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Vergessene Rennstrecken: Traditionskurse in Europa
S. S. Collins

Heel, 2006 - 168 Seiten

Kundenbewertung:(3 Bewertungen)
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Sehr stimmungsvolle Fotos, etwas zu viel Text

Die teils langatmigen Beschreibungen historischer Ereignisse auf den jeweiligen Rennstrecken sind mir persönlich etwas zu lang geraten.
Die Aufnahmen sind sehr stimmungsvoll und schön.
Wer's kann, sollte versuchen, die echten Strecken-Relikte zu besuchen bzw. abzufahren. Noch vor Brünn und Monza gelingt dies sicherlich am Allerbesten in Reims, denn dort kann man auch noch am meisten sehen, weil das wohl eine der wenigen ehemaligen Strecken ist, um die sich ein Erhaltungsverein vernünftig kümmert. Aber wenn man selbst dort steht, ist der imposante Eindruck nicht mit den Bildern zu vergleichen.


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Es war einmal...

Reims, Avus oder Masarykring - wo einst Motoren heulten und Fahrer um den Sieg kämpften herrscht heute Ruhe. Wie sehen stillgelegte Rennstrecken heute aus? Auf 170 Seiten gehen Autor und Photograph genau dieser Frage nach. Die beiden sind durch ganz Europa gereist und stellen in diesem wunderbaren Bildband historische und aktuelle Photos gegenüber und setzen so den Strecken ein Denkmal, ehe diese durch den "städtebaulichen Fortschritt" endgültig verschwinden ?


Der eingefangene Hauch der Geschichte

Was ist aus ihnen geworden? Lange Jahre, nachdem das letzte Rennen abgewunken, der letzte Wagen verladen und der letzte Zuschauer die Tribüne verlassen hat? Sie wurden zu "vergessenen Rennstrecken". Und damit sie nicht weiter in das Dunkel der Vergangenheit abdriften, sorgen Autor S.S. Collins und Fotograf Gavin D. Ireland für das Erinnern an sowohl fast unbekannte, als auch jene berühmte Rennstrecken, deren Namen noch immer mit Erfolgen großer Fahrer verknüpft sind. Doch wer weiß heute noch, dass der Nürburgring einst eine Südschleife besaß, die 1975 aus Sicherheitsgründen (die damaligen Fahrzeuge waren für die Strecke zu schnell geworden) gesperrt, in Teilen abgerissen, zurückgebaut oder als normale Kreisstraße für den öffentlichen Verkehr freigegeben würde? Oder dass aus der Berliner AVUS die erste Autobahn der Geschichte entstand? Oder dass in Crystal Palace schon 1899 (das Jahr, ab dem in Großbritannien kein Gehilfe mit einer roten Warnflagge vor einem Automobil mehr herlaufen musste) die ersten Veranstaltungen mit Autos und Motorrädern stattfanden? Oder auf deren Start- und Zielgerade 1969 jene schmerzhaften Szenen für "The Italian Job" gedreht wurden, in denen Charlie Crocker (Michael Caine) seinen Fahrern unter Verschleiß mehrerer Mini-Cooper das Auffahren auf einen rollenden Lkw beibrachte? Oder dass in der Nähe von Helsinki 1966 vom Schwiegervater des 1970 post-mortem zum Formel-1-Weltmeister gekürten Jochen Rindt die erste finnische Rennstrecke namens Keimola eröffnet wurde, die bereits 12 Jahre später mangels Nachfrage wieder schließen musste?
Es sind die kleinen und großen Geschichten, die hinter den Rundkursen von Brooklands, Crystal Palace, Keimola, Masarykring, Montlhéry, Monza, Reims, dem Nürburgring und der AVUS, die der Autor zu erzählen versucht. Nach der Wiedergabe der Streckenhistorie mit ihren sportlichen Höhepunkten, schließt er eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation an, gefolgt von stimmungsvollen, aktuellen Fotos, die noch den Hauch der Geschichte atmen oder ganz einfach nur den Verfall zeigen. Zeitgenössische Aufnahmen aus den Glanzzeiten der Rundkurse verstärken noch den wehmütigen Kontrast zwischen Damals und Heute. Unangenehm aufgestoßen ist mir jedoch folgender Satz aus dem Kapitel über die Entstehung der AVUS: "Noch immer scheint der förderliche Einfluss der Nationalsozialisten auf den deutschen Motorsport nachzuwirken. Auch heute starten Mercedes Silberpfeile von den vorderen Plätzen, doch das ist eine andere Geschichte." Entweder ist dieser Satz sinnentstellend übersetzt worden oder der Autor zeigt hier ein ziemlich verqueres Politikdenken. Wie auch immer, er ist völlig überflüssig und hätte vom Lektorat problemlos herausgenommen werden können.
Von diesem Makel abgesehen, zeigt sich das Buch in einen angenehmen Layout und guter Druckqualität.
Fazit: Speziell für die ältere Generation, der viele der behandelten Rennstrecken noch etwas sagt, ein Werk, welches Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken dürfte. Allen anderen empfohlen als schöner Bildband über die Vergänglichkeit - auch im Motorsport.


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