Doch dann fand ich die Reihe vom Rolf Schmidt Verlag. Der Umfang dieses Werkes im Vergleich zu anderen mit dem selben Thema mag am Anfang abschrecken, doch der fleißige Leser wird mit Übersichtlichkeit, leicht verständlicher Sprache und einer Vielzahl von Beispielen und Sonder- bzw. Ausnahmefällen belohnt, die sonst nirgendwo auftauchen- außer wahrscheinlich in den Klausuren.
Das Buch liest sich viel besser und damit auch schneller, durch die eher weniger hochtrabende Sprache und trotzdem kann man sich etwas mitnehmen. Mir persönlich geht es oft so, dass ich schwierigere Texte langsamer lesen muss und dann trotzdem nicht jeden Satz verstehe, weil der Autor ihn in tausend Nebensätze gliedern musste.Obwohl von den Professoren als unwissenschaftlich bezeichnet (Skripten im Allgemeinen), finde ich dieses Buch ganz und gar nicht unwissenschaftlich.
Im Großen und Ganzen supergeeignet zur Ergänzung und Vertiefung des behandelten Stoffs. Hilfreich sind vorallem die Beispielfälle, die vom Autor im Gutachtenstil gelöst werden. Auch in Hinblick auf die erste BGB-Klausur super zum wiederholen! Ich kann es jedem "Ersti" nur empfehlen!!
Sodann wird ausführlich der Aufbau einer materiellen Anspruchsklausur dargestellt, was in anderen Büchern zumeist fehlt, weil dies wohl als unwissenschaftlich erachtet wird. Letztlich ist es aber so, dass der Student die Klausuren schreiben muss, nicht der Professor, der den Stoff gerne wissenschaftlich abstrakt und weniger nah an der Klausurrealität darstellen kann.
Nach einem kurzen Kapitel zu Rechtssubjekten und ihrer Rechtsfähigkeit folgt eine sehr detaillierte und umfangreiche Darstellung der Willenserklärung. Dabei werden alle wichtigen Fragen und Streitpunkte aufgegriffen und übersichtlich und ausführlich dargestellt. Sorgfältig werden auch Probleme (wie z.B. das kaufmännische Bestätigungsschreiben uvm.) angesprochen. In einem weiteren Abschnitt wird die Auslegung der Willenserklärungen genau betrachtet.
Sehr detailliert ist sodann die Rechtsgeschäftslehre behandelt. Anders als das bei Larenz/Wolf, Brox oder Medicus der Fall wäre, widmet sich Rolf Schmidt zudem sehr ausführlich dem Zustandekommen von Rechtsgeschäften im Internet und behandelt auch aktuelle Fragen rund um die Verbraucherschutzrechte, die mit der Rechtsgeschäftslehre einhergehen.
Im Anschluss hieran geht es um die Wirksamkeitsvoraussetzungen der im Vorangegangenen beschriebenen Rechtsgeschäfte. Dabei werden ausführlich die Regelungen zur Geschäftsfähigkeit beleuchtet und der besonders examensrelevante Minderjährigenschutz behandelt. Alle wichtigen Streitstände werden dargestellt und die Probleme anhand von Fällen mit ausführlichen Lösungsgesichtspunkten verdeutlicht. Nach dem Minderjährigenrecht folgt eine längere Passage zu den Willensmängeln, die entsprechend ihrer Anordnung im BGB chronologisch behandelt werden, sowie die Darstellung sonstiger rechtshindernder Einwendung wie z.B. die Nichtigkeit des Vertrags wegen Sittenwidrigkeit. Dabei bleibt die Darstellung stets aktuell und klausurnah, da auch Problemkreise, wie z.B. der sittenwidrigen Kauf eines Radarwarngeräts oder familienbezogene Verträge, besprochen werden. Ausführlich wird auch die Stellvertretung mit sehr gut gelungenen Abgrenzungen zu anderen Rechtsinstituten dargestellt. Das Buch schließt mit einer angemessen kurzen Darstellung des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab.
Insofern lässt sich sagen, dass auch das Buch zum BGB AT sehr zu empfehlen ist, da es ? wie oben bereits angesprochen ? stets eng am Prüfungsaufbau bleibt, Übersichten und Beispielsfälle mit Lösung beinhaltet und damit das Erfassen der gesamten Problematik vereinfacht. Mir jedenfalls hat es sehr geholfen und ich habe das Examen ohne Repetitor bestritten.