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  Die Wohlgesinnten | Jonathan Littell
 
 
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Die Wohlgesinnten
Jonathan Littell

Berlin Verlag, 2008 - 1392 Seiten

Kundenbewertung:(52 Bewertungen)
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Seit Goldhagens Hitlers willige Vollstrecker hat kein Buch, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, für so viel Aufsehen gesorgt wie Jonathan Littells Die Wohlgesinnten. Hymnischer Beifall begleiten das Erscheinen des Werks in Deutschland ebenso wie vernichtende Fundamentalkritik.

Weswegen sich die Gemüter so erhitzen? Littell verfasst diesen Roman über den deutschen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa aus der Sicht eines Täters. Es ist der zynische Jurist Dr. Max Aue, der als Mitglied des Sicherheitsdienstes und SS-Offizier unmittelbar an den schlimmsten Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt ist. Zudem verwebt Littell in seinem ersten Roman aufs Engste Fakten und Fiktion. Die einen erheben ihn dafür zum künftigen Träger der kollektiven Erinnerung an den Holocaust, die anderen werfen ihm eine irrwitzige Geschichtsfälschung, ja eine Glorifizierung des Nationalsozialismus vor.

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt der Prolog ("Toccata") des Autors, der zugleich den Anspruch des Werkes definiert - bereits mit diesem ersten Satz hat sich Littell den Vorwurf der Hybris strenger Kritiker eingehandelt hat. "Es", so rechnet der Erzähler vor, das sind 18.722 Tote, die von Juni 1941 bis Mai 1945 Tag für Tag starben - jede 4,6 Sekunden ein Toter: "eine gute Meditationsübung". Als "Erinnerungsfabrik" bezeichnet sich der Erzähler selbst, und man ist geneigt, ihm Recht geben, angesichts der fast 1.400 folgenden Seiten. Er beteuert, dass die Aufzeichnungen "frei von jeglicher Reue sein werden...Ich habe meine Arbeit getan, mehr nicht" - ein zweiter Schlag in die Magengrube einiger Kritiker, versprach doch der Autor im Prolog gerade die Aufdeckung der Motive der Henker.

Littell breitet das beeindruckende, vor allem aber verstörende, streckenweise pornografische Panorama eines Krieges aus, der in knapp sechs Jahres Osteuropa fast vollständig zerstörte. Erzählt von einem klassisch gebildeten Offizier, der trotz aller humanistischen Wurzeln zum Mörder wurde. Einfache Unterscheidungen zwischen Gut und Böse gibt es nicht. So lesen wir neben den NS-Verbrechen auch von den Massenerschießungen durch das sowjetische Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), von Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung durch Ukrainer, von psychotischen Wehrmachtsoffizieren. Akribisch flicht Littell die organisatorischen Strukturen von Wehrmacht, Reichssicherheitshauptamt, KZ-Lagerverwaltungen, Befehlsketten der SS und vieles mehr in sein Epos ein. Allein diese umfassende Darstellung in einem literarischen Werk ist einzigartig.

"...ihr seid nicht besser", deklamiert schließlich der frühere SS-Offizier und spätere Spitzen-Fabrikant. Dieses Fazit, das der Autor seinem Erzähler in den Mund legt, bleibt unbefriedigend. Zwar kann der Leser das Ergebnis einer außerordentlichen Fleißarbeit über Verlauf und organisatorischen Unterbau des Ostfeldzuges im Detail nachlesen. Warum sich aber der Bildungsbürger Dr. Max Aue so leicht zu einem effizienten Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschinerie wandeln konnte, bleibt letztlich unklar. Ob das Buch also, wie Jorge Semprún voraussagt, in 50 Jahren maßgeblich die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust prägen wird, muss sich erst noch erweisen. -- Henrik Flor, Literaturtest


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Gut, aber nicht gut genug für 5 Sterne!

Dieses Buch ist wirklich lesenswert. Es ist sprachlich ein Genuss und fesselnd zugleich. Die Macht des geschriebenen Wortes kann sehr grausam sein! Eindrucksvoll und gewaltig schildert der Autor unvorstellbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Doch für den geschichtlich interessierten Leser wirklich nichts Neues. Neu ist nur die Art und Weise der Blickwinkel - der Darstellung. Wer erwartet, hier etwas dazu zulernen, der wird enttäuscht werden. Sehr langatmig und langweilig sind auch einige Absätze, in denen der Hauptdarsteller in Träumereien und Fantastereien verfällt. Außerdem ist das Buch durch die Hauptperson ein wenig homoerotisch und inzestuös eingefärbt. Trotzdem fesselt die Person des Dr. Aue durch ihr auftreten. Das Ende (die letzten 2-3 Seiten) ist unerwartet, fantastisch und lässt den Leser fassungslos zurück.

Fazit. Guter Roman, teilweise langatmig und sehr detailliert. Aber wie ich finde, überbewertet. Deswegen auch nur 3 Sterne



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5 Sterne sind nicht genug

Schade, dass man nur 5 Sterne vergeben kann. Für dieses Buch hätte man ohne schlechten Gewissens 6 oder gar 7 Sterne vergeben können.
1359 Seiten und jede davon ist ein Hochgenuss. Allerdings muss man sagen, dass dieses Buch nichts für schwache Gemüter ist. Ob es die Schrecken des Krieges sind, die bis Detail beschrieben werden, oder die sexuelen Ausschweifungen bzw. Fantasien von M. Aue: dieses Buch will schockieren
und tut es auch. Viel Spaß beim lesen.


Gut, mutig, lesenswert.

Den teilweise sehr ausführlichen und klugen Rezensionen sei lediglich hinzugefügt, dass dieses Buch dem Leser viel abverlangt: Geduld, die Bereitschaft, sich dem Monströsen zu stellen, den Willen, einander widersprechende Emotionen auszuhalten. Dieser Roman führt an Grenzen und überschreitet sie, er verstört und fordert und polarisiert. Das zeichnet ein lesenswertes, im Idealfall gutes Buch aus. Gleichzeitig ist die hier bereits mehrfach benannte Schwäche zu beklagen, die Hauptfigur in einem Maße psychologisch überfrachtet zu sehen, das die Qualität und den Gesamteindruck nur schmälern kann. Zumindest bleibt unklar, welchen Sinn die ausführliche Darstellung des bizarren Innenlebens eines schwer Gestörten haben soll, welche Botschaft sich in der individuellen, grausamen Parallelwelt mit all ihren Verästelungen, Traumatisierungen, Perversionsbildungen, Phantasien und Derealisationen verbirgt. Getragen von der Hoffnung, dass es sich nicht nur um die schlichten literarischen Auswüchse eines ambitionierten Hobby-Psychologen (mit besonderem Interesse an psychoanalytischem Gedankengut) handeln möge, bleibt der Leser mit dieser Frage allein zurück. Antworten fehlen. Auch das zeichnet ein gutes, ein mutiges, ein lesenswertes Buch aus.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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