Ab Sechzig leb ich anders, als ihr denkt: Wie wir Frauen ein neues Jahrzehnt entdecken | Ursula Richter
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ab sechzig leb ich a...
Ab Sechzig leb ich anders, als ihr denkt: Wie wir Frauen ein neues Jahrzehnt entdecken
Ursula Richter
Pendo Verlag
, 2008 - 240 Seiten
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Ein Buch, was meinen Blickwinkel völlig verändert und mir Mut für die Zukunft macht
Ich bin glücklich, dass ich dieses Buch von Ursula Richter jetzt mit Vierzig entdeckt habe, denn es macht mir Mut für meine Zukunft und es ist unheimlich interessant zu lesen.
Wie
war das eigentlich damals, in den 60ern und 70ern als die Autorin jung war, mit den Studentenunruhen, der wilden Musik, den Eltern, die fast alle aus dem Krieg von irgendwoher vertrieben worden sind? Ich fand es unheimlich interessant diese Abschnitte in dem Buch zu lesen und in diese Zeit abzutauchen. Sie helfen mir auch, besser zu verstehen, wie meine Eltern aufgewachsen sind oder warum meine eigene Mutter sich in der Rolle befindet, in der sie heute
leb
t.
Aber es geht noch um viel mehr in dem Buch, denn es werden Antworten auf viele Fragen gegeben: Wie ist es einen alternden Körper zu haben, was macht das mit einem und wie wird man von der Gesellschaft gesehen? Schickt es sich als alterndes Paar noch wie ein verliebtes Paar miteinander umzugehen oder darf man solche Gefühle dann nicht mehr zeigen? Wird das von anderen als peinlich empfunden? Zu dem Statement in dem Buch habe ich als vierzig Jahre alte Frau übrigens ein ganz anderes Bild: Ich freue mich, wenn ich noch ältere Paare sehe, bei denen man merkt, dass sie noch verliebt sind. Ich finde das nicht peinlich, sondern unheimlich anrührend und genauso möchte ich mit einem Mann zusammen alt werden.
Wie ist das, wenn man nicht mehr so viel kämpfen mag, wie in der Jugend, weil man altert und ruhiger wird und sich der Blickwinkel verändert? Wie ist es, eine alte Frau zu sein? Was wird von einer alten Frau erwartet? Darf man noch selbständig sein oder nicht mehr? Wie geht man mit dem Tod um oder damit im Alter nicht mehr selbstbestimmt leben zu können? Und wie geht man damit um, dass mit zunehmendem Alter die Zeit immer schneller vergeht? Wie ist es mit der Liebe und mit Sex im Alter? Geht man mit den Enkelkindern
anders
um, als mit den eigenen Kindern? Wie lange darf man in seinem Beruf arbeiten, wie sehen
Frauen
den Ruhestand und was macht man dann noch? Engagiert man sich dann auch noch und wenn ja, wofür? Und wie fühlt sich das an, wenn es keinen Anspruch mehr auf Vergütung der Leistung gibt, weil man voraussetzt, dass die Rentnerinnen trotz ihrer Kenntnissen und der Erfahrung, ehrenamtlich für gewisse Organisationen arbeiten. In wieweit greift da die objektive Wertschätzung noch?
Schön fand ich auch, dass Musik für Frau Richter immer noch wichtig ist und das sie, auch in ihrem Alter, immer noch auf Pop- und Rockkonzerte geht. Ich finde das macht Mut und auch man selber sollte Musiker oder Besucher eines Konzertes nicht mehr nach dem Alter beurteilen. Mir wird nach dem Lesen dieses Buches nie wieder über die Lippen kommen, wann irgendwelche Musiker denn nun mal meinen, endlich mal von der Bühne zu treten, weil sie doch langsam zu alt wären. Man sollte wirklich lernen, mit dem Alter anders umzugehen und genau das lehrt uns dieses Buch. Berührt haben mich auch die vielen Geschichten von anderen Menschen in ihrem Buch, wie z.B. der Frau, die mit 60 Jahren noch heiratet oder der Frau, die plötzlich Witwe geworden ist, ihren Mann zwar über alles geliebt hat, aber dennoch nicht verzweifelt und das Leben weiterhin liebt. Auch das Kapitel über die Freundschaft hat mich sehr berührt. So schreibt die Autorin z.B.: "Freundschaft ist nicht zuletzt eine freiwillige Gemeinschaft, die nicht die Pflicht zur Solidarität prägt, wie dies beispielsweise auf die Familie zutrifft. Sie ist eine wechselseitige Anerkennung und Gleichwertigkeit. Und auch wenn unsere Lebenseinstellungen nicht immer deckungsgleich sind, hegen wir Verständnis und Respekt füreinander und haben das Gefühl, für unsere Ansichten und unsere Person Wertschätzung zu erfahren."
