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  Die Heimkehr | Bernhard Schlink
 
 
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Die Heimkehr
Bernhard Schlink

Diogenes, 2008 - 384 Seiten

Kundenbewertung:(22 Bewertungen)
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Wann Peter Debauer begann, sich über den Wunsch seiner Großeltern hinweg zu setzen, weiß er gar nicht mehr genau. Vielleicht war es in jenem Sommer, als die junge Lucia ihn in die Waschküche lockt, um ihm ihr Geschlecht zu zeigen und ihn damit erwachsener werden ließ. Vielleicht war es aber auch nur aus Langeweile, während einer öden Schulstunde. So oder so hat er sich Jahre lang an das Verbot gehalten, die Rückseite der Blätter nicht zu lesen, die ihm Oma und Opa während der Ferien bei ihnen in der Schweiz zum Schreiben und Malen überlassen hatten. Dort fanden sich die Druckfahnen der Heftchenreihe ?Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung?, die die alten Leute nach allerlei Irrungen und Wirrungen ihres harten und entbehrungsreichen Lebens im Alter redigierten.

So oder so: Irgendwann dreht Peter die Blätter um. Er liest die Geschichte der Rückkehr eines Soldaten aus Sibirien, die ihn seltsam berührt. Er liest, wie der Mann plötzlich vor der heimischen Haustür steht, wo ihn seine Frau mit einem fremden Kind und einem fremden Mann an ihrer Seite entgegen tritt. Doch dann bricht die Erzählung ab, weil Peter die restlichen Seiten schon weggeworfen hat. Erst Jahre später fällt sie ihm wieder ein, macht sich der Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Autor des Romans, um dessen Ende zu erfahren. Eine Reise in die Geschichte -- auch die eigene Vergangenheit -- beginnt...

Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Vorleser ist der gelernte Jurist und Berliner Autor Bernhard Schlink der Spezialist für verschüttete Biographien, die sich nicht zuletzt, in einer Art Roman im Roman, immer erst in der Lektüre seiner Figuren entwickeln und entschlüsseln lassen. In Die Heimkehr ist das nicht anders. Und auch viel von Schlinks juristischem Fachwissen ist -- neben seiner Vorliebe für historische Stoffe -- wieder einmal in das Buch eingeflossen. Gerade diese Ansammlung eingestreuter, teils grotesker Rechtsfälle macht Die Heimkehr besonders lesenswert. Darüber hinaus ist Schlink wieder einmal gelungen, mit Hilfe einer geradlinigen Sprache und eines von Melancholie durchzogenen Stils zu fesseln. --Stefan Kellerer


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Vergangenheitsbewältigung in leisen Bildern

Als Kind verbringt Peter seine Ferien immer bei den Großeltern väterlicherseits in der Schweiz. Sein Vater kam während des 2. Weltkriegs ums Leben, während seine Mutter mit ihm schwanger war. Sie will zwar persönlich keinen Kontakt zu den Großeltern halten, legt aber Wert darauf, dass Peter ein gutes Verhältnis zu ihnen aufbaut, und der Junge liebt diese Aufenthalte.

Abends liest oder malt er am großen Tisch, während Oma und Opa Romane für die Heftereihe lektorieren, die sie herausgeben. Ab und zu bekommt Peter die Rückseiten der Korrekturfahnen als Malpapier, mit der Auflage, die abgedruckten Texte nicht zu lesen.

Als Teenager tut er es dann doch und ist gefesselt von dieser Geschichte. Ein Soldat kehrt aus dem Krieg zurück und findet seine Frau in der gemeinsamen Wohnung vor, mit einem fremden Mann und zwei Kindern. Doch die Geschichte ist nicht mehr vollständig, Peter hat als Kind wohl die Blätter mit dem Ende bemalt und weggeworfen.

Immer wieder kommt ihm diese Erzählung in den Sinn, und eines Tages begibt er sich auf die Suche nach dem Autoren, der allem Anschein nach Peters Heimatstadt kennt und womöglich dort gelebt hat oder immer noch lebt.

In unaufdringlichen, leisen Bildern schildert Bernhard Schlink diese Spurensuche, die für Peter zur Obsession wird, in deren Dienst er quer durch Deutschland und die Schweiz reist, in deren Verlauf er Barbara kennenlernt, die ihn ebenfalls nicht mehr loslässt und die ihm letztendlich mehr über sich selbst enthüllt, als er sich hätte träumen lassen.

Wie schon in Der Vorleser" geht es auch in diesem Buch um die Bewältigung der jüngsten deutschen Vergangenheit, die Geschehnisse der Nazizeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, das nicht nur der Schilderung von Peters Suche gewidmet ist, die man gespannt mitverfolgt, sondern auch einige schöne Überlegungen über Schuld und Recht und die menschliche Natur enthält.


