Angereichert mit aktuellen Interviews mit der Witwe P. A. Müller's und Helmut K. Schmidt's, der als Ive Steen u.A. an Rah Norton mitschrieb, haben sich die Autoren eine Mammutaufgabe vorgenommen - und diese bravourös gemeistert.
Sie beleuchten das Leben und Werk Paul Alfred Müller's, nehmen eine objektive, manchmal auch durchaus kritische Einordnung der Veröffentlichungen eines der erfolgreichsten deutschen Phantastik-Autoren vor.
So gehen sie auf PAMs Engagement der Hohlraum-Theorie ausführlich ein, schildern seine Recyclingfähigkeiten ebenso wie sie besonderes Augenmerk auf die Änderungen der Texte durch die Reichsschrifttumkammer legen. Hier, wie auch später in den Abhandlungen zu den Leihbuchveröffentlichungen machen sie Geschichte lebendig. Es ist faszinierend zu lesen, welche Änderungen Goebbels Schergen in den Sun Koh Romanen der Nachauflage veranlassten, wie die literarische Versorgung der Bevölkerung nach dem Krieg durch die kommerziellen Leihbüchereien gesichert wurde. Diese Kapitel der deutschen Buchlandschaft insbesondere im Bezug auf die so oft zuunrecht verpönte Trivial-Literatur wurde bislang kaum aufgearbeitet. Insoweit betreten die Autoren hier auch Neuland.
Das Ganze liest sich nicht etwa trocken und langatmig, wie so viele Biographien, ganz im Gegenteil. Die Autoren verstehen es, uns mit ihren Berichten gefangen zu nehmen. Vor unseren Augen nimmt eine lebendige Person Gestalt an, sein Werdegang, seine Motivation und schlussendlich auch sein immenser Erfolg werden uns geschildert. Natürlich nimmt sein erfolgreichstes Projekt, die Sun Koh Reihe den meisten Raum ein, aber die Autoren nahmen sich den Platz auch auf seine Einzelromane und anderen Reihen einzugehen. Beigefügt haben sie dem Band eine komplette Bibliographie einschliesslich aller unter Pseudonym erschienen Titel PAMs. Ganz wichtig auch er erwähnen, dass die Autoren einen kompletten Sun Koh Episodenguide, wie es neudeutsch so schön heisst, beigefügt haben. Neben der Abbildung aller (!) Titelbilder der Heftreihe erhält der Leser auch einen kurzen Handlungsabriss mit Nennung der Handlungsorte, Personen, technische Innovationen und wissenschaftlichen Exkurse jedes einzelnen Heftes. Umfangreiche Indexes, unzählige Reproduktionen von Titelbildern und Fotos legen beredt Zeugnis davon ab, was für eine immense Arbeit in diesem Buch steckt. Da versteht man dann, dass sich die Veröffentlichung immer wieder verzögert hat, galt es doch neuen Hinweisen auf weitere, abweichende Publikationen nachzuspüren, Interviews zu machen und einzuarbeiten und die Bilder einzuscannen. Ein Fehldruck des Umschlags führte dann zu einer weiteren Verschiebung, so dass schon Unkerufe laut wurden, ob das seit längerem angekündigte Werk überhaupt erscheinen würde. Von Verlagsseite wurde hier immer wieder zurecht darauf hingewiesen, dass die Qualität der Einhaltung eines festen Termins vorgehen würde. Im Nachhinein gibt das Buch den Verlegern recht. Mit diesem Band wird einem der Pioniere der deutschen Science Fiction ein würdiges und umfassendes Denkmal gesetzt - hoffen wir, dass es auch neues Interesse an den Werken dieses auch heute immer noch lesenswerten Autor's weckt!
Müllers Schreibstil war dem durchaus angemessen, er hat gut geschrieben und keine stilistischen Versatzstücke und Worthülsen verwendet ( wie sie heute bis zum Erbrechen sogar in der angeblich ?gehobenen Literatur!" zu finden sind) und - das sei ausdrücklich gepriesen! - er war nicht ?politisch korrekt!". Das bedeutet, er hat nicht gelogen, verdreht, getäuscht und die Leute an der Nase herumgeführt. Er war von dem überzeugt, was er schrieb und hat seinen Überzeugungen klaren Ausdruck verliehen. Es ist lächerlich, ihm heute anzukreiden, er habe ?Hefte" verfasst. Das hat Charles Dickens auch getan!Heinz J. Galle hat mit seinem Buch eine der Müllers vergleichbare Leistung vollbracht. Er bietet dem Leser eine hochwillkommene Fülle von biographischem Material über den Menschen und Techniker Müller, über sein bewundernswert umfangreiches Werk und dessen Entstehungsgeschichte und Schicksal über fast das Jahrhundert hinweg und dazu noch ein Quellenwerk, das bisher nicht existierte. Galle hat etwas zur Geschichte der deutschen Literatur beigetragen - auch wenn dazu eigentlich berufene mutmaßliche Fachleute darüber die Nase rümpfen. Es war höchste Zeit, die dumme Einteilung in E- und U-Literatur beiseite zu lassen und ein schriftstellerisches Werk zu würdigen, das ganze Generationen beeinflusst und sogar geprägt hat.Galles Buch ist reich illustriert, eine lobenswerte Leistung des Verlages und es ist glänzend geschrieben: Flott, modern, detailreich, aber nie langweilig und es bietet dem, der gern über Welt, Leben und Menschen nachdenkt, großen Stoff.Der Rezensent bekennt gern, in seiner Jugend Maienblüte selbst ein begeisterter Leser der Sun-Koh-Bücher gewesen zu sein, deshalb hat ihn Heinz J. Galles Buch nicht nur interessiert, sondern mitgerissen. Wenn es nur gelänge, die Sun-Koh-Reihe als Reprint in der Originalform, ohne die verfälschenden Zensureingriffe, wieder aufzulegen, würde das ein bedeutender Dienst für kultur- und literargeschichtlich Interessierte sein. Das Reprint der Originale und Heinz J. Galles herausragendes Buch zusammen - ein Traum!Volker Stutzer