Mit seinen Augen | Jan Stressenreuter
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mit seinen augen
Mit seinen Augen
Jan Stressenreuter
Querverlag
, 2008 - 333 Seiten
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Total toll!
Total toll!, hab's grade ausgelesen! Ein Roman, wie ich in letzter Zeit nur wenige gelesen habe: Spannend, aufwühlend und sehr eindrücklich zeichnet das Buch ein Bild der 50er Jahre, über das bisher wenig bekannt ist: die Situation von Homosexuellen in Deutschland in der Zeit des frühen Wirtschaftswunders. Der Rest der Gesellschaft war mit dem Wiederaufbau und dem ersten Konsumrausch beschäftigt, während diese Minderheit noch unter dem von den Nazis verschärften Paragrafen 175 leiden mußte, der Homosexualität unter Strafe stellte. Der Autor beschreibt das Schicksal seiner Hauptperson Herbert wirklich packend und mit großem Einfühlungsvermögen. Glaubhaft ist die Zerrissenheit zwischen der Sehnsucht nach einem normalen Leben und dem Wissen, nie dazugehören zu können. Das Buch ist super recherchiert, enthält eine Menge Lokalkolorit und am Schluss gibt es noch ein Interview mit dem Autor. Was will man mehr?
Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen und dem man nur viele Leser wünschen kann!
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In meinen Augen...
... ist "das Neue" von Jan Stressenreuter beinahe wieder rundherum gelungen, vor allem weil super leicht zu lesen. Der Schreibstil Stressenreuters verbindet einfachen Satzbau mit präziser ("genau auf den Punkt") Ausdrucksweise, ein von Gott selten verschenktes Talent, das äußerst leserfreundlich und somit ein dickes Plus ist! Trotz der - wie immer - handwerklich einwandfreien Umsetzung und einer Geschichte, die es versteht den Leser am Gängelband zu halten und dazu anzutreiben schnell noch ein paar Seiten nachzulegen, obwohl es Zeit zum Schlafen, Sich- auf- den- Weg- machen oder für die nächste dringend anstehende Erledigung wäre, fällt "Mit seinen
Augen
" nicht ausschließlich positiv auf:
1. Die Rahmenhandlung der Geschichte ähnelt ungeheuer stark der Stressenreuters Erstlingswerkes. Ein schwuler Sohn als Heimkehrer in eine Welt, die er aufgrund seiner Homosexualität nicht ganz heil verlassen hat. Ist es in "Love to love you, Baby" noch der verstorbene Vater, der Anlass zu einer Zeitreise in die Vergangenheit und eine Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Beziehung des Helden gibt, so dient hier der Mutter Tod als Intialzündung für die gleichen Aktionen.
2. Was im Norden, Süden, Osten der Republik vom Leser als "Lokalkolorit" wohlwollend angenommen wird, stößt Ortskundigen eher säuerlich auf, da der Autor in der Mehrzahl Lokalklischees benennt und einsetzt.
3. So mancher lahme Kalauer, der, und zwar schon vor Jahren, in wirklich jeder unterirdischen TV- Comedy oder Büttenrede (Stichwort: "Dschakeline") durchgenudelt wurde, löst eher Entsetzen / Gähnen / peinliche Berührtheit denn Schmunzeln aus. Und ein IKEAbett, das Klischee für "einfache" Möbel schlechthin, war zur Jugendzeit des Helden in Deutschland noch kaum anzutreffen, da nicht zu haben- zumindest nicht in Köln wo IKEA erst in den 1990ern eine Filiale eröffnete...
Das aber nur kleine Schwächen am Rande, denn im Kern ist es Stressenreuter erneut gelungen ein gut recherchiertes, atmosphärisch und emotional dichtes Buch zu verfassen, das Charaktere mit hohem Identifikationspotential bietet und aufgrund dieser Tatsachen fesselt, mitreißt, rührt, begeistert... kurz allerbestens unterhält und das obwohl die Handlung nicht immer und unbedingt neu ist. Jan Stressenreuter ist mit Sicherheit einer der besten Autoren seines Genres- Andy Claus jedenfalls wird ein solch hervorragendes Buch niemals zustande bringen!
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sollten nicht nur Schwule lesen
Jan Stressenreuter schafft es immer wieder, mich mit seinen Romanen zu begeistern. Dieses Mal hat er ein Thema angepackt, über das bislang viel zu selten geschrieben wurde. Und zwar die Zeit der 50er Jahre, als die Nazizeit zwar vorbei ist, aber Homosexuelle weiterhin verfolgt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Der in der heutigen Zeit etwas über 40-jährige schwule Felix kommt nach dem Tod seiner Mutter einem Geheimnis auf die Spur. Auf dem Speicher findet er eine Kiste mit Briefen, Fotos und Tagebucheintragungen seines Vaters, aus denen eindeutig hervorgeht, das auch sein Vater schwul war. Als Felix sich als Teenager bei seiner Mutter geoutet hat, schmeißt diese ihn sofort aus dem Haus und ist zu keinerlei Diskussionen bereit. Sie zahlt zwar noch seine Ausbildung, bricht aber jeden Kontakt zu ihrem Sohn ab. Erst als sie stirbt erfährt Felix nach und nach die ganze Geschichte. Dabei taucht er in die Welt seines Vaters ein, der in den 50er Jahren wie so viele nicht den Mut hatte, als schwuler Mann zu leben. Felix macht sich auf die Suche nach dem damaligen Freund seines Vaters, Anton, der noch lebt und endlich mehr Licht in die Dunkelheit bringt. Was Felix erfährt läßt seinen Vater nicht immer in einem guten Licht erstrahlen. Und nicht nur damit muss Felix jetzt klarkommen. Das Buch ist sehr gut geschrieben, fesselt und hat mich zum Nachdenken gebracht.
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