Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda | Romeo Dallaire
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Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda
Romeo Dallaire
Zu Klampen
, 2008 - 651 Seiten
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Handschlag mit dem Teufel?
Die vorliegende Darstellung des Genozids in
Ruanda
will dem Leser keine umfassende fachwissenschaftliche Analyse der Geschehnisse des Jahres 1994 geben, sie ist vielmehr so angelegt, dem Leser eine persönlichere und facettenreichere Sichtweise zu bieten und sticht damit eindeutig aus dem Kanon themengleicher Werke heraus. Der Autor selbst kritisiert an anderen Ausarbeitungen das Fehlen von Geräuschen, Gerüchen, Verheerungen und Szenen der Unmenschlichkeit (S. 11) und grenzt sich mit seiner Geschichte des Jahres 1994 bewusst von ihnen ab, ohne ihnen jedoch ihre fachliche Kompetenz und wichtige Rolle bei der Aufarbeitung abzusprechen. Schließlich hat man das beklemmende Gefühl, Dallaire, der als kanadischer Kommandeur der UNAMIR Mission (The United Nations Assistance Mission for Rwanda) in Ruanda von Oktober 1993 bis Oktober 1994 eingesetzt war, schafft dies an vielen Stellen des Buches auch. Für ihn ganz persönlich hat das Aufschreiben der schrecklichen Bilder eher einen verarbeitenden Charakter, denn letztlich musste er das Militär aufgrund dieser Erlebnisse aus psychischen Gründen verlassen. Dieser verarbeitende Charakter zeigt sich bei der Betrachtung seiner Quellengrundlage recht deutlich. Dallaire stützt sich bei der Beschreibung nahezu ausschließlich auf seine eigenen Erfahrungen und ergänzt diese an einigen Stellen mit offiziellen UN-Dokumenten (Bsp. S. 276) und persönlichen Nachrichten (Bsp. S. 288), aus denen er an geeigneter Stelle zitiert. Die kanadische Originalausgabe erschien erstmals 2003 unter dem Titel Shake Hands with the Devil" und liegt dem deutschen Leser als Übersetzung mittlerweile in der 2. Auflage vor.
Das Buch gliedert sich im Wesentlichen in 15 einzelne Kapitel, wobei Dallaire mit dem ersten Kapitel seine Person autobiografisch einführt und dem Leser klar wird, dass es sich bei Roméo Dallaire um einen exemplarischen Soldaten handelt, der ihm auferlegte Aufgaben mit all seiner Kraft und all seinem Können bewältigt. Kapitel zwei und drei befassen sich direkt mit den Vorbereitungen der Mission UNAMIR und dem Kennenlernen Ruandas. In Kapitel vier bis neun versucht Dallaire dem Leser tagebuchartig einen Einblick in die Vorgeschichte des Genozids zu geben. Dies beginnt mit der Beschreibung der komplizierten militärischen Verhältnisse der Region, der Planung der UN-Truppenstärke und Erstellung eines Missionsplans (Kap. 4). Dallaire beschreibt dem Leser im folgenden Verlauf die einzelnen Phasen des Mandats (S. 119) und berichtet an mehreren Stellen des Buches über den unbegreifbaren UNO-Bürokratismus und die daraus resultierenden Schwierigkeiten (S. 132, 170, 204, 242 ff., 261), die seinem eigentlichen Ziel, der Umsetzung des Arusha Abkommens (Beschreibung des Abkommens, S. 167) und der Bildung einer Übergangsregierung, stets im Wege stehen.
Das zehnte Kapitel beinhaltet die Schilderung des eigentlichen Beginns des
Völkermord
s mit dem Anschlag auf das Präsidentenflugzeug Juvénal Habyarimanas, der dabei ums Leben kommt. An der nicht enden wollenden Darstellung schrecklicher Ereignisse, die ihren Beginn an diesem Tag nehmen, wird deutlich, dass dieses Kapitel den Mittelpunkt des Buches bildet und gemeinsam mit dem elften Kapitel ein erschreckendes Bild des Völkermords und den gravierenden Schwierigkeiten der Mission UNAMIR zeichnet.
