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  Die Verlobung des Monsieur Hire | Georges Simenon
 
 
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Die Verlobung des Monsieur Hire
Georges Simenon

Diogenes, 2003 - 174 Seiten

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Es stellt sich natürlich die Frage, ob dauerhaftes Simenon-Lesen nicht einen ausgeprägten masochistischen Aspekt hat, vor allem in dieser geballten Form. Diogenes hat zum Beispiel im September/Oktober 1997 sieben Non-Maigrets ausgeliefert, die sich mit einer Ausnahme durch eine grundlegend pessimistische Weltsicht auszeichnen -- wie eigentlich fast alle Romane des Meisters, auch wenn das daherplappernde Feuilleton so gerne von seiner Liebe zum kleinen Mann und den ach so wichtigen leuchtenden Augenblicken spricht.

Monsier Hire ist ein einsam lebender Mann mittleren Alters, der seinen Lebensunterhalt mit einer selbstständigen Bürotätigkeit am Rande der Legalität verdient. Sein Tagesablauf ist durch ein sich stets wiederholendes Schema geprägt, vom Aufstehen, Anziehen, Arbeiten gehen, Essen, Schlafen gehen -- bis hin zu seiner Zeit am Fenster seines möbelierten Zimmers, die er der Beobachtung des jungen Dienstmädchens Alice widmet.

Daran hätte sich nichts geändert, wäre nicht plötzlich im Viertel ein Mord passiert, und wären Alice und M. Hire nicht die Einzigen, die den Täter kennen. Diese Komplizität führt zu einer auf den ersten Blick wechselseitigen Begehrlichkeit, die das Leben des einsamen Herren völlig aus den Angeln hebt, ihn zu einem Schritt veranlasst, den ihm wohl niemand zugetraut hätte -- am wenigsten er sich selbst. Was dann folgt, soll nicht verraten werden. Der Schluss wird allerdings endgültig mit den vielerorts herbeiphantasierten Vorstellungen von der positiven Weltsicht Simenons aufräumen. Der Autor ist gerade 30 Jahre alt, als Monsier Hire entsteht, und der Roman ist das Werk eines erschreckend abgeklärten Menschen. --Hannes Riffel


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Ein subtiles Kammerspiel

Ein leises Buch - leise selbst für einen Simenon. Und gleichzeitig ein distanziertes Buch - distanziert selbst für einen Simenon. Und doch berührt die Novelle (Kriminalroman mag man zu diesem zurückgezogenen Kammerspiel ohne Suspense und Tätersuche nicht sagen) um den einsamen, eines Mordes bezichtigten Monsieur namens Hire in ganz besonderer Weise. Was uns hier vorgeführt wird ist eine Tragödie, die tief in unsere Gesellschaft hineinreicht, unseren Umgang miteinander, eine Tragödie mit den Mitteln eines Kammerspiels, leise und genau dadurch umso eindringlicher.

Sicher, auch die hier andernorts gelobte Verfilmung von Patrice Leconte ist meisterlich, doch zeichnet sie einen anderen Hire, einen willensstarken, einen filmgemäßen Gegenspieler für die Polizei, was der Hire Simenons zu keiner Zeit ist, einen Menschen, der durch seine Unfreundlichkeit die Ablehnung der anderen provoziert, wo doch Simenons Hire ganz im Gegenteil mit Entschuldigungen auf den Lippen durchs ihn zurückweisende Leben stolpert. Der Film hebt einen Inspektor aus den holzschnittartigen Skizzierungen Maigrets hinaus, gibt Erklärungen für sein Tun und schwächt gerade dadurch die fast surreale Situation der befremdenden Überwachung Hires.

Es ist eine andere Geschichte, die der Film erzählt, auch er auf seine Art und durch die versiert genutzten audiovisuellen Mittel bewegend, eine viel tiefere Intimität, die er in der Beziehung zwischen Hire und Alice zeichnet. Doch die Geschichte wird damit zur Geschichte zwischen zwei Menschen und eines Verrats, nicht zum Schicksal eines Einzelnen in der ihn wie einen Fremdkörper ausstoßenden Umwelt.

