So beginnt die Geschichte, die der erwachsene Cory aus der Erinnerung niederschreibt. Der brutale Mord an dem Fremden ist nur eines der Ereignisse, die Zephyr, Alabama, im Jahr 1964 aufrütteln. Die Rassentrennung wird in Frage gestellt, der Fluss tritt über die Ufer und ein Kriegsverbrecher wird überführt. Doch Cory und seine Freunde beschäftigen zunächst andere Dinge, sie müssen sich der Attacken der Branlin Brüder erwehren, die Schikanen frustrierter Lehrer über sich ergehen lassen und versuchen, von ihren Eltern endlich die Erlaubnis für den lange ersehnten Zeltausflug zu erhalten.
Robert McCammons "Unschuld und Unheil" (org. "Boy's Life") ist ein ruhiges Buch, in dem nur ab und zu Spannung aufkommt, dann aber richtig und mit unvorhersehbaren Resultaten. Cory, der Erzähler, ist noch jung genug, um uns an der Magie der Kindheit teilhaben zu lassen, gleichzeitig aber alt genug, um die Sorgen der Erwachsenen zu verstehen und durch seine eigene Sicht gefiltert wiederzugeben. "Unschuld und Unheil" erinnert an Dan Simmons "Sommer der Nacht", Joe Lansdales "The Bottoms" (erscheint demnächst als "Die Wälder am Fluss") und auch an Harper Lees "Wer die Nachtigall stört". In allen diesen Büchern wird die Kleinstadtidylle durch ein Verbrechen erschüttert und werden die Kinder gezwungen, sich mehr mit der Welt der Erwachsenen zu beschäftigen. In allen genannten Fällen gelingt das sehr gut. Simmons' Buch ist sicherlich mehr dem Horror-Genre zuzuordnen, während "Unschuld und Unheil" diese Elemente auf ein Minimum beschränkt. Es bleibt dem Leser überlassen, darüber zu urteilen, ob die verschiedenen Monster und Geister im Kontext des Buches real oder Corys lebhafter Phantasie entsprungen sind. Eine Tatsache, die angesichts McCammons Ruf als Horrorautor doch überrascht. Daher ist das vorliegende Buch auch für Leser zu empfehlen, die normalerweise nicht zu den Büchern des Autors greifen würden.