Ein langer Weg dorthin: Steigeisen kann Walter Grivel(!) noch schmieden, ein Grindelwalder Schuhmacher beschlägt die Schuhe mit ?Tricounis", Metallnägeln nach alter Vorlage. Die Seilerei Berger fertigt das dreißig Meter lange Stück - ein Kälberstrick aus gedrehtem Hanf, dem eine Seele aus Nylon eingehaucht wurde: Der Falltest entlarvte sie als haltlos. Der Vorsteiger darf nicht stürzen.
Nun ist die Besteigung nicht länger nostalgisch, sondern historisch. Die handvoll Bilder mit Helicopter, Red Bull und einem der beiden Alpinisten im Dreilagen-Dress der Neunziger, dem anderen im Drillich der Dreißiger, sie sind beinahe notwendig, damit nicht neue mit alten Aufnehmen verwechselt werden. Denn während der Fernsehbeitrag von DRS und arte (13. April) farbig flimmerte, besteht ?Eiger-Nordwand" ausschließlich aus künstlerischen Schwarzweiß-Bildern.
Neben den Höchstschwierigkeiten der Topalpinisten wird diese Besteigung eine längere Halbwertszeit im Gedächtnis behalten, da ihr eine Idee innewohnt, welche während des gesamten Buches präsent bleibt: Was sind wir schon heute für Bergsteiger mit unserem Aluminium-Selbstverwirklichungskrempel?
Nils Theurer