Dieses Buch hat meinen Blickwinkel verändert und mir gezeigt, was eigentlich wirklich wichtig ist im Leben und vor allem, dass es immer möglich ist, und zwar völlig los gelöst vom Alter, sich seine Träume zu verwirklichen. Ich kann dieses Buch allen Frauen und Männern aller Altersstufen empfehlen und ich würde mir wünschen, in zwanzig Jahren nochmal ein Buch von Frau Richter über die achtzig jährigen Frauen zu lesen.
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Eien Komposition, eine Verdichtung der Motive, eine Feldforschung
"Tatsächlich ist das
Leb
en ab
Sechzig
eine Komposition. Eine Verdichtung
der Motive, die uns schon in der Vergangenheit bewegten,
die wir durchlitten und durchlebten und erfahren haben, verwoben
mit denjenigen, die wir als unsere Zukunft ahnen, die wir
mit Mut erhoffen und mit Ängsten berühren. Sie alle sind es, zusammengefügt, die unser Leben heute zum Klingen bringen, auf
eine Weise,
wie
sie typisch ist für die Generation der
Frauen
, die
gegenwärtig in ihrem sechsten Lebens
jahrzehnt
sind. Sechzig
Jahre stehen immer für Menschen, die ins Alter eintreten. Und
das trifft Frauen
anders
als Männer."
Das Vorwort beschreibt sehr gut, was das Buch leistet. Es ist eine Komposition, eine Verdichtung der Motive aus 60 und mehr Lebensjahren. Eine spannende Entdeckungsreise der Autorin in die heutige Generation 60+, die sich zwischen der Erinnerung an die gelebten Werte der 68er und dem Erleben des eigenen Alters neu
entdecken
kann und muss. Es ist eine Feldforschung der besonderen Art, eine Erkundung, die weniger vorgefertigten Klischees übers Alter folgt (denn die Altersforschung hat diese Zwischengeneration ohnehin nur bedingt erfasst) als einem genauen Hinhören voller Sympathie. Ein Buch also, das einlädt zur Identifikation -obwohl oder vielleicht gerade auch, weil es auf ein allzu rosiges Bild des Alterns verzichtet und neben den Erfolgen und Freiheiten auch die Misserfolge, Niederlagen und Ängste benennt. Es ist ein wunderbares Buch, ein Rückblick und ein Ausblick, mit autobiografischen und generationsbiografischen Geschichten vom Älter werden, erzählerisch, kritisch, liebevoll, poetisch - ein Buch, das die Klischees zum Alter(n) zurechtrückt.
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Ungewöhnlicher, unterhaltsam-intelligenter Rückblick auf die Träume der Nachkriegsgeneration und ihre Verwirklichung heute
Frau Richters Buch zieht einen mit den ersten Sätzen schon in den Bann, indem es Fragen stellt und sie auf ungewöhnliche Weise beantwortet. Wobei diese Fragen dann immer weiter hineinführen in Zusammenhänge, die wir heute intensiv überdenken, sowohl die jüngere als auch die ältere Generation. Auf diese Frage findet die Autorin Antworten, die
leb
endig, herausfordernd und oft auch sehr persönlich sind, denn sie schreibt aus der Perspektive einer Frau, die schon immer versuchte, Grenzen und Konventionen zu hinterfragen und sie ggf. auch zu sprengen. Ihre teilweise turbulente, länder- und kontinenteübergreifende Lebensgeschichte, die neben der anderer
Frauen
aus ihrer Generation erzählt wird, beweist, dass sie das auch geschafft hat. Ich habe mich in vielen Argumenten, Erinnerungen und Beschreibung
wie
dererkannt, die ich so noch nicht angestellt hatte, und kann dieses Buch allen Frauen und übrigens sehr wohl auch Männern empfehlen, die sich mit der Geschichte ihrer Generation und ihren eigenen Erfahrungen auf unterhaltsame, spannende und inspirierende Weise beschäftigen möchten!
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