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Small World
Martin Suter

Diogenes Verlag, 2000 - 323 Seiten

Kundenbewertung:(71 Bewertungen)
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Das Leben des reichen Fabrikantensohns Thomas Koch und das seines ärmlichen Freundes aus Kindertagen, Konrad Lang, hat sich nie sehr weit auseinander entwickelt.

Konrad war stets zur Stelle, wenn Thomas nach ihm verlangte. Mittlerweile sind die beiden sechzig und Konrad hat immer mehr Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis. Nachdem er das Ferienhaus der Familie Koch aus Unachtsamkeit abbrennen ließ, reist er zu Thomas, da ihn immer mehr Kindheitserinnerungen plagen. Die betagte Mutter von Thomas, Haupt der Familie und unumschränkte Alleinherrscherin, möchte um keinen Preis, daß die Vergangenheit nochmals heraufbeschworen wird -- aus gutem Grund.

Small World ist ein verwickeltes Familiendrama, das bis in die Zeit des Nationalsozialismus reicht, eine medizinische Fallstudie über Alzheimer und nicht zuletzt ein spannender Thriller. --Manuela Haselberger


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Die Welt ist klein

Von dem englischen Titel sollte man sich nicht verwirren lassen: es handelt sich um eine Redensart (auf Deutsch würde man sagen: "Die Welt ist doch klein"), mit der der zunehmend demente Konrad Lang seinen Gesprächspartnern geistige Präsenz vorspielt und die zugleich illustriert, wie seine Welt durch Alzheimer immer kleiner wird. Vielleicht ist das, was Suter beschreibt, vom Medizinischen her nicht unbedingt typisch, aber wie er manche Situationen aus der Sicht des Kranken zeigt, und auch die verschiedenen Reaktionen der Umwelt, die im Buch vorkommen, das ist die eine Stärke dieses Romans.
Die zweite: er ist ungeheuer spannend, sozusagen - wie einige Bücher Suters - "ein Krimi ohne Komissar". Denn je mehr Konrad den Bezug zur Gegenwart verliert, desto besser erinnert er sich an seine frühe Kindheit und wird dadurch für andere gefährlich, denn damals ist er mit jemand anderem vertauscht worden, aus Koni wurde Tomi und aus Tomi Koni...
Wie sich das alles am Schluß auflöst - und Koni/Tomi auch noch von seinem Alzheimer geheilt wird - man kann sich streiten, ob der Autor da nicht ein wenig dick aufträgt. Aber wer sagt denn, daß eine Romanhandlung immer realistisch sein muß? Und Suter bringt einen außerdem zum Nachdenken, ob die Konis dieser Welt nicht wirklich die Tomis sein könnten und inwieweit die, die sich für ihren Reichtum und ihre Erfolge bewundern lassen, das wirklich ihrer eigenen Leistung verdanken. Das ist die dritte Stärke des Buches.
Eine vierte sei auch noch erwähnt: die Gestaltung der Taschenbuchausgabe durch den Diogenes-Verlag: gutes Papier, lesefreundlicher Satz, strapazierfähriger Einband und - hurra! - "alte" Rechtschreibung.



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"Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin."

Was für ein großartiger Anfangssatz! Normalerweise zitiere ich nicht wörtlich aus Büchern, aber dieser erste Satz ist ein Paradebeispiel für einen gelungenen Romanbeginn.

Martin Suter gehört zu den Autoren, die den Leser schon mit dem ersten grandiosen Satz in ihr Buch hineinsaugen können und ihn erst wieder ausspucken, wenn das Buch in einem Zug ausgelesen ist.

Mit scheinbar lakonischen Sätzen und kühl- distanziertem Blick auf seine Figuren entwickelt Suter eine Kriminalgeschichte, wie sie packender nicht sein könnte. Hinzu kommt noch ein gut recherchiertes Wissen über die Alzheimersche Krankheit und die damit einhergehenden Beschwerden sowie das komplizierter werdende Alltagsleben der davon direkt und indirekt Betroffenen. Nur ein hochkarätiger Autor schafft es, dieser ernsten Krankheit so umfassend gerecht zu werden und ihr dabei auch noch komische Seiten abzugewinnen.

Außerdem kann Suter unvergessliche Charaktere erschaffen: Konrad Lang, die Hauptfigur der Geschichte wächst einem richtig ans Herz, während es uns vor seiner Antiheldin Elvira Senn im Laufe der Geschichte mehr und mehr gruselt. Aber auch Nebenfiguren werden mit wenigen kurzen Sätzen derart prägnant beschrieben, dass man sie deutlich vor Augen sieht.

