Der Coach und Psychologe Olaf Georg Klein hat die Irritationen und Missverständnisse, die zwischen Ost- und Westdeutschen auftreten, aufmerksam registriert. Seine Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass hier zwei verschiedene Kommunikationskulturen aufeinandertreffen, mit grundsätzlich anderen Einstellungen und Haltungen. Sie bestimmen die Art und Weise, wie die Menschen miteinander kommunizieren, wie sie Nähe und Distanz, Status und Beziehung, Sympathie und Antipathie empfinden und ausdrücken.
Sind die Ost-West-Unterschiede also nichts anderes als ein Verständigungsproblem? Dieser Befund mag auf den ersten Blick überraschen. Schließlich sprechen Ost und West die gleiche Sprache. Ihr Wortschatz ist nahezu identisch. Zur Verständigung, zu einer "gleichen Sprache", gehören jedoch nicht nur übereinstimmende Vokabeln, sondern auch die gleiche Deutung dessen, was gesagt wird. Gleiche Wertehierarchien, gleiche kulturelle Hintergründe, die gleiche Einordnung verschiedener Formen der Körpersprache gehören eben auch dazu.
Und genau in diesen drei Bereichen hat Klein gravierende Unterschiede zwischen den Kommunikationsstilen in beiden Teilen Deutschlands beobachtet. Differenzen, die zu Verstimmungen, Irritationen und Frustrationen führen, wenn sich Ost- und Westdeutsche begegnen. Diese Unterschiede zu erkennen, sie zu verstehen, und Techniken zu entwickeln, um konstruktiv mit ihnen umzugehen, ist Ziel des Buches.
Dabei geht es nicht um Anpassung oder gar Einebnung. Klein möchte, dass wir die Unterschiede "produktiv machen", dass wir lernen, die jeweiligen Vorzüge der beiden Kommunikationskulturen miteinander zu vereinen. Sein Buch ist ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung. Ob es gelingen wird, hängt von uns allen ab. --Stephan Fingerle
Wer als gelernter DDR-Bürger in den Westen geht oder wer als Wessi im Ost leben und arbeiten will, sollte dieses Buch lesen.
Es hilft dabei, die immer noch in den Köpfen bestehende Spaltung zu überwinden.Interessanter Beitrag zu einem überbewerteten Thema - Das Buch macht Verhaltensweisen von Ost und West erst richtig nach dem Lesen bewußt. Das das Thema heute leider oft im negativen Sinne als "unsere" (wer sind eigentlich "wir"?) Belastung erscheint, macht mich (als Deutschen) nicht gerade glücklich. - Ich lebe in einer westdeutschen Großstadt, bin "West"deutsch geboren und aufgewachsen. Die Attitüden "der beiden Länder" (ein gräßlicher Ausdruck) unterscheiden sich meiner bescheidenen Beobachtung in der Frankfurter Arbeits-/Privatwelt eher auf einer Zentimeterskala, die sich - typisch deutsch dramatisiert und übertrieben - als Meterskala ausgibt. Mit meinen Arbeitskollegen aus Magdeburg gibt es keine anderen Probleme als es mit "West"deutschen Kollegen oder Ausländern: Kleine bis gar keine, jedenfalls ist mir kein typisch "ostdeutsches" Problemverhalten im Jahre 2003 bewußt, noch dazu von Leuten von 20 bis 40. ... Ich möchte - In Aussicht auf viele Minuspunkte hier - einige Gedanken zur Geschichte des Deutschen Nationalbewußtseins anmerken. Deutsche Geschichtsanmerkungen, das fehlt in dem Buch ein wenig: - Zwischen 1945 und 1949 gab es noch keine Bundesrepublik und keine DDR. Hätte es in diesen Jahren ein stärkeres deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl gegeben, so hätte sich dies in Taten von deutscher Seite in Richtung eines gemeinsamen Staates geäußert. Die Länder bestanden ja noch, es gab auch Konferenzen (ohne große alliierte Einmischung während den Reden), wo die - noch deutschen - Landesväter nichts in Richtung "Neues Deutsches Reich" (eigentlich kein negativer Begriff) taten. Mit den Alliierten hätte man über einen gesamtdeutschen Staat 1947 sicherlich reden können, sogar Stalin wollte wieder ein Deutsches Reich mit alten Grenzen (minus Polen, etc. natürlich). Kein Ruhmesblatt, daran wird sich die damalige Generation nicht gerne erinnern: Solche Verhandlungen aus deutscher Initiative hat es nicht gegeben, der Versuch wäre ehrenhaft gewesen, auch mit einem evtl. Nein der Alliierten. Natürlich gab es (wie in vielen anderen europäischen Ländern) nach dem Krieg materielle Not, daraus leitet sich aber nicht eine Logik ab, 4 Jahre lang kein einziges Mal an die deutsche Frage gedacht zu haben. - Die im Westsektor befindliche Bevölkerung lebte durch die US-Besatzung sicher nicht allzu schlecht: Die USA (hatte 250.000 Soldaten verloren und) war das reichste Land der Welt, das ohne großen Schmerz geben konnte. Auch an den Marshallplan erinnert sich Deutschland heute nicht mehr gerne, der das am Boden liegende Deutschland gutmütig wieder aufpeppelte. Die Sowjetunion hingegen hatte 20 Millionen Leute verloren und lag wirtschaftlich am Boden. Deshalb (und nicht nur aus Boshaftigkeit) nahm sie ihre Gebiete (auch Polen) zum eigenen