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  Die Lage des Landes | Richard Ford
 
 
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Die Lage des Landes
Richard Ford

Berlin Verlag, 2007 - 720 Seiten

Kundenbewertung:(9 Bewertungen)
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Das pure Lesevergnügen

Neben vielen guten und sehr guten Büchern, die heuer erschienen sind, ist " Die Lage des Landes " das beste Buch das ich heuer gelesen habe - es ist herausragend.
Dabei ist es nur eine Geschichte - die, eines Mannes in mittleren Jahren, der erzählt - von sich, seinen "Lieben", seinen Arbeitskollegen und anderen Mitmenschen, seinen Empfindsamkeiten, seinen Ängsten und er erzählt - über die Lage seines Landes.
Und wie er das tut ist faszinierend, fesselnd, beeindruckend und manchmal auch beängstigend wahr.
Man trifft auf Sätze wie z.B. " Eine Menge Dinge haben einen bestimmten Anschein, aber eine andere Realität.Und wie etwas scheint das ist oft nur das Spiel das wir spielen......."








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Richard Ford nicht ganz in der Blüte seiner Jahre

Als erstes: ich liebe normalerweise die Bücher von Richard Ford. Sein Dahin-Sinnieren über die Welt und ihre Erscheinungsformen hat mir immer gefallen, man kann sozusagen sich mit seinen Gedanken dahintreiben lassen. In diesem Buch kommt er mir ziemlich rabiat vor, fast wie auf Speed. Man merkt, jetzt kommt das Alter und mit ihm wenig erfreuliche Begleiterscheinungen. Frank Bascombe ist nun eigentlich ziemlich desillusioniert, was an sich nicht schlecht ist. Trotzdem grenzt es manchmal schon an eine Verbitterung, die schwer zu ertragen ist. Dabei war Frank früher manchmal richtig warmherzig, aber jetzt? Lesenswert ist Ford freilich immer, weil der Mann eine enorme Bildung zuzüglich Intelligenz hat und das auch einfließen lassen kann.
Trotzdem: ellenlange Berichte über die Immobiliensituation der Gegend, - da muss man schon Durchhaltevermögen beweisen. Man wird dann aber wieder belohnt durch die eine und andere hervorragend beleuchtete Szene, besonders Familiensituationen weiss Ford hervorragend zu beschreiben. Eingeschrieben ist seinem gesamten Werk eine tiefe Melancholie. Oder ist es bloss Fatalismus? Ich weiss nicht. Es war zwar streckenweise harte Arbeit, das zu lesen,denn manche Seiten waren wirklich langweilig, - trotzdem vergisst man das Buch sicher nicht. (Mir jedoch gefiel 'Der Sportreporter' am besten!)


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Respekt!

Mit Sinn für ein zeitlupenhaftes Erzähltempo, für sprachliche Ästhetik auf hohem Niveau, für eine gute Beobachtungsgabe, für feingesponnene Ironie und bösen, versteckten, dabei aber nie verletzenden Sarkasmus und mit Neugier auf in ihrer Banalität geniale, dabei äußerst skurrile Charaktere wird dieser Roman, der den Leser den Unterschied zwischen "einem Buch" und "Literatur" spüren läßt, zum Genuß. Wie wurde hier bereits gesagt? "Her mit dem Nobelpreis!" - dem kann ich mich nur anschließen. Respekt, Mister Ford !


Ein Buch als Spiegel einer ganzen Generation

Frank Bascombe, den wir vor noch im alten Jahrtausend als "Sportreporter" kennen gelernt haben und der uns in "Independent Day" vor einem Jahrzehnt als Mitvierziger wieder begegnete, ist nun ( wie viele seiner Leser in Echtzeit! ) ein Mittfünfziger geworden. Nach der "Existenzphase", die das Thema von "Independent Day" gewesen ist, hat Bascombe nun die "Permanenzphase" erreicht, jene Phase, in der man sich selbst ins Gesicht sehen und sich ehrlich eingestehen muss: Das war es! Es kommt nichts mehr. Ich bin genau der, der ich geworden bin.

Fords Werk aber besäße nicht seinen außergewöhnlichen Rang, wenn das, was es bei dieser Lebensbilanzierung zu lernen gibt, nicht weit über Bascombes private Existenz hinausweisen würden. Frank Bascombes Reflexionen, Besuche und Gespräche im Umfeld des Thanksgivingfestes des Jahres 2000 präsentieren dem Leser stattdessen wirklich und wahrhaftig die "Lage des Landes" - und das gleich in einem mehrfachen Sinn. Zunächst geht es um das, was die Amerikaner als "State of the Nation" bezeichnen, also eine Gesamtschau der politischen und wirtschaftlichen Zustände, die sich gerade am Ende des Jahres 2000 im Angesicht des einbrechenden Technologiemarktes und des Bush-Gore Wahldebakels alles andere als heiter ausnimmt. Sodann umschreibt die Wendung "Die Lage des Landes" die Lage eines Hauses oder Grundstückes, was auf die Bascombesche Berufstätigkeit als Immobilienmakler anspielt. Und schließlich kennzeichnet die Wendung "Die Lage des Landes" die Befindlichkeit eines Menschen innerhalb einer sozialen Gemeinschaft. Indem Ford diese im Titel konnotativ verschlungenen Ebenen scheinbar mühelos ineinander verschachtelt, entsteht ein ungemein verästeltes aber stimmiges Vexierbild der modernen Gesellschaft, zugleich aber auch das Portrait eines postmodernen "Mannes ohne Eigenschaften", in dem sich ein jeder, wenn er nur genau genug hinschaut, wieder erkennen kann.