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Zehn kurzweilige Stunden anspruchsvoller Unterhaltung

Ein Junge wächst ohne Vater in Westdeutschland der Nachkriegsjahre auf. Seine beschauliche Ferien verbringt er regelmäßig bei seinen Großeltern in der Schweiz. Eines Tages liest er einen Trivialroman über einen aus der Gefangenschaft heimkehrenden Soldaten. Bei dem Roman fehlt das Ende. Jahre später erinnert sich der inzwischen erwachsene Protagonist an das Gelesene als er das Haus des Soldaten, das im Roman beschrieben wurde, in seinem Wohnort sieht.
Eine plastische unaufgeregte Schilderung eines Einzelschicksals liefert Insider-Einsichten in den Werdegang, das Leben und die Befindlichkeiten der bundesdeutschen Gesellschaft. Eingebettet ist diese Schilderung in einen spannenden Plot.
Da die Story an manchen Stellen etwas konstruiert daherkommt, gibt es lediglich vier Sterne. Der Sprecher Hans Korte ist jedoch ein Zauberer und bekommt - von der Bewertung des Stoffs unabhängig - fünf Sterne.


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Spannende Lektüre und Stoff zum Weiterdenken

Zweierlei zieht sich durch dieses Buch: zum einen das Motiv der Heimkehr des Gatten und Vaters, wie man es in der Odyssee und in zahllosen Biographien nach dem 2. Weltkrieg findet, zum anderen die Frage, ob der Dezisionismus, der sich u.a. im Denken und Handeln der Nationalsozialisten findet, und der Dekonstruktivismus des postmodernen Denkens etwas gemeinsam haben, eine Gemeinsamkeit, für die der geheimnisvolle Vater steht, nach dem der Ich-Erzähler im Roman auf der Suche ist.
Diese Suche ist durchaus spannend. Das Buch liest sich gut; allerdings merkt man ihm schon an, daß sein Verfasser ein Professor ist. Nicht die Geschichte selbst, sondern die Gedanken und Motive, die er in diese Geschichte einbauen möchte, bestimmen den Fortgang der Handlung. Das wirkt dann gelegentlich doch recht konstruiert, auch wenn es gut konstruiert ist. Vor allem die Figur des Vaters wird nicht so richtig ein Mensch aus Fleisch und Blut; vielleicht soll sie es auch gar nicht sein.
Anders ist es mit dem Erzähler: wie in seinen anderen Büchern stellt Schlink ihn uns nicht einfach vor, sonder erzählt aus seiner Perspektive. Dadurch identifiziert sich der Leser zunächst einmal mit ihm und entdeckt erst nach und nach im Laufe der Lektüre die Besonderheiten dieses Menschen. Das ist interessant, weil es zugleich ein Selbstfindungsprozeß ist: Was habe ich mit ihm gemeinsam, was nicht?
Ein Buch, das spannend unterhält und zugleich zum Nachdenken anreizt - diese Verbindung ist dem Autor gelungen, auch wenn es vielleicht nicht sein stärkster Roman ist und er die behandelten Themen nicht erschöpfend behandeln kann. Positiv hervorzuheben wäre noch, wie ansprechend die Taschenbuchausgabe des Diogenes-Verlages gestaltet ist - und daß das Buch in der "alten" Rechtschreibung gedruckt ist.


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Eine kumulative Erzähung

Gewiss, ich schätze Bernhard Schlink. Doch gehört es zu den wirklich schwierigen Dingen im Leben eines Autors, nach einem Welterfolg an diesen anzuschließen. Meiner Meinung nach ist Schlink dies mit dem vorliegenden Titel nicht gelungen.

Im Wissenschaftsbereich gibt es den Begriff der "kumulativen Dissertation", das heißt, dass ein Doktorand beantragen kann, anstelle einer Dissertation eine Sammlung verschiedener Aufsätze als Dissertation anerkannt zu bekommen. Und genau so empfinde ich den Roman "Die Heimkehr": Eine Sammlung disparater Textfragmente, bei denen sich er Autor verzweifelte Mühe gibt, Zusammenhänge herzustellen und dem Ganzen einen Sinn zu geben.

Ohne Zweifel, der "Plot" ist spannend gewählt, doch dann verirrt sich Schlink in seiner eigenen Geschichte. Viele Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur haben es bereits versucht, nach Martin Walser jüngst Pascal Mercier: Der Roman im Roman. Dabei werden über lange Passagen Auszüge aus tatsächlichen oder erfundenen Büchern im eigenen Werk zitiert. Parallele Handlungsstränge entstehen, Zusammenhänge werden nach und nach mehr oder weniger plausibel hergestellt.

Die große unbeantwortbare Frage aber lautet: Wird das Werk dadurch auch spannender, interessanter oder gar besser? Oder sitzen Verlage und Leser geschickten Autoren auf, denen mit zunehmendem Alter die Kraft für einen eigenen Roman von über 300 Seiten fehlt?