Wiederaufbau ziemlich streng an die Kantarre. Eigentlich nicht unlogisch, daß die Sowjetunion ihr eigenes System exportierte. - Die Adenauer-Politik hatte ihre größten Wahlerfolge u.a. mit dem Slogan ?Rußland ist unser schlimmster Feind". Sie knüpfte damit an die seit 1871 bestehende irrationale Angst Deutschland vor allen östlichen Völkern (egal unter welchem Regime), denen man ungeprüft immer schlechte Absichten unterstellte, ihre Bevölkerung nicht schätzte und nach dessen Raum man zwei mal unter (1917, 1941) verlangte. Nun gewann man mit Amerika ein reiches Land, mit dessen Kraft (nicht der eigenen) man sich wiederum unbewußt eine Chance ausrechnete, sich gegen die Sowjetunion zu verbünden. Mit nicht zuletzt diesem Gedanken kam die Gründung der Bundesrepublik. Die Initiative ging eindeutig von Westdeutschland aus, man drängte den Westallierten die westdeutsche Hilfe als Bündnispartner gegen den Osten anfangs geradezu auf. Das das logische Folgen für das östliche Restgebiet haben könnte, wen kümmerte das?- Der bekannte nationale Treuespruch von Th. Fontane ?Ein gemeinsames Reich wollen wir sein, uns beistehen in aller Gefahr und Not". Nein, ein Nationalbewußtsein wie dieses hat es damals von deutscher Seite nicht gegeben. Die Sowjetunion wollte anfangs ein gesamtdeutsches Reich, daß neutral bleiben sollte. Was wäre eigentlich so schlimm daran gewesen? Auf Gründung der Bundesrepublik und dem beginnenden Kalten Krieg (von Deutschlands Politikern mit geschürt) zog Stalin mit der Gründung der DDR als Trotzreaktion nach. - 1919: Falls der Erhalt des Deutschen Gebietes den Deutschen nach dem ersten Weltkrieg viel wert gewesen wäre, hätten sie nach dem Versailler Vertrag, der ihnen (von einigen kleinen Ge-bietsabtretungen abgesehen) ihr Reich lies, eigentlich aufatmen müssen. Sicherlich hatte der Versailler Vertrag viel ungerechtes und schikanöses Potential, was er nicht hatte war eine Zerstückelung und Aufteilung Deutschland (Abgesehen vom Ruhrgebiet). Deutschland atmete nicht auf, es war zu Recht wütend: Alle PArteien waren gegen den Vertrag, warum hatte Deutschland nicht den Mut, die Unterschrift zu verweigern? Auch das wäre ein Zeichen "echten" Nationalbewußtseins gewesen, nörgeln half nach Unterzeichnung nichts mehr. Wären 1919 wieder Allierte einmarschiert, so hätte das Deutschland sicher Sympathien und Hilfe in der Welt beschert und Hitlers auf die (falsche) Dolchstoßlegende aufbauende Politik wäre überflüssig gewesen.- Drittes Reich: Daß hier kein echter Nationalismus betrieben worden ist, sondern etwas Neues und Artfremdes, wird wohl die Meinung der meisten heute sein. Ich meine, ein zu stark auf die Wirtschaft abzielendes sogenanntes Nationalbewußtsein ist etwas oberflächlich und nicht ungefährlich. Mit dem Erfolg der Vollbeschäftigung, dem materiellen Wohlstand von 1935-38. Nicht zuletzt mit dieser unbestreitbaren Leistung scharte Hitler fast das gesamte Volk freiwillig um sich. Aber Vaterlands-Liebe: Ist das nicht noch etwas anderes als Vollbeschäftigung, Boom, Aktienkurse, Inflation oder Anstieg des Bruttosozialproduktes? - Eine große Enttäuschung war für mich die Antrittsrede Helmut Schmidts: Das mit Abstand wichtigste erachte er in der Wirtschaft. Nichts neues. Ich nehme mir das subjektive Recht die deutsche Malerei (im Ausland hochgeehrt), eine deutsche Burg, ein deutsches Nationalgericht, oder die deutsche Landschaft als wesentlich wichtiger als jeden Wirtschaftsfaktor anzusehen.- Der im Westen tausendmal gehörte Spruch seit 1950: Wenn es einmal eine Widervereinigung geben wird, dann nur gewaltsam durch einen russischen Einmarsch. Auch hier wieder fehl-kalkuliert. 1989 sagt die russische Staatsführung: Schwamm drüber, ihr könnt wieder ein Land werden. Eigentlich ein anständiger Zug. Das dieser Prozess lange dauern wird, ein paar Opfer abverlangen wird, ist eigentlich selbstverständlich, die damalige Politik wies in ihrer Anfangseuphorie nicht darauf hin.- Wieder ist das Ausland erstaunt über die Unzufriedenheit der Deutschen über ihre Wiedervereinigung. Anstatt sich zu freuen, rechnen viele finanzielle Vor- und Nachteile auf, als ob das von ihrer persönlichen Ent-scheidung abhinge. ?Ein gemeinsames Reich wollen wir sein, uns beistehen bei jeder Gefahr und Not". Auch hier zeigte sich, das in Deutschland das Nationalbewußtsein nicht sehr stark entwickelt ist und eine Krämermentalität ihr Unwesen treibt. Der ganze Nachkriegsprozeß der Deutschen wird noch in Jahrhunderten Geschichtsstudenten ferner Kontinente Stirnrunzeln des Unverständnisses verursachen. Selbst Adenauer nannte das Deutschand des Wirtschaftswunders das unzufriedenste Land von Europa.
Etwas weniger Aufrechnungs-, Wirtschaftssorgen- und Krämermentalität könnte einem Nationalbewußtsein meiner Ansicht nach zuträgllich sein.