Denn die Schicksalsschläge, die Bascombe im "Sportreporter", in "Independent Day" und nun in der "Lage des Landes" bewältigen muss, besitzen ja beileibe nichts Außergewöhnliches. Sein Unglück ist das Unglück von Millionen, das deswegen trotzdem nicht weniger schmerzt. Nun, im dritten Teil der Bascombe Trilogie, hat ihn, mitten im Hochgefühl eines insgesamt gelungenes Lebens, seine zweite Frau Sally verlassen, weil ihr jahrzehntelang verschwundener und durchgeknallter Ehemann Wally plötzlich wieder aufgetaucht ist, und als sein dies nicht genug, wird kurz darauf bei Bascombe Prostatakrebs diagnostiziert. Das ist das Bühnenbild, auf dem nacheinander die alten Bekannten aus den ersten beiden Bänden der Bascombe Trilogie auftreten, um ihren Part in diesem Lebensschauspiel zu spielen. Da ist natürlich die durch und durch egomanische erste Ehefrau Anne Dykstra, sodann die lesbische Tochter Clarissa, der schräge und eigenwillige Sohn Paul, die diversen Partner der Kinder, die Freunde und Nachbarn, und sogar die dralle Vicky, die dem armen Frank dereinst im "Sportreporter" das Herz gebrochen hatte, gibt nun mit fünfzehn Kilogramm mehr auf den schönen Hüften ein kurzes Gastspiel.

Was Bascombe und den Seinen in den drei Tagen rund um das Thanksgivingfest im Einzelnen widerfährt und sich schließlich in einem schrillen Finale entlädt, braucht hier nicht erzählt zu werden. Eigentlich ist es nicht viel, und doch umfasst das wenige, was geschieht, in seiner literarischen Präsentation den Bedeutungsgehalt eines ganzen Lebens. Die unglaubliche Vielfalt an Realität, an Reflexion, aber auch an untergründigem Humor, an Weisheit und sprachlicher Brillanz, die der Autor dabei entfaltet, kann man überhaupt nicht zusammenfassen - sondern einfach nur lesen. Alles in allem glaube ich, dass es nur ganz wenige geben wird, die das Buch am Ende nicht ergriffen beiseite legen werden - ergriffen nicht nur von der Genialität des Autors sondern auch von dem Erlebnis, einen tiefen Einblick in die literarische Blaupause der eigenen Existenz erhalten zu haben. Anders kann nicht es nicht sagen.


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Ausleben

Wer Richard Ford durch die drei Romane seines Frank Bascombe gefolgt ist, wird zugeben müssen, daß er ein großer Autor ist, der sein Land stets kritisch im Auge behält.

Erinnern wir uns daran, wie die Geschichte begann: Da gab es einen Sportreporter, der einmal Schriftsteller war, sich aber nicht für gut genug befand. Es war die schlingernde Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach sich war, und wie unter dem Seziermesser seine Umgebung wahrnahm.

Im Unabhängigkeitstag zum Immobilienmakler geläutert, folgten wir ihm in die Verästelungen seiner Sorgen um den Sohn, den Auswirkungen seines beruhigenden Wohlstands, den Ausflüchten wie der Entscheidung, es womöglich noch einmal mit so etwas Ähnlichem wie einer Familie zu versuchen. Ein Mann, der schon ein Kind verloren hatte, begab sich auf die Suche nach dem, was ihm als Familie geblieben war, streifte wieder durch Amerika und spiegelte es in seiner Zeit.

Nun nach den vielen Häutungen des Frank Bascombe kommt er da an, wo er vielleicht die ganze Zeit war: im Stillstand, in der Existenz des Beobachters. An Handlung hat Die Lage des Landes nicht viel zu bieten, auch wenn ein Vierzehnjähriger glaubt, mit einer Maschinenpistole in der Vorstadt Rambo spielen zu müssen und Prostatakrebs bei Frank festgestellt wurde. Die immer wieder gleichen Themen werden behandelt: der Immobilienmarkt, Bush, Bascombes Frauen, die ihn verließen, sein Sohn, die Tochter und das über knapp siebenhundert Seiten.

Wer Richard Fords Erzählungen kennt, weiß, in welch knapper Form er zu beschreiben versteht. Bei Die Lage des Landes ist ihm vieles aus dem Ruder gelaufen, zu viel will er sagen und wiederholt es, als bestände die Gefahr, dass man es übersieht. Es gibt betörend schöne Stellen in diesem Roman, kluge politische Analysen, scharfe Charakterzeichnungen, doch wirkt Bascombe mit einmal ermüdend. Daß der Autor einen Begriff wie Permanenzphase als Begriff einführt, um das Lebensalter zu beschreiben, das Frank Bascombe durchschreitet, ist traurig genug. Ausdruck, dessen was hier versucht wird.

Es fehlt die Leichtigkeit, trotz des Humors, der gelegentlich aufscheint. Bascombe nimmt sich zu ernst. Vielleicht tat er das früher schon, nur ist es da nicht so aufgefallen. Ein Roman, der einem viel Zeit abverlangt, der einen nicht unbefriedigt zurückläßt, der aber doch enttäuscht, weil die Erwartungen an ihn zu hoch waren. Leben, leben, ausleben, nimmt Bascombe sich am Ende vor. Er wird es erst wieder lernen müssen.


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reviews: page 1, 2



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