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  Der Verdacht | Friedrich Dürrenmatt
 
 
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wirtschaftsgeschichte, hunger ist der beste..., sanyo schnellladeger..., petra neuwirth, der verdacht

Der Verdacht
Friedrich Dürrenmatt

Diogenes Verlag, 2004 - 120 Seiten

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"Zeigen Sie mir Ihren Glauben!"

Ende 1948. Der schwer an Krebs erkrankte Kommissär Bärlach, der krankheitsbedingt aus dem Polizeidienst ausscheidet, schöpft Verdacht, als sein Freund und behandelnder Arzt Hungertobel auf einem Foto des Nachrichtenmagazins "Life" einen früheren Kollegen wiedererkannt haben will, dessen Spezialität das Operieren ohne Narkose war. Selbiges wird auch von einem barbarischen KZ-Arzt namens Nehle berichtet und genau in diesem Nehle erkennt Hungertobel seinen einstigen Studienkollegen Emmenberger wieder. Hungertobel rudert dann aber zurück, weil Emmenberger die Kriegsjahre nachweislich in Chile verbracht habe, doch die Indizien häufen sich und Bärlach ist überzeugt, dass der KZ-Arzt in den Kriegsjahren die Identität seines Doppelgängers Nehle angenommen hat, diesen nach dessen Rückkehr aus Chile ermordete und danach unbehelligt als Emmenberger weiterleben konnte. Dr. Emmenberger betreibt inzwischen eine teure Sterbe-Klinik in Zürich und in genau die lässt sich der todkranke Polizist am letzten Tag des Jahres einschleusen. Doch Bärlach ist bereits aufgeflogen, als er nach dem Jahreswechsel aus einer fünftägigen Narkose erwacht, und sein Freund, der Journalist Fortschig, dem er den Auftrag erteilt hatte, in einem (übrigens unglaubwürdigen) Skandalartikel die Identität des KZ-Arztes zu enthüllen, ermordet. Bärlach erfährt das von der skrupellosen Ärztin Marlok. Die einstige KZ-Insassin ist heute Emmenbergers Geliebte und lebt jenseits der Moral.
Selbiges gilt für Emmenberger selbst, der sich im Gespräch mit seinem wehrlosen Patienten nicht viel Mühe gibt seine Verbrechen zu verschleiern und sich als Materialist und Nihilist par excellence erweist: "Und ich glaube, dass ich bin, als ein Teil dieser Materie, Atom, Kraft, Masse, Molekül wie Sie, und dass mir meine Existenz das Recht gibt, zu tun, was ich will. [...] Die Freiheit ist der Mut zum Verbrechen, weil sie selbst ein Verbrechen ist." Der Mensch, glaubt Emmenberger, sei gemessen an den Weiten des Universums nur Augenblick und Zufall, heilig sei nur die Materie. Alles sei austauschbar und gleichgültig, ob etwas existiere oder etwas anderes an seiner Stelle. Freiheiten würden nicht gegeben, man müsse sie sich nehmen. Denn es sei Unsinn an etwas anderes zu glauben als an das Ich als Teil der Materie. Der intensivste Augenblick, der einem Menschen in solcher Freiheit möglich sei, "gleich ungeheuer wie die Materie", sei es, zu foltern und zu töten, denn "wenn ich mich außerhalb jeder Menschenordnung stelle", laut Emmenberger eine Ordnung, die nur durch Schwäche errichtet worden ist, "werde ich frei, werde ich nichts als ein Augenblick, aber was für ein Augenblick!" (Zitat aus dem Kapitel "Die Uhr"). Exemplarisch will Emmenberger diese triumphale Freiheit an einem weiteren Opfer demonstrieren: an Bärlach. Als Deus ex Machina erscheint der Hüne Gulliver, ein exzentrischer KZ-Überlebender ohne festen Wohnsitz. Er befreit Bärlach aus seiner Notlage und teilt eher beiläufig mit, dass er Emmenberger gezwungen habe, eine Giftkapsel zu nehmen.
Wie in den meisten seiner Theaterstücke geht es Dürrenmatt auch in diesem Pseudo-Kriminalroman nicht um psychologischen Realismus. Bärlachs dilettantische Einschleusaktion ohne Rückversicherung wirkt ebenso wenig schlüssig und durchdacht wie der Mord an dem Journalisten Fortschig durch einen Zwerg, der übrigens erst in Emmenbergers Diensten steht und sich am Ende urplötzlich als Gullivers bester Gefährte aus gemeinsamen KZ-Zeiten erweist (eine Konstruktion, die eher in eine der Dürrenmatt-Komödien gepasst hätte). Die Krimihandlung ist eher Vehikel für philosophisch-moralische Betrachtungen wie die oben kurz umrissenen als Garant für Spannung. Die kommt hier lediglich am Schluss auf, als Bärlach in einer langen Nacht der Operation ohne Narkose entgegenblickt, die ihm der verbrecherische Arzt am Vorabend perfide in Aussicht gestellt hat.
Der eher eindimensionale Plot (Verdacht - Einlieferung - Enthüllung), für den es eine 30-seitige Kurzgeschichte auch getan hätte, verdient kaum mehr als zwei Sterne. Wirklich mitreißend ist dagegen Emmenbergers Herausforderung an uns alle: "Zeigen Sie mir Ihren Glauben!", fordert der Schwerverbrecher den Kommissär auf und weiß, dass er damit einen wunden Punkt berührt hat: "Man liebt es heute zu schweigen, wenn man gefragt wird, wie ein Mädchen, dem man eine peinliche Frage stellt. Man weiß ja auch nicht recht, woran man eigentlich glaubt [...]." Wer hier so schwach, so sprachlos bleibt wie Bärlach, der hat, auch diesen Verdacht nährt Dürrenmatts Buch, den Emmenbergers dieser Welt weiß Gott wenig entgegenzusetzen.



