Die Mischung, die der Autor hier anrührt, ist ja auch danach. Eifersüchteleien der Kriminalbeamten untereinander gehören zum Standard in solchen Romanen, hier aber haben sie obendrein den Effekt, daß die Ermittlungen durch sie ernsthaft behindert werden. Immer neue Leichen tauchen auf, der Autor läßt die Medien die Stimmung in Bevölkerung und Politik langsam hochkochen. Den Stil einer bestimmten Zeitung mit den großen Buchstaben versteht er getreu zu kopieren -- der Leser denkt sofort an diese eine Zeitung. Und "vorbildlich" sind diese Morde, weil sie so "perfekt" sind.
Happy End? Nur bedingt, denn am Ende sackt der Täter, von Polizeikugeln durchsiebt, zusammen. Kein schöner Abgang, aber ungemein medienwirksam. Und die Medien sind es, die den Gang der Ermittlungen immer wieder mitbestimmen. Sehr subtil bekommt der Leser eine Lektion in Sachen "Macht der Presse", und das ist -- leider -- sehr realistisch. Jürgen Kehrer hat ein besonders ekelhaftes Kapitel der Kriminalitätsgeschichte angepackt: Sexueller Mißbrauch von Kindern, Handel mit Kinderpornographie, und das Ganze noch auf europäischer Ebene. Die Täter sind modern, zahlen in Euro, wenn sie überhaupt zahlen. Es ist ein moderner Krimi mit modernen Themen und Charakteren. --Corinna S. Heyn