Kind 44 | Tom Rob Smith
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kind 44
Kind 44
Tom Rob Smith
Dumont Buchverlag
, 2008 - 512 Seiten
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Kauftipp
Ein Thriller-Highlight des Jahres 2008
Kurz vor Stalins Tod im Winter des Jahres 1953. Eine übel zugerichtete
Kind
erleiche wird auf den Moskauer Bahngleisen gefunden. Der Vater des Jungen wendet sich mit seinem Mordverdacht an seinen Vorgesetzten, den ehemaligen Kriegshelden und Geheimdienstler Leo. In einem Staat, in dem per Definiton alle glücklich und zufrieden sind, gibt es allerdings keinen Grund für einen Mord und demnach auch kein Verbrechen. So beschwichtigt der linientreue Vorzeigeoffizier seinen Kollegen und dessen Familie mit Platitüden und lässt die Ermittlungen im bürokratischen Niemandsland versickern. Erst als seine eigene Glaubwürdigkeit angezweifelt wird und er selbst ins Fadenkreuz interner Ermittlungen gerät, wird ihm das Ausmaß von Stalins diktatorischer Herrschaft klar. Leos Frau wird der Spionage angeklagt und da er sich weigert, diese Anschuldigung zu unterstützen, wird er degradiert und auf einen Milizposten in der Provinz versetzt. Dort wird er wiederum mit einem ganz ähnlichen Verbrechen an einem Kind konfrontiert. Unter schwierigsten Bedingungen, immer in der Angst, entdeckt und verraten zu werden, führt Leo nun seine eigenen Ermittlungen durch. "Kind 44", dessen Mordfall auf der realen Geschichte vom russischen Massenmörder Andrei Romanowitsch Tschikatilo basiert, ist nur vordergründig ein waschechter Thriller. Seine Spannung bezieht das Buch nämlich in erster Linie nicht durch die literarischen Elemente des Genres, sondern durch seine eindringlichen und glaubwürdigen Schilderungen einer vollkommen mundtot gemachten Gesellschaft, die von einem verkommenen, perversen und grausamen Bespitzelungssystem beherrscht wird. In einem Land, wo jeder wegen nichtigster Gründe hingerichtet oder zu lebenslänglicher Zwangsarbeit im Gulag verurteilt werden kann, verwischen die Grenzen zwischen gut und böse, couragiert und lebensmüde, normal und wahnsinnig. Tom Rob Smith schildert dabei eine ganze Reihe von Brutalitäten, wobei man allerdings nie den Eindruck erhält, dies geschehe aus Gründen der voyeuristischen Effekthascherei, wie es bei modernen Thrillern mittlerweile desöfteren der Fall ist. Das packende, das erschütternde, ist die Tatsache, das Smith die politischen Umstände in der Stalin-Zeit realistisch wiedergibt. Und das lässt den Leser das Ganze auch so schwer verkraften. Der ein oder andere wird anprangern, das die Hauptfigur Leo im weiteren Verlauf eine Wandlung zum Regimegegner vollzieht. Ich persönlich habe das begrüßt, denn diese Kehrtwende ist das einzig tröstliche an diesem Buch, das sonst in erster Linie nur nachdenklich macht. Die eigentliche Krimihandlung kann dieses hohe Niveau leider nicht durchgehend halten. Einige logische Fehler und der vor allem zu Beginn nur träge in Gang kommende Plot, werfen dem Spannungsaufbau eine paar Stöcke zwischen die Beine. Auch das Ende gerät leider arg vorhersehbar und etwas kitschig. Insgesamt ist "Kind 44" aber ohne Zweifel eines der Thriller-Highlights dieses Jahres, das neben der eigentlichen Story zum Mitfiebern eine zweite, tiefgründigere Ebene hat, die sehr anschaulich und eindringlich einen Blick auf eine der düstersten Epochen der russischen Geschichte wirft. Auf weitere Werke aus Smiths Feder darf gespannt gewartet werden!
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Trotz Schwächen empfehlenswert!
Ein Buch voller Unglaubwürdigkeiten und seltsam konstruierten Zufällen.
Auch die Motivation des Täters scheint vollkommen übertrieben, ebenso das Engagement desjenigen, der den Täter überführen will, obwohl er ja gar nicht weiß, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Die Auflösung kann man als genial bezeichnen, aber auch als haarsträubend lächerlich. Beides ist je nach Empfinden des Lesers wohl richtig. Schon allein dieser Punkt sorgt dafür, dass sich die Geister hier scheiden müssen.
