Die Stimmen des Flusses, 6 Audio-CDs | Jaume Cabré
Bücher:
die stimmen des flus...
Die Stimmen des Flusses, 6 Audio-CDs
Jaume Cabré
Der HR Verlag DHV
, 2007
Kundenbewertung:
(10 Bewertungen)
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Kauftipp
Anspruch und Wirklichkeit
Bei einem solchen Buch kommt man leicht in die Verlegenheit, einen wie auch immer gearteten Anspruch zwanghaft entdecken zu müssen, um abschließend jedoch festzustellen, dass trotz interessantem Grundthemas wenig geblieben ist, was dem Buch nun höhere Weihen verleihen könnte.
Oder anders ausgedrückt: man darf den praktizierten Lobeshymnen aus allen Ecken ruhig etwas kritischer gegenüber stehen und gelangt so in einen Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Ja, Cabré gelingt es in famoser Weise, den vielzitierten literarischen Bogen zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu spannen, komplexe Charaktere zu kreieren und die Handlung auf das Pyrenäenörtchen Torena so zu fokussieren, dass man atmosphärisch ganz dicht an seinen Wörtern hängt.
Und nein, mir wollte die zerklüftete Schriebart Cabrés, diese kleinen Häppchen und Zeitwechsel nicht gefallen, Anspruch hin, Bedeutungsschwangerschaft her.
Des Autoren Zwang, seinen literarischen Stilspielereien eine wohl tiefere Bedeutung zu verleihen, geht deutlich zu Lasten der Lesbarkeit. Man darf wohl trotz des an sich schwer verdaulichen Themas nicht vergessen, dass dies Buch immer noch in die Rubrik "Unterhaltung" (wohl im weitesten Sinne) fällt. Der Leser muss sich wohl oder übel jenes Stilelement anlesen, um zumindest am Anfang überhaupt den Überblick zu behalten.
Ob er dann die Kälte der Elisenda Vilabrú, den ferngesteuerten Heldentum des Oriol Fontelles und/oder die problembehaftete Gegenwartsperson Tina Bros für glaubwürdig oder überdreht erklärt, mag er nur selbst entscheiden.
Die Seiten, in denen Cabré sich vollends auf den spanischen Bürgerkrieg samt und sonders seiner Eigenheiten, Machtmechanismen, politischen und persönlichen Verhältnisse, seiner Helden und Opfer konzentriert, sind gelungen und authentisch. Man erlebt die dunklen Seiten, liest Unmenschliches, schöpft Hoffnung, geht konform oder schüttelt den Kopf. Man erlebt den Kampf Elisendas um Gerechtigkeit und Sühne, fiebert mit, wenn Oriol im aufgesetzten Spiegel des Hasses seine eigene Ideologie und seinen eigenen Mut erfindet und ist entsetzt, wenn Marionetten, welche jede Zeit hervorbringt, unter Ausnutzung von Angst und Macht menschliche Abgründe entwickeln.
Die Gegenwartsgeschichte um Tina Bros und ihrer Leiden und Leidenschaften wirkt dagegen unnatürlich, aufgesetzt, ein Mittel zum Zweck, wohl nicht besser zu gestalten aber immer noch irgendwie zu akzeptieren.
Trotzdem (oder deswegen) hat mich die Geschichte um Oriol und Elisenda, um deren Leidenschaften, Ängste, Fehler und Skrupellosigkeiten nicht so "eingenommen", wie es wohl für einen solchen Roman geboten erscheint.
Dies mag an der anstrengenden Schriebart Cabrés legen, seinen Rissen in der Handlung und seinen Ausschweifungen, die einem manchmal das Gefühl vermitteln, dass viel Wissen und Eigenart an den Leser gelangen soll, die er gar nicht verdauen möchte. Das Auge isst eben mit. Oder es mag daran liegen, dass Cabrés Thema nicht eben meines war.
Ich habe mich manchmal eher durch das Buch gekämpft, als dass ich es ausnahmslos genossen haben. Der Erinnerungswert verblasst angesichts des Chaos, welches Cabré oft hinterlässt und lässt mich vielleicht auch vergessen, welche Stärken jenes Werk besitzt.
Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem lesenswerten Sammelsurium zu tun, einer Mischung aus Zeitgeschichte und Unterhaltungsroman, auf hohem Niveau, ohne dass ich jedoch behaupten kann, dass hier der ganz große Wurf gelungen wäre.
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ein grandioses Werk
... was soll man sagen, wenn man beeindruckt, überwältigt, begeistert und angerührt ein Buch nach dem letzten Kapitel traurig zur Seite legt ?
Vielleicht :
dies ist ein uneingeschränkt empfehlenswertes Lesevergnügen mit extrem hohen Suchtpotential.
Der Inhalt wurde schon oft hier beschrieben und ich gebe nur zwei wichtige Hinweise :
1. nehmen Sie sich einige Tage Zeit, denn Sie werden sie brauchen - alles andere wird nämlich zur Nebensache.
2. lesen Sie nicht den Klappentext - er nimmt zu viel vorweg und nimmt Ihnen die Spannung.
Es bleibt noch zu sagen :
viel Spaß beim Lesen - und stellen Sie das Telefon ab, die Haustürklingel leise und schicken Sie alle Familienmitglieder in den Urlaub !
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Eine brillante Erzähltechnik gibt dem Buch eine Dramatik, dass man es kaum mehr aus der Hand legen kann
Tina ist Lehrerin, die es im Jahr 2002 in das kleine, fiktive Pyrenäendorf Torena verschlagen hat. Sie findet dort in einem alten, leerstehenden Schulhaus eine ganze Menge von Schreibheften. Sie waren sorgfältig hinter der Tafel des Unterrichtsraums versteckt und harrten dort seit Jahrzehnten auf ihre Entdeckung. Autor dieser Schreibhefte, die Tina atemlos liest, ist der Lehrer Oriol Fontelles. Mitten im spanischen Bürgerkrieg führte dieser Lehrer für seine damals noch ungeborene Tochter eine Art Tagebuch. Hauptaussage der Schreibhefte ist die Versicherung des Lehrers an seine Nachkommen, er sei niemals Mitglied der Falange gewesen, im Gegenteil, er habe den Widerstand gegen das Franco-Regime immer nach Kräften unterstützt.
Die Lehrerin Tina ist über diese Bekenntnisse ihres Kollegen erschüttert und sie macht sich auf die Spurensuche. Dass sie dabei später zu Tode kommt ist eine der wichtigsten Aussagen in diesem erstaunlichen Buch.
Es erzählt zunächst die Geschichte des Lehrers Oriol Fontelles, der mitten in den Wirren des Bürgerkrieges in den Pyrenäenort versetzt wird. Er hat seiner Versetzung zugestimmt, weil er zusammen mit seiner schwangeren Frau Rosa Zeit haben wollte, Zeit zum Leben und zum Lesen.
Doch nach kurzer Zeit schon spürt er, dass es damit nichts werden wird. Er ist schon mitten im Sog der politischen Verhältnisse. Gegen seinen Willen wird Fontelles zum Mitläufer eines Bürgermeisters, der erst durch die Wirren des Krieges an die Macht gekommen ist. Auch als Targa, der Bürgermeister, einen Jugendlichen töten lässt, protestiert der Dorflehrer nicht. Es fehlt ihm der Mut dazu. Bald darauf fehlt ihm seine Frau, denn aus Enttäuschung und Verachtung über seine Kollaboration verlässt ihn Rosa.
Doch da ist auch noch die Großgrundbesitzerin Elisenda Vilabru, deren Vater und Bruder von Anarchisten getötet worden sind, und die nun aus Rache sich alles und jedermann untertan macht. Sie ist die eigentlich Mächtige in der Region und wird später zu einer erfolgreichen Unternehmerin. Sie empfindet eine große Liebe zu dem Lehrer Fontelles, und als dessen Frau Rosa das Dorf verlassen hat, lebt Elisenda diese Liebe mit Oriol auch aus. Dieser wiederum hintergeht seine Geliebte, indem er Widerstandskämpfer, Partisanen und flüchtende jüdische Familien im Schulgebäude Obdach gibt und diese das Haus zum geheimen Stützpunkt ausbauen lässt.
