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  Die Vorzüge der Halbinsel: Auf der Suche nach Italien | Dieter Bachmann
 
 
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Die Vorzüge der Halbinsel: Auf der Suche nach Italien
Dieter Bachmann

MAREBUCHVERLAG, 2008 - 256 Seiten

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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Italien war noch nie Dolce far niente

Dieses Buch mag sicher interessant sein gibt aber doch nicht einen Gesamtüberblick über die Geschichte dieses Landes wider!

Während viele Altlinke in der Schweiz dieses Land immer noch als "linken Staat" zu idealisieren versuchen, weil es in den 70er Jahren eine starke linke Bewegung innerhalb der Immigranten gab ist Italien selbst wahrscheinlich das konservativste Land in ganz Europa und die Geburtsnation des Faschismus.

Kein Wunder ist nun ein so starker Rechtsruck entstanden, das muss nun wirklich niemanden überraschen.

Saftige Bussen, weil man gefälschte Artikeln kaufte gehören auch zu einem Urlaub in Italien mittlerweile...

Ein Land zu beurteilen ist wirklich schwierig, man könnte ja dem Autor vorwerfen dass er zuwenig ktitisch war andere würden sagen, dass er nur als Schweizer genüsslich auf die Nachteile dieses Landes aufzeigt um die Schweizerischen Tugenden hervorzuheben!

Eine gute Ergänzung für Italienkenner aber nicht der Wahrheit letzter Schluss!



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Im Land der "Olivenbauerndarsteller"

- Ein sich Wiederfinden in der Fremde -

Italien unser aller Traum: Olivenbäume, Zypressen, Wein und Oleander, immer Sonne, wunderbares Wetter, Kunst und Muse. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht gern die Leichtigkeit des Seins in diesem von der Sonne verwöhnten Landstrich atmet, der den vermeintlich lebendigen Geist Europas und gleichzeitig den der Antike spüren möchte.
Man verfällt sehr leicht dem Charme und der bunten Magie dieses Landes mit den vielen Gesichtern. Bella Italia: so wunderbar, aber gleichzeitig auch so schwierig.
Vorbei mit dolce vita?

Denn was der Urlauber genießt, kann für den, der sich dieses Land zum Wohnsitz erkoren hat, alles andere als romantisch sein. Manchmal ist es gar ein schmerzhafter Zusammenprall, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes Funken schlägt.
Dieter Bachmann hat Italien kennengelernt, besser und anders als es ein Tourist je könnte. Ihm begegnete dort das alte Wunderland - und zugleich eine neue Unvertrautheit, manchmal in einer rigorosen Konfrontation. Für ihn ist die Halbinsel ein Körper, in dessen Landbein sich ein eigener Blutkreislauf zu drehen scheint.

"Lob der Halbinsel! Meer und Festland zugleich, ein Land, und zugleich seine Begrenzung. Land plus Meer, beides reichlich, und manchmal beides nur halb. Man kann, wenn man will, sich als Festländer fühlen. Und wenn dir die andern nicht passen, spielst du Insulaner. Bis du die anderen wieder brauchst. Ein Spiel, ein sehr italienisches Spiel in einem Land, in dem die Geste zählt und nicht immer nur das Ergebnis, das Resultat.", so der Autor.

Bachmann berichtet in einem äußerst amüsanten, witzigen, unterhaltsamen und mit viel Selbstironie verfassten Buch über Erlebnisse, die die alte Zärtlichkeit für dieses Land bekräftigen, aber auch über den Wunsch, den "Stiefel" einfach abzutrennen und ihn wie ein Floß ins Mittelmeer hinaustreiben zu lassen, weit weg vom Festland und Europa: das Floß der Medusa.

In manchmal sehr kurzen, dann auch wieder längeren Geschichten und Essays durchmisst er die Gegenden der Halbinsel - von Nord nach Süd und wieder zurück. Mit unbestechlichem Blick liefert er komische, melancholische, liebevolle, aber auch wütende, vor allem jedoch ungeheuer pointierte Momentaufnahmen von diesem einmaligen Landstreifen im Mittelmeer und seiner neugierigen (Bachmann interpretiert dies als gierig auf alles Neue) Bewohner. Er echauffiert sich - aber immer mit einem selbstironischen Blick - über deren Schlamperei, das ewige Chaos, ihre Sondergenehmigungen und Ausnahmeerlasse, kurz: die ganze italienische Gleichgültigkeit. "Man ist ganz unerschütterlich bei sich selbst.", so Dieter Bachmann.