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Gerechtigkeit und Freiheit

Der Verdacht ist ein äußerst spannender, atmosphärisch dichter Kriminalroman, und doch bricht er wesentliche Regeln des Genres. Das gilt auch für Dürrenmatts andere Krimis Der Richter und sein Henker (ebenfalls mit dem Berner Kommissär Bärlach), Das Versprechen und Justiz: Verbrechen werden kaum aufgeklärt, die Welt bleibt undurchdringbar, der Triumph der Gerechtigkeit höchstens ein zufälliger. Dürrenmatt geht es nicht in erster Linie um die Suche nach einem Täter der ist hier schnell gefunden , sondern um die philosophischen Fragen nach Schuld, Sühne, Legitimität und Legalität. Im Verdacht geht es speziell um das Verhältnis von Gerechtigkeit und Freiheit. Dürrenmatt konfrontiert den Kommissär mit einem früheren KZ-Arzt namens Emmenberger, einem monströsen und grausamen Verbrecher, der in seiner unmenschlichen Art einen extrem radikalen Freiheitsbegriff vertritt: Emmenberger verklärt seinen persönlichen Sadismus zu einem Ausdruck höchster Freiheit und letztlich zu einer reinen Glaubenssache. Warum, fragt er Bärlach, sollte sein Nihilismus dem Prinzip der Gerechtigkeit unterlegen sein, zumal in einer materiellen Welt, die sich nicht mehr auf göttliche Gesetze beruft? Bärlach bleibt ihm eine eindeutige Antwort schuldig.


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Erinnerung aus alten Schultagen

Vor kurzem ist mir eine Idee gekommen, Bücher, die ich früher in der Schule lesen musste, noch einmal zu lesen. Denn bei den Büchern, die wir lesen mussten, kommen einzelne Namen und Taten wieder hervor, die in den einzlnen Büchern vorkam.

Und bei diesem Buch kam eben die Namen Bärlach und ein Arzt, der im Konzentrationslager gearbeitet hatte. Nur wusste ich das Ende nicht mehr. Daher kam das Interesse, dieses Buch zu bestellen und zu lesen. Und sofort wurden in den ersten Kapiteln Erinnerungen wach. Mir war, als säße ich im Klassenzimmer und würden das Buch durcharbeiten.

Ich fand es spannend zu lesen, obwohl ich eigentlich nicht gerne Krimiromane lese. Und nur innerhalb von drei Tagen hab ich es gelesen. Und ich fand es gut.

Also wer gerne liest und Krimis liebt, ist zu empfehlen. Ausserdem ist Dürrenmatt ein weltbekannter Literat. Er schreibt in einem besonderen Stil, was kaum noch zu finden ist. Man merkt, dass er aus einer anderen Generation kommt. OK, die Bücher von heute sind auch super. Aber ältere Literatur zu lesen ist schon etwas ausgefallener. Der Stil ist irgendwie klassisch.

Viel Spaß beim Lesen!


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Die Sinnfrage

Kommissar Baerlach ist dem Tod geweiht, sein Magenkrebs nicht mehr aufhaltbar. In dieser Situation, in der er noch 1 Jahr zu leben hat und eigentlich anderen Dingen froenen sollte, wird er in einer Zeitschrift eines Arztes gewahr, der im Naziregime medizinische Experimente taetigte und fuer den Tod vieler Menschen verantwortlich ist. Baerlach faengt an zu ermitteln und identifiziert 2 Personen zu der Fotografie aus dem Magazin: Emmenberger, der sich in Chile aufhielt und Nerle, ein KZ Serge, der den Freitod waehlte. Beide sehen sich aehnlich, doch wer ist wer? Um dieses Raetsel zu loesen, laesst sich Kommissar Baerlach ins Spital fuer Reiche einweisen. Dort lernt er Emmenberger und dessen Geliebte Marlock kennen, eine ehemalige Kommunistin, die nach Russland floh, um den Deutschen zu entkommen und eben an diese von den Russen ausgeliefert wurde. Paradoxer geht es wohl kaum. Sie war im KZ, in dem Emmenberger sein Unwesen trieb und wurde dort seine Geliebte. Emmenberger durchschaut Baerlach und outet sich und seine Gedanken. Unrecht empfindet Emmenberger keineswegs, nur den unabdingbaren Willen, seine individuelle Freiheit auszuleben und sich das Recht des Staerkeren zu verschaffen. Und er droht, Baerlach bei vollem Bewusstsein zu operieren.
Fuer Baerlach ist die Konfrontation mit Emmenberger mehr als die Suche nach einem NS Taeter, es ist die Auseinandersetzung mit sich, dem, was er denkt und wofuer er sein ganzes Leben lang gekaempft hat. Die Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts des Umstandes, dass der Magenkrebs sein Leben auf weniger als 12 Monate reduziert hat. Brilliant und mehr als nur ein Kriminalroman.


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reviews: page 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7



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