Valentinsnacht | Silvio Huonder
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Valentinsnacht
Silvio Huonder
Nagel & Kimche
, 2006 - 192 Seiten
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Huonders Comeback
Silvio Huonders erste beiden Romane "Adalina" (1997) und "Übungsheft der Liebe" (1998) fand ich sehr gut und wartete lange auf den dritten Roman. Nun, acht Jahre später, ist es endlich soweit. Leider kann "
Valentinsnacht
" die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Huonder trat übrigens mit einem Ausschnitt aus dem Roman beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb an, wo er auch nicht überzeugen konnte.
Im Zentrum steht der 40-jährige Meteorologe Fedo Paulmann, der in Berlin nach einem Blind Date einen One Night Stand hat. Die Folge ist, dass Katarina schwanger wird, was Fedos Leben komplett verändert. Episodisch wird Fedos Treiben im Strom des Lebens beschrieben. Fedo kann zwar als Meteorologe das Wetter nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit und der Chaos-Theorie vorhersagen, aber sein Leben verschlisst sich jeglicher Prognose. Schicksalhafte Ereignisse sind nicht vorhersehbar. Und damit umzugehen, ist nicht einfach.
Sprachlich ist das Buch zwar auf hohem Niveau, aber die Geschichte ist stark artifiziell. Während Huonders erste beiden Romane aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz schöpften, wirkt bei "Valentinsnacht" alles sehr künstlich und die Erzählperspektive ist sehr distanziert. Huonder arbeitet namentlich mit dem Stilmittel des Zufalls bzw. des Schicksals. Dies ist aber spätestens seit Max Frischs "Homo Faber" nicht mehr besonders originell.
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in der tiefe des seins packend
mit den uns allen bekannten, uns alle bewegenden archaischen, einfachen und klaren gefühlen erfüllt huonder seine charaktäre, die zutiefst nachvollziehbar werden und zutiefst meine seele zu ergreifen vermögen.
mit adalin schon, etwas schwächer mit übungsheft der liebe packte mich huonder am sensibelsten nerv. er versteht es mit einem großen verständnis um alle prozesse einer beziehung, der liebe und ihrer entwicklung sowie verwicklungen hinein und hinaus seine geschichte zu schreiben, in deren mittelpunkt niemals eine dramatische sensation zu stehen scheint, sondern ein diffiziele menschliche situation im ringen um die welt, um nähe, um einen ausweg aus einsamkeit, um verständnis, das gradewegs durch seinen durchleuchtenden blick zur sensation wird. ich bin hellauf begeistert von diesem autor, der mich mit minimalster literarischer geste zu berühren versteht, in spannung versetzt und mich um seine charaktäre bangen lässt.
danke, dass es seine geschichten gibt! tjsaibot
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Katarinas Entscheidung
Peter Stamm stellte im Literaturclub den dritten Roman seines Berufskollegen vor. Kein Zufall, denn sie gehören, zusammen mit Silvio Blatter, zur mittleren Generation erfolgreicher Schweizer Autoren. Es verbindet sie u.a. die kritische Distanz zu ihrer Umgebung und - vielleicht als Folge davon - eine Vorliebe für Eis und Schnee. Huonders Erzählfigur, Alfred (Fedo) Paulmann, arbeitet in Berlin als Meteorologe, die Frau die er in einem Kino kennen lernt, ist unbezahlte Cutterin bei einer deutschen Filmgesellschaft. Hat man bei Huonder bereits einiges technisches Wissen über Schweinemästerei beziehungsweise Aktmalen erwerben können, so ist es diesmal die Physik des Klimas (Meteorologie) und ihre Vermarktung beim Radio und im Internet, die dem Leser akribisch genau vorgeführt werden. Durchaus spannend, obwohl das eigentliche Thema des Romans die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist. Denn ihre flüchtige Begegnung wird beinahe vom ersten Tag an von der schicksalsschweren Frage überschattet, ob Katarina das ungewollt empfangene Kind abtreiben soll oder nicht. Sie entscheidet sich für das Kind, und Paulmann entscheidet sich für Katarina. Es ist die Geschichte einer modernen Ehe, unpathetisch, realistisch, zugleich auch zart und voller Ungewissheit. Einiges scheint auch märchenhaft (wovon lebt Katarina?) oder unglaubwürdig: Paulmann verstümmelt seine rechte Hand sozusagen als Ersatz für Frauenpower. "Der Erfinder" (Bruno Ganz) lässt grüssen. Doch im Ganzen erscheint mir der Roman von einer Klarheit, Schlüssigkeit und Aktualität, die ihn zu einem "Klassiker" für Schulabschlusspüfungen werden lassen könnten. Der Vergleich mit "Homo Faber" scheint mir richtig, aber ohne seinen doppelten tragischen Schluss. Beinahe besteht die Gefahr, das Buch als Lebenshilfe misszuverstehen, oder darin nur "ein ganz normales Paar" zu sehen. Dafür ist die Paarfindung aber viel zu subtil gezeichnet, zu vielen Gefahren ausgesetzt. Und wenn man die beiden früheren Romane dieses Autors heranzieht, so ist die positive Entwicklung der beiden Hauptfiguren nicht selbstverständlich, sondern als eine erfreuliche und schöne Leistung des Autors zu begrüssen.
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