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  Die Namenlose | Jagoda Marinic
 
 
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Die Namenlose
Jagoda Marinic

Nagel & Kimche AG, Verlag, Zrich/Frauenfeld, 2007 - 168 Seiten

Kundenbewertung:(4 Bewertungen)
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Die traurige Schwere der Liebe

"Die Namenlose" von Jagoda Marinic ist in seiner Schreibart, in dem diesen Buch zu Grunde liegenden Gedankenkonstrukt, ein einfaches, ja, ein sehr stilles Buch. In dieser Stille und aus ihr heraus entsteht jedoch der besondere Reiz dieses Werkes, das so ganz und gar nicht die Liebe verherrlicht, aber sie doch als etwas Hehres, etwas Ersehnenswertes, beschreibt.

"Die Namenlose" ist eine junge Frau, die im Großstadtdschungel und der Routine ihres Alltages den tief in ihr wohnenden Schmerz zu vergessen sucht. Zynisch und abweisend ihrer Außenwelt gegenüber, rational und kühl in ihrem Herzen, bleibt ihren Gefühlen nur noch die Flucht in die Nächte, in denen diese als die andere "Namenlose" darum kämpfen wieder gehört zu werden, darum nicht für immer weggeschlossen zu werden. Die Hoffnung dieser Anderen klammert sich an einen jungen Mann, der die Protagonistin umwirbt und um dessen Willen sie wieder geneigt ist Mensch zu seien, zu leben. Letztlich bringt sie ihr tiefgefühlter Schmerz, der ebenso namenlos bleibt, wie sie selber, aber dazu sich auch diesem Mann zu verweigern.

Jagoda Marinic brilliert inhaltlich vor allem dadurch, dass sie es schafft einen Schritt über den Kitsch hinauszutreten, ohne diesen aber vollkommen zu verlieren. Sie vermag zum Ausdruck zu bringen, dass Liebe etwas Poetisches und Schönes, aber zugleich Trauriges und Melancholisches seien kann. Sicher kann mancher Leser dabei einwenden, dass die Autorin etwas arg darauf bedacht zu seien scheint ein modernes Großstadtmärchen zu schreiben und dabei auf eine allzu detaillierte Ausgestaltung des Plots verzichtet, doch liegt auch daran ein weiterer Reiz des Buches: Es hat sich in seiner Sprache einen Schleier Jugendlichkeit erhalten, der schlussendlich in wunderbarer Weise mit der Intention des Buches harmoniert: Zum Ausdruck zu bringen, dass die Verweigerung des Lebens und des Liebens eine würdige, wenn auch bitter-schmerzvolle Alternative zur Belanglosigkeit und Schnelllebigkeit der Liebe seien kann.

Zusammengefasst ist "Die Namenlose" einer der herausstechensten Romane über die Liebe, die in deutscher Sprache in den letzten Jahren verfasst wurden. Eine große Leseempfehlung!


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Dem Träumen so nah.

Brückenschlag

Die Namenlose ist ein Buch über ein geteiltes Leben, ein Leben, durch das ein Graben läuft - zunächst. Eine junge Frau zieht sich vor ihrem Schmerz in sich selbst zurück, spaltet einen Teil ihrer Seele ab, will nicht mehr teilnehmen am Leben, ihrem eigenen, dem der Menschen um sie herum. Die Enttäuschung über ihre zerbrochene Liebe scheint zu groß, um sich noch einmal hervor zu wagen, Verletzlichkeit heißt für sie verletzt werden. Jagoda Marinic findet scheinbar mühelos Wege, ein abgespaltenes Leben in Worte zu fassen, dem Leben ihrer Protagonistin entspricht die Konzeption des Buches: Tag- und Nacht-Ich wechseln sich ab, ein betäubtes, trotzig-stacheliges Alltags-Ich bietet einen Schutzpanzer für den eigentlichen Menschen, ein Nacht-Ich mit großem Herz, das leben möchte und lange nicht darf, aus Angst vor erneutem Schmerz. Es tut weh, das Buch bis hier zu lesen, mitzuerleben, wie dem Leben das Leben verweigert wird, wieviel die Angst beherrschen darf in einem Menschen. Es tut weh, weil Marinic' Sprache intensiv ist wie wenig anderes, weil die Autorin ein einzelnes Wort schneidend scharf werden lässt, erdrückend schwer, erstickend groß. Und dann ein Licht: ein Loch, geschlagen in diesen Raum, der nur Wand war bisher, von einem Verehrer, der sich nicht abschütteln lässt, der sich an seinem Verliebt-Sein freut und sich weigert, loszulassen, für den die Liebe ein Spiel ist, das nicht immer zu gewinnen ist, aber den Einsatz jedesmal lohnt. Es tut gut, das Buch ab hier zu lesen, mitzuerleben, wie sich das Leben nicht verweigern lässt, wie der Mensch mit seiner Angst leben kann, nicht umgekehrt. Es tut gut, weil Marinic' Sprache stärker ist als je zuvor, weil ein einzelnes Wort strahlend hell wird, mutig, weit. Es ist eine zarte Brücke, die hier möglich wird, ein Weg zurück in die Welt, die Gräben hat, sicherlich. Jagoda Marinic findet die Brücke.




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Lesen!

Die Namenlose von Jagoda Marinic hat mich nachdenklich, stellenweise traurig aber auch lächeln gemacht. Ich habe das Buch an zwei Abenden gelesen. Spannend und dicht erzählt und dabei ohne große Worte, emotional und durchdacht, kitschig und trotzdem so bitterernst.



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