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  Maigret und die Affäre Saint-Fiacre: Sämtliche Maigret-Romane Band 13 | Georges Simenon
 
 
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Maigret und die Affäre Saint-Fiacre: Sämtliche Maigret-Romane Band 13
Georges Simenon

Diogenes, 2008 - 192 Seiten

Kundenbewertung:(3 Bewertungen)
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einzigartig

Dieser Maigret-Krimi war mein erster Kontakt zu Simenon, zu dem ich bis dahin tunlichst Abstand hielt.

Allerdings war mein Kontakt in Filmform, denn das Buch wurde unter dem Titel "Maigret kennt kein Erbarmen" verfilmt. Jean Gabin spielt in dem s/w-Film den Maigret, und er hat die Figur des Maigret mit seiner Schauspielkunst geprägt.

Spricht man heute von Maigret hat man Gabin vor den Augen. Simenon selber hat die Figur des Maigret nur grob beschrieben, so hat der Leser selber die Möglichkeit "seinen Helden" zu formen, und die Art und Weise wie Gabin die Rolle gespielt hat ist einzigartig und prägend.

Zum Inhalt: Maigret kehrt nach Saint-Fiacre zurück, wo er als Kind geboren und aufgewachsen ist, denn sein Vater auf dem Gut des Grafen und der Gräfin von Saint-Fiacre Verwalter.

Später ging er dann nach Paris und wurde Polizist, wo er heute noch lebt. Als die Polizei von Moulin von der greisen Gräfin eine Morddrohung vorgelegt bekommt ist sie ratlos und bittet die Pariser Kriminalpolizei um Hilfe. Nur durch Zufall kommt die schriftliche Morddrohung in Maigrets Händen, und er zögert nicht nach vielen Jahrzehnten in den Ort seiner Kindheit zurückzukehren.

Er kann den Mordanschlag nicht verhindern, die Gräfin stirbt in der Frühmesse an Herzversagen.

Im Gebetbuch findet er einen Zeitungsartikel, der dort bewusst hereingelegt wurde um einen Herzanfall zu provozieren.

Als Mörder kommen viele in Frage. Der Sekretär der Gräfin, der gleichzeitig auch der Geliebte war. Der unnütze Sohn, der immer mehr Schulden macht. Der Verwalter des Gutes vielleicht auch, erhofft er sich einen Vorteil aus dem Tod der Gräfin?

Natürlich findet Maigret den Schuldigen, aber das ist hier nur Nebensache.

In diesem Buch kehrt Maigret in den Ort seiner Kindheit zurück, und man erfährt mehr von ihm, seiner Familie, seiner Herkunft.

Leider hat man diesen vorzüglichen Roman für die Verfilmung wie so üblich total entfremdet.

Im Film wendet sich die Gräfin sofort an Maigret, im Buch kommt er nur aus Zufall zu dem Fall.

Im Film wohnt er im Schloss der Gräfin, im Buch in einem Hotel im Ort.

Im Film reist er inkognito als Antiquitätenhändler, im Buch hat er keine Maskerade.

Im Film wird der Arzt des Ortes als ein Trottel und Idiot dargestellt, im Buch ist er ein hochgeachteter Arzt.

Der Sekretär hat im Film den unfranzösischen Namen "Lutz" bekommen, im Buch heisst er "Jean".

Und die Handlung wurde leider auch verfremdet. Dinge passieren anders, zu anderen Zeiten. So braucht Maigret im Film fast eine Stunde bis er das Gebetbuch der Gräfin findet, im Buch hat er dies nach 20 Seiten gefunden.

Im Film taucht die Gräfin selber persönlich auf, im Buch wird sie nur in der "Mordszene" in der Kirche erwähnt, usw usw.

Im Grunde haben Film und Buch nur das Handlungsgerüst gemeinsam, also Saint-Fiacre, Maigrets Kindheit, der Mord in der Kirchen, der Mörder in den Reihen der Gräfin.