Man kann nur empfehlen, sich beide zu Gemüte zu führen: Film und Buch (insbesondere das von Bögel im bester simenonscher Nüchternheit vorgetragene Hörbuch) und sich sein eigenes Bild zu machen: welcher Hire geht einem näher? Beide sind auf ihre Art bewegende Kleinode, die lange in einem nachhallen.


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Geradlinige Geschichte

Ein Vorort von Paris: eine Prostituierte ist ermordet worden. Monsieur Hire wird verdächtigt. Ein kleiner dicker Mann mit einem gekräuselten Schnurrbart. Jeden Morgen geht er mit der Aktentasche aus dem Haus und kommt am Abend zurück. Sonst weiß man nichts von ihm. Es gibt auch keine Indizien, die gegen ihn sprechen, aber einer muss es ja gewesen sein. Dieser Sonderling ist sowieso allen irgendwie unheimlich. Die Polizei ermittelt; er muss nur noch überführt werden, möglichst schnell, damit wieder Ruhe einzieht ins Viertel. Erzählt wird die Geschichte Monsieur Hires, dessen heimliche Leidenschaft es ist, nachts im dunklen Zimmer hinterm Fenster stehend, das schöne Dienstmädchen von gegenüber zu beobachten. Als diese ihm ihrerseits Zuneigung signalisiert, gerät er in den Strudel der Ereignisse...

Georges Simenon, vor allem durch seine Kommissar-Maigret-Erzählungen bekannt geworden, stellt in diesem Roman nicht die meisterhafte Aufklärung eines Kriminalfalles dar, sondern der Kriminalfall dient als Hintergrund und Auslöser der Geschehnisse. "Die Verlobung der Monsieur Hire" trägt novellenhafte Züge, eine unglaubliche Begebenheit, klar und schnörkellos erzählt, die den Leser in ihren Bann zieht, ihn gleichsam zum Voyeur macht, welcher das Treiben aus sicherer Entfernung mitverfolgt. Und auch wenn man den Ausgang der Geschichte kennt, verliert sie nichts von ihrer Wirkung; ein Buch, das man auch ein zweites und drittes Mal liest...


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eine Menschenjagd

um eine Menschenjagd geht es hier. Monsieur Hire hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, aber er ist ein Sonderling, der unter vielen Zwängen lebt und in seinem Leben nichts zustande bringt. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit kleinen Gaunereien. Als in der Nachbarschaft eine Prostituierte ermordet wird, fällt der Verdacht auf ihn.
Zu Beginn teilt man selbst den Verdacht. Simenon vollbringt im Verlauf des Buches das Kunststück, dass wir uns beim näheren Kennenlernen der Person des Mousieur Hire plötzlich auf seiner Seite wiederfinden, auf der Seite dessen, dem so viel Ungerechtigkeit widerfährt und der stets unverstanden bleibt, dem seine Umwelt nur mit Verachtung entgegentritt.

Allein schon das Erlebnis, sich in die eigenartigen Welt des Monsieur Hire versetzen zu lassen ist es wert, dieses leise und wunderbar unaufdringliche Buch zu lesen.


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Ein Maigret-Roman ohne Maigret

Simenon stellt uns in diesem eher kleinen Werk ein "armes Schwein" vor, das auf Grund seines Wesens, Aussehens und Provenienz die negativen Vorurteile aller erfüllt.

Nachdem ein "Lustmord" in direkter Nachbarschaft geschehen ist, sind sich alle sicher, dass nur einer dafür in Frage kommt. Im Zuge des Kesseltreibens erleben wir einen verzweifelt verliebten Unschuldigen, der zudem als einziger weiß, wer der wirkliche Mörder ist. Doch aus diesem Kessel gibt es kein Entrinnen. Monsieur Hire muss hängen ...



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