Wunderbar spielt er mit Worten und Floskeln, den kulturellen Differenzen auf der einen, aber auch der anderen, der nördlich der Alpen gelegenen Seite. Er versucht zu hinterfragen und zu erklären, warum das Miteinander manchmal so schwer ist. Vielleicht ist es "das Fremde in dir, das, was in deinem Schatten verborgen ist, das, was unter dem dir bekannten Teil deines Wesens ruht, das dir dieses nahe Fremde so schwermacht. Es ist vielleicht etwas von dir selbst, das dir in den anderen so fremd erscheint. Entdecke in deinem Schatten den Teil, der dir bisher verborgen war, und du wirst dich wundern, wie sehr gerade dieser Teil zu deiner neuen Umgebung passt.", sagte einmal ein Freund zu ihm. Vielleicht hat er ja Recht?

Fazit:
Bachmann hat einen vorzüglichen "Reiseführer" der ganz besonderen Art geschrieben. Ein Buch, das uns das wirkliche Land zeigt, mit all seinen Schwächen und seiner unprätentiösen Selbstsicherheit. Denn "es ist zweierlei Ding, von einem Land zu schwärmen oder es als Ansässiger alltäglich zu erleben.", so Bachmann. Aber gerade diese Mischung macht es so interessant - ein großartiger Lektüregenuss.


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Schweizerische Sichtweise - nur was für Schweizer?

Als Deutsche ohne Kenntnisse über die schweizerische Perspektive auf Italien konnte ich Vieles nicht nachvollziehen und verstehen. Die bruchstückhafte Erzählweise fördert dies auch nicht gerade. Obwohl ich im Allgemeinen durchaus in der Lage bin, gesellschaftliche und politische Tatbestände zu verstehen, so hat der Autor mich in diesem Falle abgehängt.
Möglicherweise ist dieses Buch für mehr etwas für Schweizer oder Schweizkundige, das obliegt mir nicht zu sagen...


Begegnungen, Beobachtungen und Beurteilungen

Dieter Bachmann gehört zu den Schweizern, die auch wirklich in Italien leben und nicht einfach übers verlängerte Wochenende ihren mit Abgangsentschädigungen aufgekauften Weinberg besuchen. Und dass er aussergewöhnlich gut schreiben kann, beweist ausser diesem Buch auch die Liste der verliehenen Auszeichnungen. Zudem spricht er die Landessprache, begegnet gerne Menschen und hat ein gutes Auge für Details, Gewöhnliches und Skurriles. Dieser Hintergrund machte mich besonders neugierig, wie Dieter Bachmann das Land beschreibt, das viele Jahre meine Heimat war und das ich trotzdem nie ganz verstehen werde.

Während mich Bachmanns Romane weniger ansprachen, las ich seine Essays und Reportagen immer mit grossem Genuss. Denn das scheinen die Textformen zu sein, in denen der ehemalige Direktor des Istituto Svizzero in Rom zur Höchstform aufläuft. "Die Vorzüge der Halbinsel" ist eine sehr gekonnt zusammengestellte Sammlung von Beobachtungen und Begegnungen. Und da die literarischen Sprachbilder einige Jahrzehnte umfassen, erfährt der Leser ganz nebenbei, wie sehr sich die Halbinsel und ihre Bewohner veränderten. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren hat Dieter Bachmann nicht den verklärten Blick sonnenhungriger Dolce Vita-Liebhaber. Bachmann urteilt und verurteilt auch. Aber er packt seine Bewertungen so geschickt in Geschichten ein, dass sie nie nach moralischer Besserwisserei klingen. Das ist eine der vielen Qualitäten dieses Buches.

Mein Fazit: Wer tatsächlich mehr über das Land erfahren möchte, in dem ausser Zitronen noch ganz andere Dinge blühen, sollte Dieter Bachmanns Geschichten zuhören. Sie haben literarische Qualität, sind spannend, traurig, fröhlich, unterhaltsam und sehr menschlich. Ein Buch, das auf Anhieb zu meinen Favoriten in der Italienabteilung gehört.



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