Aber es lohnt sich sowohl den Film zu schauen als auch das Buch zu lesen!

Ach ja, das "duzen" wurde in einer früheren Rezension angesprochen: Maigret dutzt immer. Seine Kollegen genau wie seine Verbrecher die er fängt. Wer mehr als einen Maigret-Krimi liest wird dies schnell bemerken.


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Showdown im Schloss

Zum ersten Mal in seiner bisherigen Laufbahn fühlt sich Maigret einer Situation nicht gewachsen: Der Graf Maurice de Saint-Fiacre ruft all jene, die mit dem (heimtückischen) Mord an seiner Mutter, der Gräfin, etwas zu tun haben könnten, zu einem Abendessen zusammen. Natürlich ist Maigret mit dabei; er erhofft sich bei dieser Gelegenheit die Aufklärung des offenbar verzwickten Falles: Immerhin kündigte jemand auf einem Blatt Papier, das über die Stadtpolizei Moulins an die Kripo in Paris ging, an, "dass während der Frühmesse zu Allerseelen in der Kirche Saint Fiacre ein Verbrechen geschehen wird". Maigret fühlt sich auch persönlich angesprochen: Er stammt aus Saint-Fiacre; hier war sein Vater 30 Jahre lang Schlossverwalter. Für Maigret gilt daher die Devise: Auf nach Saint-Fiacre!
Und tatsächlich, wie angekündigt: Während der Frühmesse bricht die Gräfin tot zusammen. Die Prophezeiung hat sich bewahrheitet...
Simenon lüftet in diesem Roman - weiterhin 11 Kapitel! - etwas den Schleier um die Biografie unseres Kommissars: In Saint-Fiacre kennt ihn zwar praktisch niemand mehr; trotzdem bewegt sich Maigret sicher auf den Pfaden seiner Kindheit. Er kennt viele der Einwohner von Moulins noch - und damit auch ihre Mentalität. Und natürlich kannte er die ermordete Gräfin; deswegen ist es ihm auch ein besonderes Anliegen, den heimtückischen Mord an der Gräfin aufzuklären!


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Maigret am Ort seiner Kindheit

Das Besondere an dieser Folge: Maigret ermittelt in dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist und sein Vater Schlossverwalter war. Man erfährt deswegen Einiges über die Vergangenheit des Kommissars. Anlass für seinen Besuch ist ein anonymer Brief, der den Tod der Schlossherrin ankündigt. Maigret kann zwar nichts verhindern, die Aufklärung des Falles ist ihm aber eine Herzenssache, da er als Kind voll Bewunderung zu dieser Frau aufgeblickt hat.

Das Rätsel wird schließlich bei einem Abendessen mit allen Verdächtigen gelöst. Diese Situation erinnert an die Romane von Agatha Christie, mit dem Unterschied, dass sich Maigret dabei völlig passiv verhält. Dass seine Jugenderinnerungen ihn zum Mörder führen, wie es in der Inhaltsangabe des Buches steht, trifft deswegen nicht zu.

Die Atmosphäre des Romans ist wieder mal sehr dicht, was auch daran liegt, dass sich die Geschichte fast ausschließlich zwischen Schloss, Gasthaus und Kirche des Dorfes abspielt. Gleichzeitig ist die Stimmung ausgesprochen düster und von der Dunkelheit und Kälte zweier Novembertage geprägt. Humor kommt praktisch nicht vor, erst ganz am Ende verbreitet ein angedeutetes Lächeln etwas Zuversicht.

Irritiert haben mich die vielen Ausrufezeichen und dass Maigret einfache Leute wie den Friedhofsgärtner und den Glöckner duzt. Vielleicht war das früher aber so üblich. Simenon hat diesen Roman nämlich schon 1932 geschrieben, eine Zeit, in der Heizungen, Autos und Telefone in der französischen Provinz offenbar noch nicht allzu verbreitet waren.



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