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  Warum sie so seltsam sind: Gehirnentwicklung bei Teenagern | Barbara Strauch
 
 
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Warum sie so seltsam sind: Gehirnentwicklung bei Teenagern
Barbara Strauch

Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 2004 - 335 Seiten

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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Die Nachricht des Buches ist durchaus neu und interessant. Die hergebrachte Lehrmeinung, der physiologische Teil der Gehirnentwicklung sei nach den ersten drei Lebensjahren abgeschlossen, gerät ins Wanken. Im Gehirn von 13- bis 18-Jährigen herrscht jugendlicher Überschwang, im Wortsinn. Neue Nervenzellen werden in so großer Menge produziert, dass mit den neuen Bild gebenden Verfahren an einzelnen Stellen des Gehirns eine beträchtliche Volumenzunahme sichtbar wird. Aber das ist erst die Vorbereitung. Der eigentliche Reifungsprozess findet statt, indem von den vielen Nervenzellen nur die "richtig verschalteten" übrig bleiben und alle anderen zu Grunde gehen. In der Zwischenzeit ist das entsprechende Gehirnareal eine große Baustelle. Kein Wunder, dass Teenager so seltsam sind.

Die Befunde sind neu, weil die Bild gebenden Verfahren neu sind. Die klassische Alternative, das Sezieren von Gehirnen, brachte kaum Aufschlüsse, weil in dieser Altersgruppe wenig Leute sterben, sodass nicht genug aussagekräftiges Material zur Verfügung steht. Die Ergebnisse passen auch einigermaßen zu den Aktivitäten des Gehirns, die man von außen beobachten kann. So findet die für die Reifung charakteristische Auslese von Nervenzellen im Stirnlappen, der als für moralische Urteile zuständig gilt, just um die Zeit statt, in der die moralische Einstellung des Jugendlichen sich zu festigen pflegt.

Die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Barbara Strauch ist durch das ganze Land gereist und hat die Entdecker dieser Neuigkeiten, allen voran den Hirnforscher Jay Giedd aus Washington, ausgiebig ausgefragt. Eigentlich hätte sie eine spannende Geschichte zu erzählen.

Aber es gibt ja angeblich die amerikanische Journalistenregel, man solle den Leuten möglichst alles dreimal sagen. Strauch verwässert ihren eigentlich schmackhaften Brei, indem sie diese Regel bis zum Exzess befolgt. Wörtliche Zitate klingen über weite Strecken, als hätte Strauch die Worte so niedergeschrieben, wie sie spontan und unsortiert dem Munde der großen Geister entströmten.

Außerdem versucht sie mit einiger Gewalt den Leser glauben zu machen, mithilfe der wissenschaftlichen Ergebnisse könne er mit seinen pubertierenden Kindern besser zu Rande kommen. Schon recht, dann ist eben nicht der Überschuss an Geschlechtshormonen, sondern der im Umbau befindliche Stirnlappen Ursache eines Verhaltens, das den Eltern auf die Nerven geht oder ihnen schlaflose Nächte bereitet. Aber hilft dieser wissenschaftliche Erkenntnisgewinn gegen schlaflose Nächte? Eben nicht, denn direkt eingreifen kann und sollte man ins Gehirn ebenso wenig wie in den Hormonhaushalt.

Schließlich erweist die Autorin ihrem erklärten Ziel -- Verständnis für die wilden Jugendlichen -- einen Bärendienst, indem sie die Helden ihres Buches bei jeder Gelegenheit als exotische Monster hinstellt. Mit starken Worten versucht sie jene Mischung aus Bewunderung und Abscheu zu erwecken, die eher zu Berichten über den sibirischen Tiger oder den weißen Hai passt. Was für ein Unfug. Wenn ich meine Kinder besser verstehen will, sollte ich nicht nach dem Verrückten in ihnen suchen -- das es zweifellos gibt --, sondern nach dem Vertrauten.

Und das findet man in dem Buch mühelos, wenn auch unter dem Etikett "verrückt". Bis zum Mittag im Bett bleiben; von mehreren Aufträgen alle bis auf höchstens einen vergessen; von einem Moment auf den anderen die Stimmung wechseln; den nächsten greifbaren Menschen als Ursache allen Übels beschimpfen; trinken oder kiffen bis zum Vollrausch; nicht zu vergessen den Überschwang der Hormone, das sollte man sich ja alles abgewöhnen, wenn man erwachsen wird. Aber Hand aufs Herz, ihr Erwachsenen: Tut doch nicht so, als sei euch das vollkommen zuwider. --Christoph Pöppe


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Viel Verständnis - Wenig Konkretes

Erstmal: das Buch ist lesenswert - aber wenn die Autorin weniger oft Geschichten eingefügt hätte, die nochmal und nochmal und nochmal das Problem verdeutlichen, dann wäre es kürzer und prägnanter geworden. Fazit: währdend der Pubertät passieren nachweislich Veränderungen im Gehirn, die die Handlungsweisen der pubertären Jungendlichen erklärbar machen. Das ist gut beschrieben, aber eben zuviel Beiwerk. Lösungen bietet das Buch nicht direkt. Ausser natürlich: mehr Verständnis für das Warum. Wer es kürzer mag: http://www.terrapie.de/html/pubertat.html



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empfehlenswertes Sachbuch

Barbara Strauch beschreibt in Ihrem lesenswerten Buch, die neusten Erkenntnise aus der Hirnforschung über Kinder und Jugendliche. Anschaulich wird die Entwicklung und der Umbruch des Gehirns bei Jugendlichen beschrieben. Wer weiß schon, daß erst durch die Vervollkommung der Vorderhirnrinde verantwortungsvolles Verhalten und Rücksichtnahme geprägt wird. Das Buch ist amüsant geschrieben und zeigt in einfachen Beispielen für mich verblüffende Zusammenhänge zwischen Hirnaktivität (oder auch nicht) und Verhalten. Das Buch ist zwar stark auf die USA und deren Jugendkultur bezogen, doch gibt es viele Analogien zu Deutschland, da hätte auch die Übersetzung keinen Lokalkolorit einflechten müssen. Insgesamt sehr empfehlenswert.


