Nicht die ganze Wahrheit. Roman | Dirk Kurbjuweit
Bücher:
nicht die ganze wahr...
Nicht die ganze Wahrheit. Roman
Dirk Kurbjuweit
Nagel & Kimche AG, Verlag, Zrich/Frauenfeld
, 2008 - 219 Seiten
Kundenbewertung:
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Kauftipp
Detektiv-Roman mit kleinen Schwächen und großem Finale
Das Feuilleton stürtzte sich raubtierartig auf diesen kleinen, eigentlich sehr zurückhaltenden und unauffälligen
Roman
, weil die Kombination aus populärem Spiegel-Reporter, der sein Alter Ego als Schriftsteller auslebt, und dem Themenfeld Politik, das er auch im Journalisten-Alltag beackert, Brisanz versprach. Schon wurde eher darüber diskutiert, ob diese oder jene Figur vielleicht realen Politiker-Vorbildern wie Gerhard Schröder oder Joschka Fischer nachempfunden wären, statt auf den eigentlichen Roman einzugehen. Abgesehen davon ist schon die Kategorisierung in das Genre politischer Roman anfechtbar; im ersten Teil wäre auch die profane Bezeichnung Detektivroman zu vertreten, im weiteren Handlungsverlauf wird aus "
Nicht
die
ganze
Wahrheit
" dann allerdings schon fast ein Briefroman mit politischem Inhalt.
Sehr spannend zu verfolgen ist dabei die Entwicklung und der Gedankengang des Hauptprotagonisten Arthur Koenen, ein einsamer Profi-Spürhund, aus dessen Ich-Perspektive Autor Kurbjuweit die Geschichte schildert. Zunächst gewinnt der Leser den Eindruck, der Detektiv ginge mit geradezu medizinisch distanziertem Blick den intimen Inhalten seiner Arbeit nach - ein Bild, das vom Verfasser später im Roman jäh zerstört wird. Beinahe tiefenpsychologisch wird es dann, wenn der sonst so professionelle Beschatter seine "Mappen komponiert", indem die Indizien und Beweise, die dem jeweiligen Auftragsgeber übermittelt werden, festgehalten sind. Nicht selten entscheidet der Detektiv ganz bewusst, welche Materialien den Weg in die Mappe finden, um beispielsweise zu beeinflussen, ob eine betrogene Frau ihrem untreuen Ehemann noch eine zweite Chance gibt. Koenen redet sich in diesen Augenblicken gerne ein, sein Beruf würde die Familie stärken. Steht seine persönliche Auffassung jedoch im Widerspruch zu seinem Handeln, löst Koenen diese Diskrepanz auf, indem er sich daran erinnert, einen Auftrag und damit eine Pflicht zu haben, die es zu erfüllen gilt - das ähnelt fast schon dem guten Vater von Briest aus Theodor Fontanes Werk "Effi Briest", der jegliche Hinterfragung bedeutenderer Dinge mit der floskelhaften Sentenz "Das ist ein weites Feld" abblockte. Überhaupt versteht es Kurbjuweit blendend, dem Beruf des Detektivs Leben einzuhauchen, und entwickelt einen äußerst nachvollziehbaren, aber auch originellen Einblick in das Innenleben eines solchen Ermittlers - so abgegriffen, verbraucht und einfallslos die Handlungen auch sind, die Kurbjuweit ihn ausführen lässt. In jedem Fall war die Entscheidung, den Roman aus der Ich-Perspektive des Detektivs zu erzählen, eine gute: Den ersten Abschnitt des Romans sollte man trotz allen politischen Facetten des Werkes nicht unterschätzen oder gar ignorieren.
Im weiteren Verlauf von "Nicht die ganze Wahrheit" dominiert der E-Mail-Wechsel zwischen dem geheimen Liebespaar. Einige wenige dieser Mails sind hochinteressant und eignen sich ideal, Persönlichkeit und Denken der beiden Fremdgänger und Parteikollegen zu erspüren. Doch mit der Dosierung der elektronischen Botschaften hat es Kurbjuweit etwas zu gut gemeint. Ferner ist der Schriftwechsel auch nur teilweise authentisch: Die Art wie Leo Schilf und Anna Tauert, zwei intelligente Verliebte im stetigen Gewissenskonflikt, fühlen und handeln ist glaubwürdig, der Stil, in dem sie sich schreiben, ist es nicht.
