Stattdessen sitzt eine kleine Eule auf dem Rasen und heult sich fast die riesigen Augen aus dem Leib. Alle Belustigungsversuche der Waldbewohner können sie nicht wieder fröhlich machen. Steinewerfen, Nüssefüttern, Blumenkranzschenken und Angsteinjagenkönnen laufen ins Leere, und auch die Idee des Hirschkäfers, das Eulenkind mit einem Spinnennetz ins Glück zurückzuschaukeln, kann den Tränenfluss nicht stoppen. Bis die kleine Eule aus der Spinnenschaukel in die Arme seiner Mutter fliegt -- warum sie so geheult hat, hat sie da schon längst vergessen.
Heule Eule beginnt mit einem witzigen Bild von Philippe Goossens, bei der die verschreckten Waldbewohner mit weit aufgerissenen Augenpaaren hinter den Bäumen des Waldes hervorlugen. Und es endet mit den Augenschlitzen des lustig bebrillten Maulwurfs, der sich wegen der Heule-Eule mit der großen Händeschaufel nur noch an den Kopf stoßen kann. Dazwischen liegt eine wundervolle, überaus kindgerechte Geschichte über einen kleinen Vogel, der sich von den Bewohnern des Waldes nicht trösten lassen will, weil es gar nichts zu trösten gibt -- wobei die zauberhaften, in sanften Tönen gehaltenen Illustrationen die vermeintliche Traurigkeit der Handlung mit jedem Strich gleich wieder relativieren. Überaus gelungen. --Thomas Köster