Letztlich berichtet er in einem weiteren Kapitel von der umstrittenen französischen Invasion Turquoise, die das Ziel hatte eine französisch-frankoafrikanische Koalitionstruppe nach Ruanda zu entsenden und im Interesse der Menschlichkeit den Völkermord zu beenden und humanitäre Hilfe zu leisten (Kap. 14). Dallaire, ein Gegner dieser Taktik, beschreibt weiterhin die Probleme, die sich beispielsweise in einer Flüchtlingswelle in die französische Schutzzone zeigten (S. 515). Des Weiteren widmet er das letzte Kapitel seines Buches dem viel zu späten Eingreifen der internationalen Gemeinschaft, die Hilfestellung erst in der Abschlussphase des Genozids gewährte (Kap. 15).
In seinem Kapitel Schlussbemerkung reflektiert Dallaire schließlich die Geschehnisse, Probleme und Unwägbarkeiten der Mission und versucht begründet Schuldige zu kategorisieren, wozu er in einer ersten Gruppe Ruanda selbst zählt und in einer zweiten Frankreich, was zu spät in den Konflikt eingegriffen und die Völkermörder beschützt hätte sowie die USA, die UNAMIR bagatellisiert hätten (S. 580). Seine eigene Schuld sieht er in seiner mangelnden Überzeugungskraft der UNO gegenüber (S. 581). Ebenfalls in der Schlussbemerkung versucht Dallaire auf mögliche Ursachen einzugehen. Da er diese jedoch mit den tagesaktuellen Terrorismuskampagnen vermengt, wirken seine weltverbesserischen Thesen hier wahrlich deplaziert (S. 587 f.).
Das Buch wird im weiteren Verlauf durch ein sehr umfangreiches Glossar abgerundet, welches die Arbeit mit dem Text wesentlich erleichtert und dem Leser einen schnellen Zugang zu militärischen Fachtermini, regional politischen Abkürzungen und einzelnen Personen gibt (S. 609 ff.). Die geografischen Karten der Region bilden ebenfalls eine lohnende Bereicherung des Buches und helfen dem Leser immer wieder einzelne Stationen der Beschreibung zu verorten (S. 20-22). Dieser übersichtliche Charakter des Buches wird durch eine umfangreiche persönliche Lektüreempfehlung gestützt, in der Dallaire einige Bücher für die vertiefende Erschließung einzelner Aspekte vorstellt (S. 631 ff.).
Dallaire beherrscht den prägnant auf den Punkt kommenden militärischen Schreibstil eines überzeugten Soldaten, der dem Leser nach kurzer Eingewöhnung keine Schwierigkeiten bereitet, ihn jedoch immer wieder mit erschreckend plastischen Bildern konfrontiert. Doch genau dies wollte Dallaire erreichen und erfüllt somit seine eigenen Erwartungen an dieses Buch. Der Leser gewinnt an Vorstellungskraft des Unfassbaren, was die Lektüre des Buches teilweise erschwert, da man stets mit der Aufarbeitung der Erkenntnisse zu kämpfen hat. Empfehlenswert ist das Buch für jeden thematisch Interessierten, der einen persönlichen Eindruck des Genozids in Ruanda erhalten will und keine fachlich komplexe Ausarbeitung erwartet, da es sich schließlich um Memoirenliteratur handelt. Auch wenn der gewonnene Eindruck der Geschehnisse durch die Beschreibung vieler Details an der einen oder anderen Stelle auszuufern droht und der Leser von der Komplexität übermannt wird, so schafft es Dallaire dennoch dem Leser einen faszinierenden Einblick in sein Leben und eine erschreckende Einsicht in seinen Beruf zu geben, womit der
Handschlag
mit dem
Teufel
für den Leser verständlich und Dallaires Glaube an einen Gott nachvollziehbar wird (S. 19).
Verfasser: Alexander Kottusch
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Lesenswerter Tatsachenbericht
General Dallaire erfährt kurzfristig von seinem geplanten Einsatz in Afrika. Nach kurzem Überlegen sagt er zu und übernimmt das Kommando über die noch zu schaffende UN-Mission für
Ruanda
(UNAMIR; United Nations Assistance Mission for Rwanda). Als Kommandeur eines bunt zusammengewürfelten Kontingents ist er täglich mit den Unwägbarkeiten der ruandischen Politik konfrontiert. Ruanda ist gebeutelt von einem zermürbenden Bürgerkrieg, tatsächlich jedoch kein Krieg zwischen den größten Bevölkerungsgruppen Hutu und Tutsi, sondern zwischen der ruandischen Regierung und einer Rebellenorganisation (RPF; Ruandische Patriotische Front).