Bernhard Schlink konnte diesem Trend, dem offenbar auch deutsche "Großschriftsteller" verfallen sind, nicht widerstehen und hat nun seinerseits versucht, dieses Textprinzip in seinem Roman Die Heimkehr" zur Anwendung gelangen zu lassen.

Kurz gesagt geht es um den Ich-Erzähler Peter Debauer, der die Ferien seiner Kindheit häufig bei seinen Großeltern in der Schweiz verbringt. Diese editieren und korrigieren als Nebenverdienst abends nach getaner Arbeit Heftchenromane. Eingearbeitete Korrekturbögen werden - sparsam wie die 50er Jahre waren - auf den Rückseiten als Kladden weiterverwendet, nicht jedoch ohne das Verbot auszusprechen, die Vorderseiten zu lesen. Doch was verboten ist, macht nicht nur Peterchen scharf.

Auf diese Weise entdeckt er Fragmente eines jener Groschenromane über die Heimkehr eines deutschen Soldaten aus sibirischer Gefangenschaft auf der Suche nach seiner Frau. Doch angekommen in seinem Haus - der Leser ahnt es - öffnet ein anderer Mann. Leider fehlen dann die folgenden Seiten.

Viele Jahre später erinnert sich Peter dieser Geschichte - und will nun deren Ende wissen. Dazu muss er dessen Autor finden. Doch diese Suche gestaltet sich alles andere als einfach. Wen wundert's, wollen doch knapp 400 Seiten gefüllt werden!

Besonders das Ende ist arg konstruiert und m. E. unterlaufen Schlink dabei auch ein paar logische Schnitzer. Er findet seinen vermeintlichen Vater John de Baur in den USA als lehrenden Professor. Doch selbst wenn die Handlung in den 90er Jahren spielt, wäre dieser längst emeritiert.

Fazit: Für Schlink-Leser sicher unverzichtbar, insgesamt aber ein mühsames Werk, bei dem der "rote Faden" nicht nur dem Leser ab und an verloren geht.



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Anspruchsvoll, aber ohne Pointe

Ich finde dieses Buch, so viel Gedankenfleiß und soviele gelungene Formulierungen darin auch enthalten sein mögen, letztlich misslungen.

Der Autor versucht sich an einem Zeitbild - von der Nachkriegs - über die fünfziger, sechziger, siebziger Jahre bis in die Nachwendezeit hinein, zugleich an politischen und rechtlichen Theoremen, an einer literaturhistorischen Betrachtung der Odyssee, des Heimatromans, der Beschreibung von Heimkehrerschicksalen und -romanen, und packt das ganze in eine Rahmenhandlung über die Suche eines Mannes nach seinem Vater. Mit dieser geballten Ladung hat Schlink sein Werk entschieden überfrachtet.

Hinzu kommt, dass die Rahmenhandlung alle Elemente eines Kolportageromans aufweist. Sie wirkt nicht lebensnah, sondern arg konstruiert und ächzt an vielen Stellen unter ihrem eigenen Gewicht, auch hört man schon nach den ersten Kapiteln die Nachtigall, die dann am Ende erscheint, sehr vernehmlich trapsen. Zwar gibt es nicht das obligatorische Happy End dieser Branche, aber dafür bleiben die handelnden Personen entweder blass und unplausibel oder sie sind in so grellen Farben gezeichnet, dass man sie nur noch als Karikaturen anerkennen kann.

Der Autor traut offensichtlich der Figur des Ich-Erzählers nicht besonders. Das merkt man daran, dass er diese Figur, die man doch ziemlich bald durchschaut hat, durch vielfältige Nebengeschichten zu beschreiben und auszubauen versucht, ohne dass diese dem Leser ihrem Charakter näher- oder die Geschichte selbst weiterbringen. Mit wachsendem Desinteresse liest man über seine Frauengeschichten, seine Verlagskarriere, seinen Ausflug an die Humboldt-Uni der Wendezeit, in die USA. Manche Details sind schön beschrieben, andere wiederum erscheinen wenig plausibel, vor allem die Zeitachse knirscht an mehreren Stellen.

Mir scheint, dass dem Autor der Mut fehlt, seine Protagonisten handfesten Auseinandersetzungen auszusetzen bzw. ihnen richtig wehzutun. Ebenso wie der "Vorleser" Michael Berg von der KZ-Vergangenheit Hannas nicht erfährt, während die beiden noch ihre Liebesbeziehung haben, weichen auch der Roman "Heimkehr" und dessen Protagonist der Konfrontation aus. Obwohl die Geschichte auf ein vorhersehbares Ende zusteuert, bleibt sie ohne Katharsis, ohne Pointe, ohne brauchbare Botschaft, vielleicht intellektuell anspruchsvoll, aber ebenso folgenlos wie die dekonstruktionistische Theorie der Sprache, der Literatur und des Rechts, die der Autor beschreibt.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5



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