Schreiben liegt mir mehr als ein grosses Publikum mit Worten in den Bann zu ziehen. Aber da mir seit dem Erscheinen von ?Tausend und eine Macht? fast so viele Einladungen für Referate ins Haus flattern wie Harry Potter zum Besuch der Zauberschule, habe ich meine rhetorische Weiterbildung wieder auf die ?To-do-Liste? gesetzt. Und daher steckte ich in Übungspausen meine Nase in archivierte Ratgeber und orientierte mich über Neuigkeiten. Titel und Untertitel von Ralf Höllers Beitrag zur Besserung rissen mich weit weniger vom Hocker als die Art und Weise, wie er sein Wissen vermittelt.
50 Mal Rhetorik heisst: 50 Fälle und Lösungsvorschläge. Alle nach dem gleichen Schema aufbereitet, ohne dass die Kost dadurch langweilig würde. Ralf Höller scheint tatsächlich ein Praktiker zu sein. Denn er verzichtet auf pädagogische Zumutungen, besserwisserische Patentrezepte und sinnlose Eingriffe in stabile Verhaltensmuster. Ralf Höllers Weg zu seinen Lesern ist ein ganz anderer. Jeder Fall wird in drei bis fünf Seiten vorgestellt. Eine das Wesentliche auf den Punkt bringende Überschrift ersetzt das Stichwortregister locker. Dann folgt ein Zitat, meist ein bisher wenig bekanntes. Mit einer prägnanten Aussage oder einer kurzen Geschichte veranschaulicht der Autor seinen Lesern den Kern der folgenden Gedanken und Tipps. Wo es der Übersicht dient, fasst Höller mögliche Lösungen in wenigen Worten zusammen. Und nachdem er den Fall mit weiteren Anekdoten und Beispielen nochmals Revue passieren liess, setzt er als Schlusspunkt noch eine Literaturangabe oder einen Link. Dieses Schema zieht er durch, bis Seite 189. Damit hat Ralf Höller bei mir genau die Lücke gefunden, durch die neues Wissen eindringen kann. Denn als Schulgeschädigter bin ich so aversiv auf die gängigen Überzeugungskünste selbsternannter oder amtlich beglaubigter Gurus, dass meine Neuronen Nullleiter werden, wenn sie lebensratgeberischen Bombardements ausgesetzt sind.
Mein Fazit: Auch Ralf Höllers Version eines Rhetorikbuches kann eifriges Üben und praktische Erfahrungen nicht ersetzen. Aber der gewiefte Autor hat es mit seiner lockeren Art geschafft, mich zum Üben einzelner Pflichteinheiten neu zu motivieren. Mehr kann ich nicht einfordern.