Elisendas Strafe ist brutal. Sie lässt Fontelles von den Helfern des Bürgermeisters in der Kirche des Dorfes zu Tode prügeln, und macht ihn damit zum Märtyrer der katholischen Kirche. Der Plan, den sie damals fasste, beschäftigt sie ihr ganzes Leben lang. Kurz vor ihrem Ziel, sie hat die Seligsprechung ihres ehemaligen Geliebten durch den Vatikan 2002 schon fast erreicht, da durchkreuzt Tina, die Lehrerin, die alles wissen will, ihr Lebenswerk und bezahlt es mit ihrem Leben.
Cabre arbeitet viel mit Rückblenden und umspannt so einen Zeitraum von über 60 Jahren. Seine brillante Erzähltechnik verleiht dem Buch eine solche Dramatik, dass man es einfach nicht mehr aus der Hand legt, bis man es regelrecht verschlungen hat.
Es ist eine Parabel über die Pervertierung des menschlichen Charakters durch Krieg, Politik und Macht. Sie könnte auch an anderen Schauplätzen der Vergangenheit oder Gegenwart spielen. In seiner Heimat Katalonien hat Cabre mit diesem fantastischen Werk einen enormen Beitrag zur Aufarbeitung des Bürgerkriegs geleistet und der Insel Verlag hat den Themenschwerpunkt "Katalonien" der 2007er Buchmesse in Frankfurt zum Anlass genommen, diesen Roman, der noch lange wirken wird, dem deutschen Publikum zu präsentieren.
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Intrigen, Verrat und Leidenschaft innerhalb einer katalanischen Dorfgemeinschaft
Im Mittelpunkt dieses überaus packend gestalteten Romans steht das Pyrenäendorf Torena mit seinen Bewohnern und deren Geschichte.
Diese Geschichte wird erzählt ab dem Beginn des spanischen Bürgerkrieges (1936) bis 2002, der Schwerpunkt liegt jedoch bei den Geschehnissen der Jahre 1943/44, die im gewaltsamen Tod des erst kürzlich zugezogenen Dorfschullehrers Oriol Fontelles gipfeln.
Eine wichtige Protagonistin ist die (einfluss)reiche Unternehmerin Elisenda Vilabrú, die die Männer um den Verstand bringt und mit Geschick, Geld und Sex die Strippen zieht und die eigentliche Machthaberin des Ortes ist. Nachdem sie als Jugendliche miterleben musste, wie Dorfbewohner, angestiftet durch spanische Anarchisten, ihren Bruder und ihren Vater grausam ermordeten, setzt sie alles daran, diese Morde zu rächen und verschafft dazu dem skrupellosen Faschisten Valentí Targa den Bürgermeisterposten.
Als Oriol Fontelles den vakanten Posten des Schullehrers übernimmt, wird er schnell vom Bürgermeister für dessen Ziele vereinnahmt. Auch wenn Fontelles kein Faschist ist, sieht es für die überwiegend regimekritischen Dorfbewohner jedoch so aus, als ob er dem unbeliebten Bürgermeister zuarbeiten würde. Als ein Junge von den Faschisten umgebracht wird, wird der Lehrer gemieden, seine hochschwangere Ehefrau verlässt ihn und er selber macht sich schwere Vorwürfe. Darauf hin schließt er sich dem Widerstand an, nach außen hin arbeitet er jedoch noch enger mit dem Bürgermeister zusammen, tritt der Falange (der faschistischen Partei) bei und kann so die Widerständler mit Insider-Informationen versorgen.