Zum Schluss des Romans erbringt Kurbjuweit den Beweis, dass er seine Figuren nicht nur zielsicher mit vielschichtigen Persönlichkeiten ausstatten kann, sondern auch ein souveräner Entertainer ist: "Nicht die ganze Wahrheit" endet dynamisch, unterhaltsam und wendungsreich im Stile eines gepflegten Krimis. Dirk Kurbjuweit ist damit ein kluges, sommerlich leichtes Buch gelungen, welches das Prädikat "lesenswert" ohne Abstriche verdient.
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Ein zarter und sensibel geschriebener Liebesroman aus der Innenwelt der Macht
Dirk Kurbjuweit, im derzeitigen politischen Berlin einer der renommiertesten Journalisten, hat in seinem neuen
Roman
hinter die Kulissen der Regierungszentrale geblickt und dabei sich jenseits der bekannten Oberflächen noch für etwas anderes interessiert, für die verborgene Seite eines Geschäfts, das in den Medien tagtäglich ausgeleuchtet wird und in dem es doch Emotionen und Regungen gibt, die einer großen Öffentlichkeit vorenthalten bleiben.
Mit dem Entschlüsseln der Hauptfiguren braucht sich der Leser
nicht
sehr lange aufzuhalten. Schnell ist in Fred Müller, dem Automann, Gerhard Schröder identifiziert, und auch auf den Außenminister Fischer, den mit dem Abspeckwahn" kommt man leicht. Schwieriger ist es da schon mit Leo Schilf, Partei- und Fraktionsvorsitzender aus Datteln bei Recklinghausen und verliebter Protagonist des Romans. Leo Schilf nähert sich eines Tages der 28 -jährigen jungen Angeordneten Anna Tauert aus Thüringen, die als eine von mehreren "Rebellen" im Vorfeld eines Gesetzes der Schröder-Regierung zum Sozialabbau auf sich aufmerksam macht. Leo Schilf schreibt ihr erste Mails und sie verlieben sich, obwohl er doch eigentlich die Truppe zusammenhalten und Anna in die Fraktionsdisziplin zurückrufen müsste.
Wir erfahren die
ganze
Geschichte von Arthur Koenen, dem Ich-Erzähler des Romans, einen Privatdetektiv, der seit vielen Jahren im Geschäft ist und dennoch tageweise im Berliner Zoo Taschendiebe jagen muss, um einigermaßen seine Lebenskosten zu decken.
Ute Schilf, Ehefrau von Leo, kommt eines Tages zu ihm und äußert einen Verdacht. Arthur nimmt den Auftrag zur Observation von Leo Schilf an und verschafft sich ziemlich bald durch einen Einbruch in Annas Wohnung Zugang zu deren Mailaccount.
Indem Arthur seine "Mappe", das Ergebnis seiner Recherchen für die Auftraggeber zu Hause zusammenstellt, rekonstruiert er in der Dokumentation Hunderter von Mails die zarte Liebesgeschichte eines ungleichen Paares.
Kurbjuweit ist dabei nicht weniger gelungen als ein hervorragender Briefroman in Zeiten des Internets, ein Roman über Liebe in der Politik und ein Roman über die Faszination der Heimlichkeit.
Mitten in diese zarte und eigentlich völlig unmögliche Geschichte lässt Kurbjuweit das politische Geschehen jener Zeit hineinbrechen und gibt einen ernüchternden Einblick in das Leben der daran beteiligten Politiker.
Er tut das ohne Häme und ohne aufgezeigten Finger. Er beschreibt und macht betroffen. Auch der Detektiv selbst verfällt dieser zarten Liebesgeschichte und er versucht mit seinen bescheidenen Mitteln die beiden Liebenden zu schützen. Als er die Absichten eines Mannes entlarvt, der ihm über Monate im Umfeld von Leo Schilf immer wieder aufgefallen war, bietet sich ihm dazu eine hervorragende Gelegenheit ...
Der Autor zeichnet seine Figuren mit viel Liebe und Zuneigung. Obwohl es um Enthüllung von Geheimnissen geht, ist ihm ein sehr diskretes und überaus romantisches Buch gelungen, das dem Leser beim Lesen selbst zu Herzen geht.