Ich empfehle das Buch als spannende und zugleich anspruchsvolle Lektüre für den Leserausch und glaube, dass dieser Roman Klassikerqualitäten hat. Er eignet sich auch als Geschenk für Manager, da der Autor sich im Schweizer Geldadel und seinen Gepflogenheiten bestens auskennt.


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Ein Suter, keine Frage

So, jetzt hab ich langsam fast alle Romane von ihm gelesen, in verkehrter chronologischer Reihenfolge.
Small World hat mir am Besten gefallen. Die Konstruktion des Romans ist im Grunde nicht weiter knifflig, funktioniert aber einfach sehr gut. Die handwerkliche Umsetzung ist gelungen, man bleibt dran, und jede Seite ist ein Genuss.
Etwas blass bleiben leider die Charaktere, die eher holzschnittartig-lieblos präsentiert werden. Hier die böse Patriarchin, da der verkomme Sohn, und bei Simone, die sich ja zu so einer Art Protagonistin entwickelt, fällt mir eigentlich gar nichts ein.
Man kann das natürlich auch so lesen, dass die Charaktere zugunsten der Geschichte zurücktreten, ich fand das aber etwas unausgewogen.
Ansonsten habe ich aber nichts zu bemängeln und sage mal: Hut ab.


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wieder ein toller Roman von Martin Suter

In seinem Buch Small World widmet sich Suter der Alzheimererkrankung. Informationen über diese tragische Krankheit und wie sie das Leben eines Erkrankten beeinflusst werden in einem spannendem Krimi verpackt.
Konrad Lang ist über 60, lebt ein bescheidenes, ärmliches Leben und ist finanziell völlig abhängig von der reichen Fabrikantenfamilie Koch. Seit Kindheit an ist sein Leben mit das des gleichaltrigen Koch Sohnes Thomas verwoben. Sie gehen zur selben Schulde, erhalten die gleichen Ausbildungen, immer spielt er die zweite Geige. Für den jungen Koch ist er Begleitung zur Unterhaltung, er wird jedoch nur soweit geduldet, als die Anwesenheit eines nicht Standesgemäßen nicht als störend empfunden wird.
Als Erwachsener betreut Konrad als Hausmeister einen Sommersitz der Kochs. Aufgrund seiner immer größer werdenden Vergesslichkeit und Zerstreutheit geht diese Villa am Anfang des Buches in Flammen auf.
Doch Konrad Lang wird von der Familie Koch nicht verstoßen sondern weiterhin durchgefüttert, er bekommt eine Wohnung und genug finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt um so halbwegs über die Runden zu kommen.
Thomas' Mutter Elvira verfolgt interessiert die Alzheimer-Erkrankung von Konrad Lang. Als diese immer stärker wird, wird sie immer zufriedener.
Woran könnte Lang sich erinnern, dass der reichen Industriellen schaden könnte? Wovor hat Elvira Koch solche Angst, dass sie den schwer kranken Konrad sogar zu sich holen lässt, als er sich im Zuge seiner Krankheit an immer mehr Details aus der Kindheit zu erinnern beginnt, während er alleine nicht mehr nach Hause finden würde?
Suter versteht es wieder einmal blendend, einen immensen Spannungsbogen aufzubauen und wunderbare Charaktere zu erschaffen. Ein wahrer Lesegenuss!



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Die Brieftasche im Kühlschrank

In seinem ersten Roman beweist Martin Suter bereits sein ganzes Talent. Konrad Lang leidet an Alzheimer, doch nicht nur, dass er unfreiwillig in seinem Alltag versinkt, Dinge vergisst, nicht wieder erkennt, ihn plagen Erinnerungen. Das ist bei vielen Menschen so. Lang jedoch wußte nicht, dass er sie besaß. Sie tauchen wie aus einem fremden Leben auf, verunsichern sein jetziges und setzten ihn auf die Spur, um Verlorenes zurückzugewinnen. Der Thriller versteckt sich in der Geschichte einer Familie, die alles daran setzt, dass Ereignisse der Vergangenheit nicht wieder ans Tageslicht gezerrt werden. Suter wechselt Schauplätze Stimmen und beweist von leichter Hand, wie geschickt er mit Spannung umzugehen versteht. Wenn sich das Ende nähert, ahnt man, was geschehen ist, was überhaupt nicht stört, weil Suter seine Geschichte mit einem Augenzwinkern serviert. Teilweise lakonisch, teilweise amüsant, vor allem sezierend, wozu Menschen fähig sind. Martin Suter behält dies alles nicht nur in diesem Roman fest im Blick.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10



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