Dieses Hörbuch ist ein guter Ersatz für die Lektüre des Buches. Denn als Volltextlesung auf vier Cds bietet es den gleichen Inhalt wie die mir vorliegende Textfassung.
Die Stimme des Sprechers Axel Grube klingt nicht so, wie ich es nach dem Hören von dem, von Otto Clemens gesprochenen, Zarathustra erwartete hatte. Während Clemens als Zarathustra kraftvoll und erweckend spricht, brachte Grubes sanfte und monotone Stimme mich anfangs eher zur Müdigkeit. Auch ist die Stimme nicht so klar und erfordert mehr Konzentration, welche die aus der Monotonie stammende Müdigkeit noch fördert. Vielleicht hat Grube auch nur den von Nietzsche im Vorwort zitierten Ausspruch: "Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen, Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt." Es ist dem Werke also vielleicht eine angemessene, gemessene Stimme.
Die Gestaltung des Hörbuches ist sehr ansprechend gelungen - die Cds liegen von Pergament getrennt im Sammet einer massiven zurückhaltenden grauen Schachtel.
Ecce Homo ist eine Abrechnung mit seiner Mutter und Schwester, mit Wagner und all den Menschen, die sein Leben begleitet haben.Liest man eine Biographie ueber Nietzsche, dann erkennt man, dass die Veroeffentlichung von "Ecce Homo" in seine spaete Zeit faellt, in der schon alle Enttaeuschungen des Lebens ihn gepraegt hatten (der Bruch mit Wagner, den er so sehr verehrt hatte, in der gemeinsamen Liebe zu Schopenhauer und in der mystischen Musik, die gescheiterte Liebe zu Lou Salome, was auch seine Schwester mitzuverschulden hatte, auf die Nietzsche aber zeitlebens angewiesen war). Ein zerrissenes Leben hat Nietzsche hinter sich, als er dieses Dokument verfasst, ueberdies gepraegt von immer weiter zunehmenden Kopfschmerzen und Organkrankheiten.
Liest man den Ecce Homo als ein Dokument Nietzsches Enttaeuschung, vielleicht sogar im Rahmen einer Biographie, oder parallel zu einer Biographie ueber Nietzsche (und hier empfehle ich Fischer-Dieskaus herrliches Werk) dann wird Ecce Homo zu einem wertvollen historischen Dokument. Anders aber ist es nur eine bissige Abrechnung mit dem Leben und der Welt.Insofern also, wenn man sein Bild vo Nietzsche vervollkommnen will, ein interessantes Dokument, sonst aber sehr negativ und keinesfalls eine allgemein nuetzliche oder allgemein lebenstaugliche philosophische Abhandlung.