Die Beobachtungen und Einsichten seiner Detektivfigur zu den Beziehungen von Frauen und Männern und was sich eigentlich abspielt beim Ehebruch, sind voller Weisheit und bieten höchsten Lesegenuss.
Dass Kurbjuweit trotz der immer intensiver werdenden Beobachtungswut der Journaille sich diese Sensibilität bewahrt hat, verdient große Anerkennung. Ein toller Roman!
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auf keiner Seite langweilig
Ein Detektiv wird von der Gattin eines Parteivorsitzenden angeheuert zu überprüfen, ob dieser eine Geliebte hat. Gleich zu Beginn wird dargestellt, wie der Dekektiv in die Wohnung der Geliebten einbricht und deren E-Mails öffnet, in denen die Liebesgeschichte zwischen dem hohen Parteipoliker und seiner Geliebten, einer Bundestagsabgeordneten, ausgebreitet wird. Diese Affäre ist allerdings
nicht
nur eine Bettgeschichte, sondern sie ist
roman
tisch, krisenhaft, philosophisch und zugleich von politischen Sachzwängen bedroht: Im Hintergrund steht nämlich eine wichtige Bundestagsabstimmung, in der es um das politische Überleben des Kanzlers geht, der Ähnlichkeiten mit Gerhard Schröder aufweist. Die E-Mails, die der Detektiv zu lesen bekommt, geben ein vielschichtiges psychologisches Bild nicht nur von einer Dreiecksbeziehung, sondern auch von der hohen Politik, und darüber hinaus fließen interessante Vergleichsfälle aus dem Berufsleben des Detektivs ein, in denen die Abgründe der menschlichen Liebessehnsucht aufgezeigt werden. Am Ende verläuft die Sache ein wenig anders, als man glaubt, ein Geheimnis und zwei Erpressungen bringen die Geschichte auf ihren spannenden Höhepunkt.
Die Sprache ist lakonisch, aber nicht unpoetisch. Die Hauptfiguren sind trotz ihrer Abgründe sogar sympathisch und psychologisch dicht angelegt. Gelegentlich schimmert ein wenig Humor und Kriminologie durch, vor allem wie der Detektiv die beiden Liebenden unerkannt durch die Politik begleitet, ist sehr gut ausgedacht. Insgesamt eine gelungene Mischung aus Krimi, Liebesroman und Politikthriller. Hat mir sehr gut gefallen!
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Sehr unterhaltsam und gescheit
Es ist schön, dass es auch noch politische Journalisten gibt, die schriftstellerisches Talent haben. Dirk Kurbjuweit gehört eindeutig dazu. Dieses Buch handelt
nicht
von Politik oder bestimmten Politikern, und ist auch weit weg vom Sensationsjournalismus. Vielmehr spielt es im Milieu der Berliner Politik, in der alle unter ständiger Beobachtung sind und sich dementsprechend seltsam verhalten - so treffen sich z.B. der Partei- und Fraktionschef und seine Geliebte, eine junge SPD-Abgeordnete, zum Küssen ständig für ein paar Sekunden im Lift ihres Bürogebäudes.
Schön ist dieses Buch auch deshalb, weil man ihm gar nicht anmerkt, dass es von einem politischen Journalisten verfasst wurde. Nichts wirkt bemüht oder künstlich überzeichnet, und es wirkt auch nicht störend, dass der einiges in der Realität vielleicht nicht so ablaufen würde wie geschildert.
Keine der Figuren im Buch ist einem wirklich unsympathisch, und diese Grautöne (oder vielmehr: Farbtupfer) machen den
Roman
so kurzweilig, spannend und unterhaltsam.
Hoffentlich folgt bald ein neuer Kurbjuweit, vielleicht ja mal ein Buch, das sich literarisch der "Verfilzung" zwischen Journalismus, Politik und Verbänden annimmt.
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Endlich wieder mal ein gutes Buch
Bei diesem Buch passt alles:gute Idee für eine Geschichte und brilliant umgesetzt.
Der Leser erfährt viel von der Affäre der beiden Politiker miteinander über die Emails in die sich der Detektiv einklinkt, daher der Stil ähnlich wie Glattauers "Gut gegend Nordwind" nur daß zur Auflockerung auch normale Passage vorkommen.
Kann dieses Buch jedem empfehlen der auf intelligente, pointierte Dialoge steht.
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