Nachdem die RPF stetig Raum gewinnt und schon bald vor den Toren der Hauptstadt Kigali steht, eskaliert die Lage in den unübersichtlichen Stadtteilen. Durch extremistische Radiopropaganda angestachelt, beginnen Bürgermilizen, Sicherheitskräfte und das Militär eine gnadenlose Jagd auf alle Tutsi. Hierbei machen sie sich die von den belgischen Kolonialherren eingeführten Ausweise zunutze und massakrieren Tausende von Bürgern. Die Gewalt ist dermaßen zügellos, dass es den erfahrenen Militärs permanent in den Fingern juckt, durch den fehlenden Handlungswillen der UNO sind ihnen aber die Hände gebunden. Die internationalen Verstrickungen und Rivalitäten innerhalb der UNO verhindern desweiteren ein wirksames und zielgerichtetes Vorgehen gegen die extremistischen Kräfte im Land. Am Ende des Konflikts haben über eine Million Ruander ihr Leben gelassen ...
Bei
Handschlag
mit dem
Teufel
" handelt es sich weniger um eine Biografie, sondern eher um eine Art Dienst-Tagebuch. Man kann den Ausführungen von Dallaire sehr bequem folgen, da es ihm gelingt die groben Zusammenhänge der ruandischen Politik, aber auch das Mikromanagement der UNO auf ein verständliches Maß herunterzubrechen. Die im Text auftretenden Abkürzungen werden stets erklärt und wenn nötig hilft der Übersetzter mit erklärenden Fußnoten weiter.
Wie eingangs erwähnt, kann das vorliegende Buch kein Sachbuch ersetzen, jedoch die bestehende Literatur ergänzen.
Ein gutes Drittel des Textes ist der Zeit vor dem
Völkermord
gewidmet und beleuchtet die komplexen politischen Verhältnisse in Ruanda. Es kann mitunter hilfreich sein, rudimentäre Vorkenntnisse zum Geschehen in Ruanda zu haben, um die vielfach sehr ausführlichen Schilderungen von Dallaire im Gesamtkontext als UN-Truppen-Kommandeur richtig einzuordnen. Aber auch ohne diese Kenntnisse sind die Schilderungen hinreichend aufrüttelnd und können dem Leser den Appetit gehörig verderben.
Das Buch umfasst 651 Seiten und beinhaltet neben den Tagebuchaufzeichnungen auch ein ausführliches Nachwort, Kommentare zur Lage damals und zur gegenwärtigen Situation in der Region, ein gut sortiertes Glossar und weiterführende Lektüreempfehlungen.
Mit diesem sehr umfangreichen Buch erhält der Leser für annähernd 25 Euro einen lesenswerten Tatsachenbericht, dem man nicht nachsagen kann, er wäre leicht verdaulich. Wer sich für den Genozid in Ruanda interessiert, sollte Handschlag mit dem Teufel" in seinem Regal stehen haben.
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Gott hat Afrika verlassen
Es war absulut schockierent was ich in diesen Buch erfuhr. Wie die Menschen von der UNO veraten wurden, von einer Organisation die nach dem 2.Weltkrieg gegründet wurde um so etwas zu verhindern. Ich möchte nicht all zu ins Detail gehen, aber wenn mann sich für die Geschichte dieses Genozids interessiert gibt es meiner Ansicht nur zwei zuverlässiche Bücher: 1. das von Romeo Dallaire und 2. von Paul Rusesabagina. Den nur der da war und dieses Grauen überlebt hat kann davon berichten. Zum Schluß noch ein Zitat von R.Dallaire:"...des Leids, der Verstümmelung, der Vergewaltigung und des Mords an 800.000 Ruander. Dieses Drama konnte nur mit Hilfe der Mitgliedsnationen des bloß scheinbar unparteiischen Weltgremiums namens UNO vollziehen. Geführt von den USA, Frankreich und Großbritannien, unterstützte und ermutigte die UNO letztlich den
Völkermord
in
Ruanda
. Kein Geld, das sie je spenden, keine Hilfe, die sie je aufbringen wird, kann ihre Hände vom ruandischen Blut reinwaschen." Dem ist nichts hinzu zu fügen.
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