Die Reise des Ibn Fattuma | Nagib Machfus, Doris Kilias
Bücher:
die reise des ibn fa...
Die Reise des Ibn Fattuma
Nagib Machfus
,
Doris Kilias
Unionsverlag
, 2006 - 192 Seiten
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Begegnung mit unterschiedlichsten Kulturen
Die
Reise
des
Ibn
Fattuma
wird zur lebenslangen Wanderschaft, die dem Held die Begegnung mit den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen, aber auch politischen Systemen beschert. Der Roman von Nagib Machfus hat manchmal didaktische Züge und liest sich deshalb auch ein bisschen wie eine literarische Analyse verschiedenster Gesellschaftsformen. Ein sehr schönes Buch, das sicher jeder mag dem auch schon der Alchimist von Paulo Coelho gefallen hat.
Kampf der Gesellschaftssysteme
Die
Reise
des
Ibn
Fattuma
ist eigentlich eine geschichtliche Reise durch unterschiedliche Gesellschaftssysteme. Aus der Perspektive des "Landes des Islam", der Heimat Ibn Fattumas, werden die Systeme der anderen Länder, die bereist werden, beschrieben. Zunächst kommt der Reisende in ein Land, in dem eine Ordnung der Naturvölker zu herrschen scheint. Es gibt kaum Normen, die "Moral" weicht erheblich von der des Landes des Islam ab. Es ist kein Wunder, dass Ibn Fattuma dieses System grundsätzlich ablehnt. Ein Wunder ist eher, dass er es dort dennoch jahrelang aushält, eine Familie gründet und erst fortgeht, als man ihn dazu zwingt. Das zweite Land ist das Ebenbild einer feudalistisch-kapitalistischen Ordnung. Ibn Fattuma findet sich hier besser zurecht, sieht sich aber plötzlich der Willkür der Machthaber ausgesetzt und wird für zwanzig Jahren in ein Gefängnis gesperrt. Nur ein Staatsstreich befreit ihn. Er begibt sich ins dritte Land, einem sozialistischen Staat, in dem alle gleich sein sollen, in dem die lenkende Hand des Staates Ibn Fattuma jedoch zu sehr in das eigene Leben einzugreifen scheint, weshalb er schließlich ins vierte Land weiterreißt. Hier strebt man die Ideale an, die auch alle anders Systeme verfolgen (oder zu verfolgen vorgeben), nur tut man es hier konsequenter: Freiheit - Gleichheit - Gerechtigkeit. Diese Ideale scheinen vor allem geistig verwirklicht zu werden, was dazu führt, dass mit dem Erreichen der Ideale jeder nur für sich ist und die Gemeinschaft zerbricht. Am Ende bricht zwar kein Chaos aus, von einer Ordnung (im Sinne einer Gesellschaftsordnung) kann man aber auch nicht grade sprechen. Dieses Land ist aber noch nicht das Ziel der Reise des Ibn Fattuma, es ist erst die letzte Station vor dem Gaballand, in dem man die perfekte Gesellschaftsordnung vermuten darf. Ibn Fattuma wird gezwungen, sich auf den Weg zum Gaballand zu machen, ohne eigentlich völlig vorbereitet zu sein, weil durch einen Krieg das Land, in dem er sich vorbereitet, annektiert und ihm die Gesellschaftsordnung des Agressors (in diesem Fall der sozialistische Staat) aufgezwungen wird. Ibn Fattumas letzte Reise zum Gaballand ist entbehrungsreich und lang und sie endet - zumindest was die Tagebuchaufzeichnungen angeht - am Fuße des Berges, auf dessen Spitze sich Gabal befindet. Mit anderen Worten kann der Leser nicht mit Sicherheit sagen, dass Ibn Fattuma tatsächlich sein Ziel erreicht hat. Das ist einierseits desillusionierend (vielleicht erreicht er nie sein Ziel? Vielleicht gibt es keine gerechte Gesellschaftsordnung?), andererseits motivierend, weil es zeigt, das sich die Suche danach evtl. lohnen kann und dass man nicht aufhören soll zu suchen.
Ein sehr lyrisches und lesenswertes Buch.
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Viel Stoff zum Nachdenken ...
... bietet dieses Buch, das wie eine Art Abenteuergeschichte daherkommt, jedoch ausgesprochen politisch ist und zudem einen interessanten philosophischen Ansatz zeigt.
Ein junger Mann, er nennt sich
Ibn
Fattuma
, bricht aus seiner islamischen Heimat auf, weil er dort seine Verlobte nicht heiraten durfte. Kurz von der geplanten Hochzeit, hat ein Hofbeamter beschlossen, die junge Frau zu seiner vierten Ehefrau zu nehmen und Ibn Fattuma hat das Nachsehen. Da die Machtverhältnisse in der Heimat sein persönliches Lebensglück zerstört haben, beschließt er, fremde Länder zu be
reise
n. Seinem Heimatland will Ibn Fattuma über die größten Weisheiten dort berichten und sogar in das legendäre, ideale Gaballand vorstoßen.
Das Maschrikland, das Hairaland, das Halbaland, das Ghurub- und das Amanland, die der Reisende Ibn Fattuma besucht, erweisen sich als Allegorien heute bestehender Gesellschaftssysteme und ihrer Werte. In dem Buch sind diese Länder sind scharf abgegrenzt, verfeindet und durch Wüsten getrennt. Das läßt ihre Eigenheiten besonders deutlich hervortreten. Mit Scharfblick und messerscharfer Kritik hat Autor Nagib Machfus verschiedene Gesellschaftsordnungen und die dahinter stehenden Weltanschauungen analysiert. Er beschreibt, die Lebenseinstellungen der Menschen und wie sie mit Fremden umgehen. Der reisende Ibn Fattuma bleibt nicht lange außenstehender Beobachter. Er verliebt sich erneut. Wird er diesmal sein Glück finden?
Aus solch anspruchsvollem Stoff ein Buch zu schaffen, das sich angenehm liest und menschliche Wärme verströmt, zeugt von großem schriftstellerischen Können. Darüber hinaus noch Verständnis zwischen politischen und kulturellen Unterschieden zu wecken, Kritik so anzubringen, daß man sie annehmen kann, und darüber hinaus noch eine Lösung anzudeuten, ist auch eine politische Leistung. Das Buch obwohl schon 1983 geschrieben, ist gerade heute hilfreich. Man kann besser verstehen, wie Menschen aus den arabischen Ländern die einzelnen politischen Systeme - insbesondere das unsrige - beurteilen.
Autor Nagib Machfus hat den Nobelpreis zurecht erhalten.
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