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Kinderreport Deutschland 2007: Daten, Fakten, Hintergründe

Velber im Oz, 2007 - 220 Seiten

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Vorzüglichen Ausführungen zum Thema Kinderarmut

Die einzelnen Beiträge sind zum Teil sehr spezifisch angelegt, zum Teil basieren sie auf einem breiten Themenspektrum. So ergibt sich für den Leser ein differenzierter Blick auf die Lage wirtschaftlich - und folglich auch in anderer Hinsicht - armer Kinder in Deutschland.
Man findet die deutsche Situation im internationalen Vergleich ebenso vor wie Vergleiche der Bundesländer, wobei meistens Plätze vergeben werden, sodass sich nicht erkennen lässt, wie signifikant die jeweiligen Abweichungen tatsächlich sind.
Sehr klar geht indes aus etlichen Berichten hervor, dass finanzielle Benachteiligung recht eng mit einem Defizit an Bildung und Lebensqualität (Gesundheit, Ausstattung und Umgang mit neuen Medien und so weiter) korreliert. Eine enge Verzahnung von geringen Einkünften und Bildungsstand der Eltern führt ganz offensichtlich zu einer Fortpflanzung dieser Mängel in die nächste Generation, wie entsprechende Untersuchungen zeigen. Gerade bei der Gesundheit ist zu beachten, dass für einen Hartz-IV-Empfänger, der mit seinem Kind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt und zurück fahren muss, pro Arztbesuch rund zehn Euro zu veranschlagen sind, die nicht erstattet werden: viel Geld für viele zu viel!
Kinder mit Migrationshintergrund sind relativ zu deutschstämmigen unter armen Kindern besonders häufig anzutreffen. Hier ergeben sich besondere Schwierigkeiten, die oft auf mangelnden Sprachkenntnissen beruhen. Auch auf diese Situation gehen viele Beiträge ein. Im letzten Kapitel kommen Anregungen und Lösungsvorschläge zur Sprache.

Besonders interessant am Kinderreport 2007 ist die Einbindung einiger Projekte und Initiativen, die armen, sozial benachteiligten Kindern helfen, teils ganz unmittelbar durch warme, gesunde Mahlzeiten, teils durch aktive Förderung im schulischen, sprachlichen, sozialen und Freizeitbereich. Dies verleiht dem ansonsten auf Faktenvermittlung ausgelegten Buch Leben und zeigt, wie Erfolg versprechende Ansätze aussehen können. Von großem Interesse sind auch die Ausführungen, die belegen, wie das Steuersystem in Deutschland Familien massiv benachteiligt.
Vor allem macht der Kinderreport deutlich, wie Armut, insbesondere längerfristige finanzielle Minderausstattung, bei Kindern zu weit reichenden und nachhaltigen Defiziten in den unterschiedlichsten Bereichen führt. So sehen arme Kinder überdurchschnittlich viel fern, während Kinder aus Familien mit Durchschnitts- und höheren Einkommen eher das Internet nutzen. Bestürzend sind auch die geschilderten Sachverhalte bezüglich der Gesundheit armer Kinder, die nicht nur aufgrund von exponierten Wohnlagen oft großer Lärmbelastung ausgesetzt sind, sondern auch weniger oft den Arzt besuchen, minderwertig ernährt werden und signifikant häufiger an Karies leiden.
Weitere Probleme wie das ohnehin schlecht auf Jungen zugeschnittene Bildungssystem und die schlechten Chancen von Migrantenkindern finden ebenfalls Erwähnung, werden zum Teil auch ausgiebig thematisiert. Was in den meisten Beiträgen bezüglich der schulischen Benachteiligung armer Kinder, jedoch auch in puncto Ernährung fehlt, ist ein Hinweis auf die Wichtigkeit zur Aufklärung der Eltern, ohne deren Mithilfe und Unterstützung sich kaum etwas erreichen lässt.
Über die aktuelle Situation armer Kinder in Deutschland, ihre Perspektiven und die Hintergründe der zunehmenden Kinderarmut kann man sich in diesem Buch vorzüglich informieren. Was fehlt, sind Ausführungen zu den zweifellos ebenfalls vorhandenen und keinesfalls vor, wenn auch zum Teil anders gearteten, Problemen gefeiten Kindern des Durchschnittsverdieners, des Mittelstandes: Zählen sie eigentlich nicht?
Die sehr gute Bewertung des Buchs bezieht sich somit auf die vorzüglichen Ausführungen zur Kinderarmut, die grundsätzlich jeden Bürger angeht. Eine Abschätzung der Situation und der Perspektiven aller Kinder in Deutschland bietet das Buch keineswegs.


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