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WORUM GEHT ES?

Noch vor wenigen Jahren glaubte man, dass die Hirnentwicklung im Kleinkindalter abgeschlossen sei. Inzwischen haben Langzeit Gehirnscan-Untersuchungen ergeben, dass das Gehirn von Teenagern eine "einzige große Baustelle" ist. Es erlebt einen Wachstumsschub insbesondere in den Stirnlappen, d.h. komplexere Funktionen des präfrontalen Kortex wie Zügelung von Impulsen, Vernunft, Motivation und Urteilsvermögen entwickeln sich erst während der Jugend und der ersten Erwachsenenjahre. Diese Erkenntnisse helfen zu verstehen, warum Teenager sich so unvernünftig verhalten, gefährliche Abenteuer eingehen oder sich Schreigefechte mit ihren Eltern liefern. Sie weisen auch darauf hin, dass das menschliche Hirn in dieser Umbauphase labil ist und legale wie illegale Drogen ungemein größere Gefahren für die Entwicklung darstellen als bei Erwachsenen. Und es gibt die tröstliche Erkenntnis (die ist allerdings nicht neu!): Mit der Zeit wächst sich das dann aus...
WER IST DIE AUTORIN?
Barbara Strauch hat zwei Töchter im Teenageralter und arbeitet als Wissenschaftsredakteurin der New York Times.
WIE IST ES GEMACHT?
Ich hatte beim Lesen den Verdacht, dass B. Strauch ihre zahlreichen Artikel aus der NY-Times zu einem Buch zusammengerührt hat - denn gewisse Redundanzen fallen häufig störend auf. Es fehlt auch ein durchgehender roter Faden: Immer wieder wird von neuem angesetzt mit konkreten Geschichten von irgendwelchen Durchgeknallheiter bestimmter Jugendlicher. Und außerdem hat man in den USA, wo es z.B. in vielen Staaten kein eigenes Jugendstrafrecht gibt, ein wenig andere Probleme als in Europa. Trotz dieser Einschränkungen handelt es sich um ein ungemein wichtiges, erkenntnisbringendes Buch, das gut verständlich geschrieben ist und allen, die beruflich oder privat mit Jugendlichen oder Heranwachsenden zu tun haben, nur dringend ans Herz gelegt werden kann.
DER ERSTE SATZ:
Teenager. Gehirn. Teenager. Gehirn. Ich gebe zu: Die Worte klingen eher nach einem Widerspruch, als dass sie zusammenpassten.


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Teenager ticken anders

?Wenn der vordere Teil des Gehirns, dieser präfrontale Kortex, im hohen Alter zunehmend verfällt, was passiert dann? Alte Männer grabschen im Pflegeheim nach den Krankenschwestern." Diese Passage kann man lustig oder deplaziert finden. Aber Barbara Strauch bemüht sich wenigstens, eine so komplexe Materie wir die Neurologie auf vorstellbare Bilder und Geschichten zu reduzieren. Und meist gelingt ihr dies hervorragend. Sei es, indem sie selber Analogien bildet und Assoziationen knüpft, sei es durch die Einbindung von Zitaten anderer Autoren.

Doch Gegenstand dieses Buches sind nicht die Alten, sondern die Jungen, genauer gesagt die Pubertierenden, die Teenager. Seit der bekannte Neurologe die Pubertät als eine der prägenden Lebensabschnitte für die Bildung persönlicher Verhaltensmuster bezeichnete, werden die Teenager auch neurologisch begutachtet. Dass Gerhard Roth im Literaturverzeichnis fehlt ist mehr als eine Unterlassungssünde. Es zeigt eben einmal mehr, dass der alte Kontinent für Amerikaner nicht als Ort der Erkenntnis gilt. Wenn auf dem Klappentext also steht, hier würden die neusten Erkenntnisse der Gehirnwissenschaft in leicht verständlichen Häppchen präsentiert, stimmt dies nur bedingt. Und viele der beispielhaften Geschichten zu Veranschaulichung müssen von der europäischen Leserschaft durch örtliche Varianten ergänzt werden. Eine Übersetzungsleistung, die mir allerdings zumutbar scheint. Denn die Gehirne der amerikanischen Teenager funktionieren prinzipiell nicht anders als die ihrer Altersgenossen jenseits des grossen Wassers.

Faktum ist, dass viele Eltern den Kapriolen ihrer heranwachsenden Sprösslinge gelassener gegenüber stehen können, wenn sie von der Normalität solcher Verhalten wissen. Ob dieses Wissen aber nicht die Loslösung von den Eltern erschweren kann, steht auf einem anderen Blatt. Faktum ist auch, dass das pubertierende Gehirn eine einzige Baustelle ist, deren Besichtigung sich absolut lohnt. Und Barbara Strauch liefert uns einen Lageplan, der ziemlich genau ist und uns die Orientierung erlaubt. Dass das Ganze so praxisnah daherkommt, ist sicher auch das Verdienst der beiden Töchter, die mit ihren Freundinnen und Freunden zusammen der Autorin eine Fülle von Anschauungsmaterial lieferten. Für mich eines der besten Bücher zum Thema, was allerdings mangels Konkurrenz noch kein Verdienst ist. Die Leistung der Autorin liegt in der unterhaltsamen Präsentation schwer verständlicher und immer wieder überraschender Zusammenhänge.


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