Und dennoch: Man ist (auch aufgrund der klaren Sprache und Ausdrucksweise des Autors) mit Haut und Haaren dabei und immer gespannt, was wohl das Schicksal mit den Protagonisten vorhat.
Entgegen der Meinung vieler anderer Rezensenten werde ich dieses Buch unbedingt weiter empfehlen.
Dieses Buch ist einfach nicht mit anderen vergleichbar und daher (wie ich meine) im positiven Sinne einzigartig.
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Kind 44
Habe das Bch für meinen Mann gekauft, da er nur spannende Bücher mag. Beim Lesen , sagte er immer wieder: Das gibts doch gar nicht! Wahnsinn!! Aber es war und ist in Russland so! Und das wäre auch in der DDR so gekommen, Lager waren ja schon geplant. Kein Buch für schwache Nerven!
Sehr lesenswert
Bei
Kind
44" handelt es sich in vielerlei Hinsicht nicht um einen klassischen Krimi. Der Autor verwendet viel Zeit auf die Charakterbeschreibung, sowohl des Protagonisten als auch sämtlicher Nebenfiguren. Und davon begegnen dem Leser nicht gerade wenige. Speziell am Anfang können die vielen ähnlich klingenden Namen den Leser zunehmend verwirren, da sich die Handlung zu diesem Zeitpunkt auch nur schemenhaft ausmachen lässt. Jedoch steigert Smith mit fortschreitender Seitenzahl das Erzähltempo und die Anzahl der Probleme, die sein Antiheld Leo Demidow zu bewältigen hat. Ganz bewusst verlegt er beim Erzählen gelegentlich den Schwerpunkt weg von der Kernhandlung in die Nebenschauplätze, schildert Lebensumstände und die Mentalität der Fünfzigerjahre in der Sowjetunion. Hier schieden sich die Geister, doch ebendiese erzählerische Freiheit gibt dem Buch ein besonderes Flair und lädt zum mehrmaligen Lesen ein. Denn sobald das Geheimnis hinter den Kindsmorden einmal gelüftet ist, entbehrt der Roman jeglicher Spannung, nicht jedoch seiner Dramatik. In einem fesselnden Showdown inszeniert der Autor das Aufeinandertreffen der vermeintlichen Rivalen. Doch nachdem diese Spannung verflogen ist, rauft man sich als Leser die Haare und eine Menge Ungereimtheiten, logische Brüche oder allzu kreative Ideen treten zutage. Zweifelsohne ist Kind 44" ein packender Roman, atmosphärisch dicht erzählt und ausgesprochen fesselnd - doch rückblickend erscheint einem der Protagonist als zu gewitzt. Keine brenzlige Situation, die Leo Dimidow nicht irgendwie meistert. Hier bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack.
Das Ende des Romans wirkt wiederum etwas inszeniert, bietet aber noch einmal eine richtige Überraschung.
Das Buch erscheint in der lokalisierten Fassung als solides Hardcover mit Lesebändchen und Schutzumschlag. Nachdem man das Buch gelesen hat, entdeckt man auf dem Cover viele Übereinstimmungen mit der Handlung.
Tom Rob Smith liefert mit Kind 44" einen sehr lesenswerten Roman, den man irgendwo zwischen Krimi und Polit-Thriller einordnen kann. Er orientiert sich grob an den tatsächlichen Ereignissen rund um den Serienmörder Andrej Romanowitsch Tschikatilo, siedelt seine Handlung aber in der Stalin-Ära an. Hierdurch ergeben sich viele erzählerische Perspektiven und Möglichkeiten, die der Autor jedoch nur zum Teil nutzt. Trotzdem erhält der Leser viele Einblicke in die damaligen Gegebenheiten - und nicht zuletzt dieser Umstand trägt ganz erheblich zur Spannung bei.
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Spannender Krimi - Historisch korrekte Zeitreise in den Stalinismus
Ein spannender, gut geschriebener Krimi und eine faszinierend-verstörende Zeitreise in den menschenverachtenden Stalinismus! Als Unterhaltungslektüre ebenso zu empfehlen wie als historisch-politische Weiterbildung!
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