?.
Hilfreich bei der Beschaffung der Tropfen ist die Liste von Pigotts Lieblingsweinhändlern in Deutschland, die er auf Bitten seiner Fans der neuesten Ausgabe angefügt hat. Fünf Gesetze stellt er zum Wein auf und fügt die zehn größten, dümmsten und schlimmsten Wein-Irrtümer hinzu. Lassen Sie sich nicht einschüchtern! So könnte Pigotts Motto an alle Weininteressierten auch lauten. Stehen Sie zu dem, was sie mögen und drücken Sie es so aus, wie?s ihnen gefällt. Wer?s locker-flockig mag, dem wird der Pigott zusagen, alle anderen bleiben bei den herkömmlichen Weinführern, denn über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten. -- Anne Hauschild
Ob es die Wahl anständiger Gläser zur Weinverkostung ist, oder die Tatsache, dass viele Korken den Wein doch schädigen, Stuart Pigott lässt in seinem Büchlein nichts aus, um vor schlechten Einflüssen auf den Wein zu warnen, dennoch ist das Buch in dem einführenden Kapitel fast eine Kopie der Auflage von 2005.
Bei den meisten Kurzkritiken zu den aktuellen Weinen kann man sicherlich mit ihm einer Meinung sein, denn das Gold liegt selten am Straßenrand. Allerdings ist mirt bei der Kritik zu ?Schloss Vaux, Cuvée" aufgefallen, das es sich um den gleichen Wortlaut wie in 2005 handelt, obwohl Schloss Vaux den Cuvèe geschmacklich abgeändert hat (die Spitze aus Riesling, fehlt nämlich in der aktuellen Abfüllung).
Ich hätte mir hier eine Erwähnung dessen gewünscht, denn wenn sich der Geschmack (Verschnitt) ändert, sollte dies Erwähnung finden. Leider wurde des exzellente Rosé Cuvée aus dem Hause Schloss Vaux nicht erwähnt, dafür aber die Lagen Sekte (welche tatsächlich Glanzstücke aus diesem Hause sind).
Ich sehe also den ?kleinen genialen Weinführer 2006" von Stuart Pigott als interessant an, aber nur mit Einschränkungen, die eigene Meinung und Erfahrung (!) sind doch mehr wert.
Ein Buch für alle, welche Abwechslung im Weinkritikerdschungel suchen und ehrliche Meinungen schätzen.
Wer Wein liebt, kennt sicherlich auch Stuart Pigott. Einen ehrlichen und manchesmal sicherlich auch zynischen Weinkritiker, insbesondere wenn es um die Kritik an seinen Kollegen geht oder um Kritik an den Weinerzeugern selbst, die doch all zu oft - zu sehr nach dem Geld schielen.Im Buch ?Kleiner genialer Weinführer 2005" zeigt Stuart Pigott in kurzen Sätzen und Abschnitten dem Leser auf, wie er selbst Wein einkauft, wie er ihn verkostet und beurteilt und was man alles beim Thema Wein falsch machen kann und wo Scheu vor dem Wein falsch am Platze ist.Der Abschnitt ?10 dumme und schlimme Weinirrtümer", sind schon ein Lacher an sich, doch es wäre sicherlich traurig zu erfahren, wie viele sie noch heute begehen. Auch wie man Weinetiketten liest und wieviel Betrug auf ihnen steht, ist echt Spitze. Selbst das Thema ?überteuert und unterschätzt" hat mir Als Weinliebhaber noch etwas gegeben.
Stuart Pigott erklärt im Verlauf klar und einfach wie er Weine bewertet (Geschmack und Preis) - also ein Preis Leistungsverhältnis und gibt immer wieder zu bedenken, das nur was dem Weintrinker schmeckt, letzten Endes auch gut gewesen sei, was auch andere dazu sagen mögen, sei daher belanglos.
Das Buch zeigt trockene und süße Rotweine auf, Sekte, Weißweine (ebenfalls trocken und süß), sowie Tops und Flops jenseits der 50.- Euro in jeder Kategorie.
Für mich war es wieder einmal erheiternd und erfrischend und ich habe jede Seite dieses kleinen Büchleins genossen. Für jeden ehrlichen Weinkenner (Ehrlich gegenüber sich selbst) ein Buch zum stöbern, entspannen und genießen.