Fontelles verzweifelt an seinem Doppelleben, daran, dass ihn seine Frau, von der er nicht weiß, wo sie sich aufhält, für einen Feigling und Faschisten hält und er keine Möglichkeit hat, diesen Irrtum richtig zu stellen. Da ihm seine Frau mitgeteilt hat, dass sie eine Tochter zur Welt gebracht hat, beginnt Fontelles einen Brief in Form eines Tagebuches an seine Tochter zu schreiben, in der er ihr mitteilt, wer er wirklich ist. Zudem beginnt er eine verhängnisvolle Affäre mit der intriganten Elisenda...
Das Tagebuch wird zufällig beim Abriss der Schule im Jahr 2001 gefunden und gelangt in die Hände der Lehrerin Tina Bros, die selber wiederum mit einigen privaten Problemen (Mann geht fremd, Sohn geht ins Kloster...) zu kämpfen hat. Tina Bros beginnt darauf hin, Nachforschungen anzustellen, um zum einen die Tochter von Fontelles, für die das Tagebuch schließlich bestimmt ist, zu finden und um herauszufinden, wie Fontelles letztlich zu Tode gekommen ist.
Die Geschichte, die in dieser Zusammenfassung ein wenig klischeehaft und dick aufgetragen erscheinen mag, entpuppt sich im Laufe der Handlung als ungemein komplex, vielschichtig, mitreißend und äußerst spannend.
Zugegeben, ich habe einige Zeit gebraucht, um in den Roman hineinzufinden, was sicherlich an der verschachtelten Erzählweise liegt. Übergangslos springt der Autor in die nicht chronologisch zusammenhängenden Szenen, bei denen für den Leser zunächst nicht klar ist, wann und in welchem Zusammenhang diese spielen. Das ist zunächst etwas verwirrend, zudem es auch einige Zeit braucht, um die diversen Charaktere "kennen zu lernen". Hilfreich ist dabei, dass der gebundenen Ausgabe ein Lesezeichen beigefügt ist, auf dem die Personen und deren Stellung aufgelistet sind.
Nach und nach fügen sich die zunächst zusammenhangslos erscheinenden Szenen jedoch zu einem Gesamtbild zusammen, die Handlung nimmt an Fahrt auf, Verbindungen zwischen den Charakteren und deren Handlungen werden aufgedeckt.
Nachdem ich ungefähr das erste Viertel des Romans geschafft hatte, konnte ich ihn nur noch schwer aus der Hand legen. Er hat mich gefesselt, mitgerissen, berührt und an einigen Stellen fast zum Weinen gebracht. Ein Buch, das ich, nachdem ich es zu Ende gelesen habe, am liebsten wieder von vorne beginnen möchte.
Tipp: Für wen die spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts ein völlig unbeschriebenes Blatt ist, der sollte sich vielleicht vor der Lektüre ein wenig schlau machen. Profunde Bürgerkriegs-/Franko-/Faschismus-/Widerstandskenntnisse sind sicherlich nicht erforderlich, grobe Grundkenntnisse erleichtern jedoch auf jeden Fall das Verständnis der Handlung.
Die
Stimmen
des
Flusses
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Jaume Cabré-Die Stimmen des Flusses
Ich fand Die
Stimmen
des
Flusses
" im großen und ganzen sehr gelungen.Das Buch ist spannend,gut geschrieben und sehr interessant,wenn man sich (so wie ich) für den Spanischen Bügerkrieg interessiert.
Auch sind die Figuren gut beschrieben,so dass man sich in ihre Lage hineinversetzen kann.
Das wenige negative an diesem Buch ist,dass die Gegenwarts- und Vergangenheitserzählungen oft ineinander hineinfließen,so dass man zunächst etwas verwirrt ist,in welcher Zeit und Szene man sich befindet und welche Personen jetzt miteinander reden. Auch fand ich die Hauptperson" Tina etwas naiv,was aber eher nebensächlich ist.
Am Schluss bleiben für mich auch noch einige Fragen offen.
Ich finde es schade,dass diese Aspekte nicht geklärt wurden.
Letzendlich gebe ich diesem Buch 4,5 von 5 Sternen und kann es nur jedem empfehlen.
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reviews
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