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  Buch: Berichte aus der Abwurfzone: Ausländer erleben den Bombenkrieg in Deutschland 1939-1945
 
 
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Berichte aus der Abwurfzone: Ausländer erleben den Bombenkrieg in Deutschland 1939-1945

Eichborn, 2007 - 475 Seiten

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Und noch mehr Zeitzeugen berichten bei Eichborn

Nach dem Erfolg von "Reisen ins Reich 1933-1945. Ausländische Autoren berichten aus Deutschland" hat der Eichborn Verlag jetzt im Rahmen der Anderen Bibliothek einen zweiten Band mit Augenzeugenberichten aus dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht. Wie auch im beim Vorgänger ist es eine Mischung aus bekannten Autoren und eher unbekannten Zeitzeugen, deren Texte man hier liest. Aber so oder so, fast alle schreiben gut und spannend, vielleicht mit der Ausnahme der etwas schwierigen Texte von Céline. Wieder ist die Auswahl der Autoren daran gebunden, dass sie Ausländer in Deutschland waren, die meistens eine deutlich größere Distanz wahren als die Einheimischen. So erscheinen die Berichte ein recht hohes Maß von Objektivität zu enthalten. Nicht immer geht es dabei nur um die Auswirkungen der Bombenangriffe, wie es der Titel des Bandes suggeriert. Man liest über Rabattmarken, die Propaganda, die Stimmung auf den Straßen, den Widerstand, die Begegnung mit Nazigrößen, zuletzt über das Chaos des Kriegsendes. Man liest auch über die Perspektive der Flugzeugbesatzungen im Flakfeuer.

Warum tut man sich Augenzeugenberichte an, die erzählen, wie die eigene Heimatstadt praktisch vollständig in Schutt und Asche gelegt wird? Nun ja, dank später Geburt war ich ja nicht dabei. Was mich deshalb interessiert hat und was auch durch die Berichte im Buch zumindest teilweise beantwortet wird, sind vor allem folgende Fragen: Wie erklärt es sich, dass trotz der Bombenangriffe so viele Einwohner in Berlin geblieben sind? Und wie konnte das Leben trotz der weitreichenden Zerstörungen immer noch relativ normal funktionieren, so dass es immer noch eine Art von Alltag gab - wenn auch unter Bedingungen, die wir uns heute kaum noch vorstellen können? Und wie konnte sich ein Regime so lange halten, trotzdem die eigene Heimat in Schutt und Asche versank? Trotzdem mehrere Millionen Menschen ihre Wohnung, ihr Haus, all ihr Hab und Gut verloren haben?

Auf diese Fragen legt das Buch insbesondere folgende Antwort nahe. Die Katastrophe trat nicht plötzlich ein, sondern stückweise. Die ersten Angriffe waren noch relativ harmlos, und so konnte man immer noch nach der Devise handeln, es wird ja nicht so schlimm kommen. Und als die Zerstörungen und die Opfer immer mehr wurden, dachte man wohl bei jedem neuen Höhepunkt der Angriffe, dass man jetzt wohl das schlimmste überstanden hätte. Um dann vielleicht schon in der nächsten Nacht festzustellen, dass Schrecken nach oben keine Grenze kennt. Und wohl auch die geschickte Informationspolitik des Regimes spielte eine Rolle, dass den eigenen Bürgern im Zweifel einfach das berichtete, was sie hören wollten. Wir erfahren in den Berichten viel aus der alltäglichen Arbeit der Auslandskorrespondenten in Berlin, der Behinderung ihrer Arbeit und den Differenzen zwischen den offiziellen Berichten und der Wirklichkeit auf der Straße.

So oder so, es ist der Blick in eine Welt, die wir heute kaum noch verstehen. In der Menschen aus unserer heutigen Sicht nicht rational gehandelt haben, aus ihrer damaligen Sicht allerdings schon. So diskutieren wir heute die Gefahren des Feinstaubs und des Rauchens, während sich in den Jahren des Krieges Menschen regelmäßig Lebensgefahr ausgesetzt haben, um das wenige zu bewahren, was von ihrem Leben noch übrig war. Mich bringt dieses Buch dazu, sich zu fragen, ob wir mit unserer heutigen Art, überall Probleme, Risiken und Gefahren zu sehen, nicht doch falsch liegen. So schlecht ist das Leben doch gar nicht, oder?



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