Die Geschichten spielen in Berlin. Ohne Zweifel: Manche Wenderoth'schen Helden und Grüppchen sind nur hier denkbar: Die ehemaligen DDR-Diplomaten, der Club der Ost-West-vereinten Modellbastler. Aber die anderen? Die Leute aus dem Selbstmörder-Hochhaus, der Golfbesitzer mit den 200 PS, die gibt es auch in Stuttgart oder Fallingbostel. Und von der Mutti, die in Berliner Puffs die Brötchen verkauft, hat Hamburg wahrscheinlich ein paar schrägere Varianten zu bieten.
Einen wirklich Besessenen wie den New Yorker Fremdenführer im Doku-Film The Cruise, finden Sie weder im realen Berlin noch in Wenderoths Buch: Wir sind ja so harmlos! Lesen Sie. Machen Sie die beruhigende Entdeckung: Die Berliner sind wie die Dortmunder. Treiben merkwürdige Dinge, leben blöde Obsessionen aus. Berlin ist banal. Liebt uns endlich!
Nachbemerkung und Extralob: Kommt es bei Büchern eigentlich auf den Inhalt an? Sicher, ja, doch. Aber bevor man das kleinste Stückchen Inhalt zu sehen kriegt, muss man sie aufschlagen. Oft unerwartet schwer: zu breit, zu groß, zu schlabbrig, zu was weiß ich. Die Picus Reportagen dagegen liegen schlank in der Hand, passen in die Tasche und fallen auch nach der dritten Fahrt auf der Linie 1 garantiert nicht auseinander. Bravo! --Michael Winteroll